Maurer schrieb in Trumps Gästebuch: «Together ahead»

Was war da nun im Oval Office? Klar ist: Für Ueli Maurer war es ein Durchbruch – die Schreibfehler im Eintrag ein peinliches Detail.

Verstanden sich offenbar bestens: US-Präsident Donald Trump mit Bundespräsident Ueli Maurer vor dem Weissen Haus. (AP)

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Ausgerechnet er. Ausgerechnet Ueli Maurer, nicht eben bekannt für sein ausgeprägtes Flair für hohe Diplomatie, steht jetzt da neben dem mächtigsten Mann der Welt, vor einem der berühmtesten Häuser der Welt, ein stilles Lächeln, die Hände zur Merkel-Raute gefaltet. Kaum 24 Stunden ist es her, da stand der gleiche Bundespräsident Maurer, der Ueli eher, noch im zugigen Innenhof des Landesmuseums in Zürich, rief «Huere chalt do!» zur Menge und lächelte eher laut als still.

Verrückte Welt. Es musste alles ganz schnell gehen, ganz geheim war die Einladung, kaum mit den Kollegen abgesprochen. Ueli Maurer goes to Washington. Auf seiner Agenda: ein Freihandelsabkommen mit den USA. Aber ob das auch auf der Agenda des Präsidenten der Vereinigten Staaten steht?

Um exakt 11.48 Uhr Ortszeit tritt Donald J. Trump in den Eingang des Westflügels des Weissen Haus, allein, die Arme am Körper, er wartet. «Mister President, ziehen wir in den Krieg mit dem Iran?», ruft ein Journalist ihm zu. «I hope not», ruft Trump zurück, er hoffe es nicht. Weitere Fragen ignoriert er. Dann rollt von der Pennsylvania Avenue ein schwarzer grosser Chevrolet-SUV heran, zwei Wimpel mit dem Schweizer Kreuz und dem Sternenbanner auf der Haube, und hält vor dem Eingang. Aus dem Wagen tritt Maurer. Er schüttelt Trump die Hand, es ist ein freundlicher, geschäftsmässiger Handshake, keine Umarmung, kein übermässiges Schulterklopfen, wie es Trump bisweilen mit anderen Regierungschefs macht.

50 Minuten im Weissen Haus

Es geht durch die Türe, vorbei am Roosevelt Room, vorbei am Cabinet Room, hinein ins Oval Office – Maurer im Zentrum der Macht. Eine halbe Stunde nimmt sich der Präsident Zeit. Nach der halben Stunde bewegt sich die Delegation ein paar Meter weiter ins Büro von Sicherheitsberater John Bolton.

Knapp 50 Minuten dauerte die Visite im Weissen Haus also, wenn man grosszügig rechnet. Das ist nicht wenig, wenn man sich die Art und Weise vor Augen hält, wie sie zustande kam – die Einladung erfolgte selbst für die Massstäbe der sprunghaften Trump-Regierung sehr kurzfristig. Doch dass das Treffen überhaupt stattfindet, dass Maurer jetzt tatsächlich in Washington ist, ist schon von Bedeutung. Man sieht das auch daran, was Trump später am Tag noch auf dem Programm hat: ein Briefing mit den US-Geheimdiensten. Die Vorstellung einer Einwanderungsreform. Und anschliessend ein Flug nach New York, wo der Präsident ein Dinner mit Spendern abhält. Ein reich befrachteter Tag, Ueli Maurer irgendwo dazwischengequetscht.

Ein «Key Meeting»

Während des Treffens von Maurer und Trump im Oval Office kommt nichts von drinnen, kein Tweet, kein Ton, kein Bild – und so bleibt denen draussen nicht viel anderes übrig, als zu spekulieren. «Key Meeting over Iran» steht in grossen Buchstaben auf einem Screen hinter dem CNN-Mann John King, und wer den Expertinnen und Experten in seinem Studio zuhört, der ist schnell weit weg von einem möglichen Freihandelsabkommen. Im Fokus der Amerikaner ist nur ein Thema: die Spannungen mit dem Iran.

Das Treffen mit dem Bundespräsidenten, so die einhellige Meinung, könne als Indiz dafür gelesen werden, dass Trump in der Causa Iran vom Gas will, moderieren statt provozieren, Dialog statt Provokation. Und damit die Falken in seiner Regierung bremsen.

Video: «Ich schätze seine direkte Sprache»

Maurer gab an einer Medienkonferenz Auskunft über sein Treffen mit Donald Trump im Weissen Haus . Video: SRF

Für die Variante «Dialog» spricht auch der Austausch von Telefonnummern, der am Wochenende bekannt wurde. Das US-Aussenministerium leitete den Berner Kollegen gemäss Medienberichten eine Nummer von Donald Trump weiter – mit der Bitte, sie doch im Rahmen des Schweizer Schutzmachtmandates den Behörden im Iran zu übergeben. Ob es dazu gekommen ist, ist unklar, Maurer wollte im ­Anschluss an sein Treffen dazu nichts sagen.

Also was nun? Ging es im Oval Office nur um Krisendiplomatie? «Wenn Sie vermuten, dass ich nur wegen des Iran hier war, liegen Sie falsch.» Ueli Maurer erzählt jetzt in der Schweizer Botschaft von seinem Besuch beim Präsidenten. Die Situation im Iran sei «a little bit crazy», so sei es die letzten vierzig Jahre gewesen, und so werde es wohl auch die nächsten vierzig Jahre sein. «Die USA suchen unsere Zusammenarbeit, weil man mit unserer bisherigen Arbeit im Iran zufrieden ist», sagt Maurer. Seit 1980 vertritt die Schweiz die Interessen der USA im Iran, und sie hat sich bereit gezeigt, diese Rolle auch in Venezuela zu übernehmen. Eine entscheidende Rolle könne die Schweiz in diesen Konflikten aber nicht übernehmen, sie sei kein Global Player, und überhaupt – dass im Iran ein Krieg bevorstehe, seien «Fake News», sagt Maurer und bedient sich dabei, nicht zum ersten Mal übrigens, des Vokabulars seines Gastgebers.

Zwei, die sich verstehen

Maurer und Trump – die beiden scheinen sich verstanden zu haben. Der Präsident sei sehr direkt in der Formulierung. «Er ist mehr Politiker als Diplomat, das schätze ich sehr.» Trump habe ein gutes Bild der Schweiz, er habe von ihm wissen wollen, warum die Schweiz so beliebt sei, und der Besuch eines Schweizers im Weissen Haus sei überfällig gewesen.

Vielleicht gibt es dazu ja bald wieder eine Gelegenheit. Um auf ein neues Freihandelsabkommen anzustossen etwa. «Ich erwarte keinen Abschluss des Abkommens in diesem Jahr. Aber dass ich eingeladen wurde, ist schon ein wichtiges Signal», sagt Maurer. Er interpretiere den Präsidenten so, dass der Prozess für die Aufnahme zu Verhandlungen zu einem Freihandelsabkommen aufgenommen werden könne.

Maurer ist guter Laune am Medientermin, für seine Verhältnisse wohl sogar: bester. Ein freundliches, offenes und konstruktives Gespräch habe stattgefunden. Ein guter Tag. Für ihn, für die Schweiz. Und so wird Maurer nun nicht nur als Schweizer Bundesrat in die Geschichte eingehen, der Gräser am Geschmack erkennt und manchmal keine Lust hat, sondern als jener Bundespräsident, der als erster überhaupt vom amerikanischen Präsidenten im Weissen Haus empfangen wurde. Bestätigt wurde die historische Premiere übrigens von den Dokumentalisten des Weissen Haus gleich selber, wie Maurers Sprecher stolz erzählt.

Das Finanzdepartement von Ueli Maurer twitterte den Gästebucheintrag des Bundespräsidenten:

Maurer selber hat seine eigene Marke im Weissen Haus hinterlassen, inklusive Werbung. Als Einziger der Delegation erhielt er einen Kugelschreiber mit Trumps Schriftzug. Damit schrieb er ins Gästebuch in einer bemerkenswert hübschen Handschrift: «Together ahead! Ueli Maurer, Präsident Switzerland.» Together Ahead – das ist ganz zufälligerweise auch der Slogan der bundeseigenen Rüstungsfirma Ruag. Ziemlich subtil, unser Bundespräsident.

Und in Wirklichkeit schrieb Maurer nicht «Together ahead!», sondern «Togethe ahead!». Damit nicht genug, im Gästebuch-Eintrag waren noch mehr Fehler zu finden: «Withe» statt «White» und «Präsident» statt «President».

Video: Ueli Maurer auf CNN

Nach dem Treffen mit Trump gab der Bundespräsident Auskunft im TV. Es war eine eher harzige Sache.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 16.05.2019, 23:09 Uhr

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