Drohen in Bern weitere Demonstrationen?

Der freitägliche Demo-Grosseinsatz der Polizei sei nötig gewesen, sagt Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP). Gewaltpotenzial sei vorhanden gewesen.

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Kurz vor 21 Uhr versammelte sich auf dem Bahnhofplatz doch noch ein kleines Demonstrationsgrüppchen. Hatte die mit einem Grossaufgebot präsente Polizei zuvor jede Ansammlung im Keim erstickt, liess sie die Gruppe nun in Richtung Schützenmatte ziehen. Zu Sachbeschädigungen kam es nicht.

Gemeinderat Reto Nause (CVP) ist mit dem Polizeieinsatz vom Freitagabend zufrieden. Die Lageeinschätzung der Polizei sei richtig gewesen. Woran macht er dies fest? Unter den am Freitag Festgenommenen seien «Führungspersönlichkeiten der Szene aus anderen Städten» gewesen, so Nause. Das zeige, dass «Gewaltpotenzial vorhanden» gewesen sei.

Gemäss einer Medienmitteilung der Kantonspolizei wurden 29 Personen zu «Abklärungen in Polizeiräumlichkeiten» gebracht. Dabei sei «teilweise Vermummungs- und Demonstrationsmaterial» sowie «insgesamt über ein Dutzend Pfeffersprays» gefunden worden. Bis auf eine Person, welche zur Verhaftung ausgeschrieben gewesen sei, seien sämtliche Personen im Verlaufe der Nacht wieder entlassen worden.

Demonstranten ziehen durch Bern. (Video: Tamedia)

Masslos übertrieben

Sicherheitsdirektor Nause spricht von einem massvollen Einsatz der Polizei. «Masslos übertrieben» sei dagegen die vom «Blick» erwähnte Zahl von 2000 eingesetzten Polizisten. Genaue Zahlen will Nause aber nicht nennen. «Nur soviel: Es sind weniger als Tausend gewesen». Ein Polizeisprecher teilt auf Anfrage mit, das «Dispositiv» habe sich «im dreistelligen Bereich» bewegt. Nebst Einsatzkräften der Kantonspolizei Bern seien auch Polizistinnen und Polizisten von verschiedenen Korps des Polizeikonkordats Nordwestschweiz im Einsatz gestanden. «Eine genaue Zahl nennen wir grundsätzlich aus taktischen Gründen nicht.»

Kommt es zu weiteren Demos?

Das Ziel der Demonstration war es laut den anonymen Veranstaltern, auf die «faschistischen, rassistischen und sexistischen Vorfälle» in letzter Zeit aufmerksam zu machen. Hauptgrund für die unbewilligte Kundgebung - die Veranstalter hatte eine solche erst gar nicht beantragt - war das zehnjährige «Jubiläum» des aus dem Ruder gelaufenen linken Protests gegen eine SVP-Demonstration im Jahr 2007. Der Gemeinderat fürchtete sich nun vor einer Wiederholung der Ereignisse. Reto Nause machte im Vorfeld klar: «Der Gemeinderat will diese Demo nicht.»

Folgen nach dem verhinderten Umzug in nächster Zeit nun weitere Antifa-Demonstrationen? Eine den Sicherheitskräften nahestehende Quelle sagte gegenüber dem «Bund», man hoffe, der kleine Demonstrationszug vom Bahnhof zur Schützenmatte habe die Lust der Antifa auf Demonstranten bis zum nächsten Jahr gestillt. Ob auch diese Lageeinschätzung richtig ist, wird sich zeigen.

Denn die Kundgebungsveranstalter sind unzufrieden. Sie liessen verlauten, sie sähen in der «repressiven Strategie», gegen antifaschistische Demonstrationen vorzugehen, «ein gefährliches Zeichen». Dies führe dazu, dass sich faschistische, rassistische und sexistische Kreise weiter bestärkt fühlen, schreibt das Bündnis in einer über Sozialen Medien verbreiteten Mitteilung. Man werde in den kommenden Tagen über das weitere Vorgehen beraten.

(bwg)

Erstellt: 07.10.2017, 11:16 Uhr

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