Drittes Geheimtreffen mit Fifa-Präsident Infantino

Bundesanwalt Michael Lauber verschwieg ein Treffen mit Gianni Infantino. Der Fussball-Boss will sich nicht mehr daran erinnern. Das wirft Fragen auf.

Hält informelle Treffen mit Verfahrensbeteiligten für elementar: Bundesanwalt Michael Lauber. Foto: Fabian Hugo (13 Photo)

Hält informelle Treffen mit Verfahrensbeteiligten für elementar: Bundesanwalt Michael Lauber. Foto: Fabian Hugo (13 Photo)

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Es war ein bemerkenswerter Auftritt von Bundesanwalt Michael Lauber: Letzten November trat er vor die versammelte ­nationale und internationale Presse und verteidigte vehement seine Praxis, sich informell mit ­Beteiligten grosser Strafverfahren zu ­treffen. Das sei elementar, um solche Verfahren überhaupt führen zu können, sagte Lauber.

Der Auftritt war eine Reaktion auf die Enthüllungen aus dem Datenleck Football Leaks. Dokumente aus dem Innersten des Weltfussballverbands (Fifa) ­hatten gezeigt, dass sich Lauber im Frühjahr 2016 zweimal mit Fifa-Präsident Gianni Infantino getroffen hatte: einmal im Berner Nobelhotel Schweizerhof und einmal in einem Lokal im Zürcher Bahnhof. Protokolle der Treffen existieren keine.

Lauber sagte im November, das zweite Treffen mit Infantino sei «abschliessend» gewesen. Dieselbe Information gab zuvor auch schon Laubers Medien­stelle schriftlich ab. Nun zeigt sich: Das stimmt nicht. Am 16. Juni 2017 reiste Infantino erneut nach Bern zu einem Geheimtreffen im ­Hotel Schweizerhof.

Infantino (r.) bei einem Freundschaftsspiel 2016. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Dieses dritte Treffen wird nun bekannt, weil der Nidwaldner Staatsanwalt Damian Graf in einem Strafverfahren darauf gestossen war. Das Verfahren richtete sich gegen den Walliser Oberstaatsanwalt und Infantino-Freund Rinaldo Arnold wegen passiver Bestechung. Gestern informierten die Behörden, dass Graf es eingestellt habe.

Gemäss der Einstellungsverfügung hat die Bundesanwaltschaft das dritte Geheimtreffen zuerst auch dem ­Sonderermittler verschwiegen. Erst als Graf nachhakte, «liess die Bundesanwaltschaft ausrichten, dass offenbar am 16.Juni 2017 tatsächlich ein weiteres Treffen im Hotel Schweizerhof» stattgefunden habe. In der Verfügung ist auch eine SMS von Rinaldo Arnold, der das ­Treffen eingefädelt hat, an den ­ Medienchef der Bundesanwaltschaft zitiert: «Infantinos Zug hat Verspätung. Wir werden ein paar Minuten später da sein. Bis gleich. Gruss.»

Keine Erinnerungen

Was am Treffen besprochen wurde, bleibt rätselhaft. In seiner Einvernahme «konnte sich Arnold nicht mehr an dieses Treffen oder daran erinnern, dass er darin involviert gewesen war. Infantino mochte sich ebenso wenig an eine derartige Besprechung mit der Bundesanwaltschaft erinnern», heisst es in der Einstellungs­verfügung.

Eine Nachfrage bei der Bundesanwaltschaft macht das Rätsel noch grösser. Die ­Medienstelle bestätigt das Treffen nämlich nicht direkt, sondern schreibt lediglich, sie sei «auf Hinweise gestossen, welche auf ein weiteres Treffen zwischen Bundesanwalt Michael Lauber und dem Fifa-Präsidenten Gianni Infantino im Juni 2017 schliessen lassen».

Die Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft (AB-BA) ist Mitte März über die Sache orientiert worden und führt Vorabklärungen durch. Präsident Hans­peter Uster sagt: «Wir klären alle Fragen ab, die sich rund um das angebliche dritte Treffen stellen. Die AB-BA stellte Michael Lauber schon im November 2018 die Frage, ob es zu weiteren Gesprächen mit Vertretern der Fifa oder der Uefa gekommen sei. Lauber antwortete damals: Nein, nie auf Stufe Bundesanwalt.»

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 12.04.2019, 22:46 Uhr

Strafverfahren gegen Arnold eingestellt

Football-Leaks-Dokumente zeigten auf, wie Fifa-Präsident Gianni Infantino seinen Freund, den Walliser Oberstaatsanwalt Rinaldo Arnold, mit wertvollen Einladungen zu Fifa-Anlässen beschenkt hat. Weil Arnold gleichzeitig für Infantino ein Treffen mit Bundesanwalt Michael Lauber einfädelte, wurde der Vorwurf der Bestechung laut. Sonderermittler Damian Graf kam nun zum Schluss, dass Arnold zwar «erhebliche, sozial unübliche Vorteile» erhalten habe, aber dennoch keine strafrechtlich relevanten Handlungen vorliegen. Denn die Beziehungen zwischen Infantino und Arnold seien rein privater Natur, ohne Bezug zum Amt Arnolds. Graf stellte das Strafverfahren am 10. April wieder ein.

Die Einstellungsverfügung enthält neue Details zur Affäre. Den Gesamtwert der Einladungen an Oberstaatsanwalt Arnold auf Kosten der Fifa hat Graf auf über 15'000 Franken berechnet, exklusive sieben unverkäuflicher VIP-Tickets für vier Spiele an der Fussball-WM 2018 in Russland. Mit eingerechnet sind hingegen über 5000 Franken für Hotelübernachtungen in Russland. ­Arnold hatte behauptet, er habe diese Übernachtungen selber bezahlt – was die Fifa gemäss Grafs Einstellungsverfügung «unmissverständlich» bestritt.

Weiter enthüllt die Verfügung, dass im Herbst 2018 vorgesehen war, Rinaldo Arnold zum Vize-Vorsitzenden einer Fifa-Kammer zu ernennen. Dieser Prozess sei schon weit fortgeschritten gewesen, dann aber nach den Football-Leaks-Enthüllungen gestoppt worden. Weil Arnold die Fifa-Geschenke steuerlich nicht deklariert hat, zeigte ihn Graf zudem wegen möglicher Hinterziehung der Schenkungssteuer an. Die Walliser Steuerverwaltung bestätigte dies. Ein Verfahren sei aber noch nicht eröffnet worden. ­Arnold reagierte gestern nicht auf Kontaktversuche. (bro)

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