«Der Rückzug überrascht mich, Saab kannte die Bedingungen»

Paukenschlag bei der Kampfjet-Auswahl, der Gripen ist aus dem Rennen. Ständerat Josef Dittli sagt, was das bedeutet.

Kommt für die Schweizer Luftwaffe nicht mehr in Frage: Der Gripen von Schwedens Saab. (Foto: Keystone)

Kommt für die Schweizer Luftwaffe nicht mehr in Frage: Der Gripen von Schwedens Saab. (Foto: Keystone)

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Der Gripen E des schwedischen Herstellers Saab scheidet aus dem Evaluationsverfahren für ein neues Kampfflugzeug aus (wir berichteten). Dies gab die Armasuisse am Donnerstag bekannt. Ein Nachholen der Flug- und Bodenerprobung zu einem späteren Zeitpunkt würde der Gleichbehandlung aller Kandidaten widersprechen und sei keine Option, heisst es in der Mitteilung weiter. Im Evaluationsprozess verbleiben damit die vier Kandidaten Airbus, Boeing, Dassault und Lockheed Martin. Der Typenentscheid wird durch den Bundesrat gefällt.

Herr Dittli, Saab zieht sich aus dem Wettbewerb für neue Schweizer Kampfjets zurück. Ein ziemlicher Paukenschlag ...
Der Rückzug überrascht mich insofern, als Saab von Anfang an um die Bedingungen wusste. Sie haben eine Offerte eingereicht, und ihr Schweizer CEO erklärte noch vor kurzem, dass man die Vorgaben termingerecht erfüllen werde. Allerdings mehrten sich schon seit einigen Wochen die Zweifel, ob sie es tatsächlich schaffen würden. Ganz unerwartet kommt der jetzige Entscheid daher nicht.

Bedauern Sie, dass nun keine Gripen-Flieger zur Auswahl stehen werden?
Ja, ich bedaure das sehr. Wir haben jetzt einen Anbieter weniger. Es wäre spannend gewesen, den voll entwickelten neuen Gripen im Einsatz beurteilen zu können.

Welchen Eindruck haben Sie persönlich von der Firma Saab und dem Gripen?
Saab ist eine hervorragende Firma. Ihre Produkte sind tipptopp. Aber es ist nun mal Tatsache, dass der Gripen E, um den es hier geht, noch nicht einsatzbereit ist. Er befindet sich erst in Entwicklung.

Saabs Rückzug erfolgte auf Empfehlung des Bundes: Er will nur Flugzeuge testen, die operationell einsetzbar sind. Was halten Sie von dieser Vorgabe?
Sie ist richtig. Das letzte Mal wollte man ein Modell kaufen, das es noch nicht gab. Aus diesem gescheiterten Versuch wurden nun die Lehren gezogen. Diesmal kaufen wir keine Versprechen. Ich habe für den Bund jedes Verständnis: Er hat die Regeln bestimmt, hält jetzt daran fest und setzt sie konsequent durch.

Mit dem Gripen fällt nun ausgerechnet das günstigste Modell weg.
Ich weiss nicht, ob es das günstigste gewesen wäre. Bei der letzten Evaluation vor sechs Jahren war das der Fall, aber die jetzigen Offerten sind mir noch nicht bekannt.

Haben Sie unter den verbleibenden Anbietern einen Favoriten?
Nein, ich bin jetzt sehr gespannt, was bei den Flugtests in Payerne Ende Juni herauskommen wird.

«Das letzte Mal wollte man ein Modell kaufen, das es noch nicht gab»: Josef Dittli.

Erstellt: 13.06.2019, 12:02 Uhr

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