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Economiesuisse will nach Urner Nein nicht in die Röhre gucken

Am Wochenende lehnten die Urner den Bau eines zweiten Gotthard-Tunnels ab. Economiesuisse lässt sich davon nicht beeindrucken und arbeitet an einem unkonventionellen Vorschlag.

Hält an den Plänen für eine zweite Gotthard-Röhre fest. Economiesuisse unter Präsident Gerold Bührer.
Hält an den Plänen für eine zweite Gotthard-Röhre fest. Economiesuisse unter Präsident Gerold Bührer.

Die Frage nach einer zweiten Gotthard-Röhre sei von nationaler Bedeutung. Auch arbeite Economiesuisse an einem neuartigen Vorschlag, der noch nicht diskutiert worden sei.

Ob ein zweiter Strassentunnel durch den Gotthard gebaut werden solle, sei eine nationale Frage, sagte Dominique Reber, Geschäftsleitungsmitglied von Economiesuisse, am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Sein Verband werde deshalb trotz des Urners Neins vom Sonntag an den eigenen Vorschlägen weiterarbeiten.

Dem Wirtschaftsdachverband schwebt für den Bau einer zweiten Röhre eine sogenannte Public-Private-Partnership vor. Das bedeutet, dass sich neben der öffentlichen Hand auch private Grossinvestoren an den Kosten beteiligen. «Wir sind mit Bauunternehmen und Banken im Gespräch», sagte Reber. Namen wollte er keine nennen.

Zuversicht bei Finanzierung

Die Kosten könnten durch eine Tunnelgebühr wieder eingebracht werden. Aber auch andere Ertragsquellen sind gemäss Reber möglich. So könnten beispielsweise gegen eine Abgeltung Stromleitungen durch den Tunnel verlegt werden. «Wir können die Frage der Finanzierung lösen», äusserte sich Reber überzeugt.

Weiter geht Economiesuisse davon aus, dass eine zweite Röhre nicht mehr Verkehr bringt und deshalb auch nicht gegen die Bundesverfassung verstossen würde. Nach der Sanierung des alten Tunnels würde der Verkehr richtungsgetrennt und einspurig durch die beiden Röhren geführt.

«Mehr Solidarität erwartet»

Der 1980 eingeweihte Gotthardstrassentunnel muss in den nächsten 10 bis 15 Jahren saniert und dabei vollkommen gesperrt werden. Wegen der Sanierung wurden auch die Forderungen nach einem zweiten Tunnel wieder laut. Die Idee: Während der Sanierung wird der Verkehr durch den neuen Tunnel geführt, anschliessend durch beide.

Im Tessin zeigte man sich enttäuscht über das doppelte Nein aus Uri. Regierungsratspräsidentin Laura Sadis (FDP) sagte bereits am Sonntag am Tessiner Fernsehen, sie hoffe nun auf die Unterstützung anderer Kantone - auch weil der Gotthardtunnel eine wichtige Rolle beim Handel mit Italien spiele.

«Es wäre gut gewesen, die Urner an Bord zu haben», sagte auch der Tessiner CVP-Ständerat Filippo Lombardi am Montag auf Anfrage der SDA. Vom Nachbarkanton habe er mehr Solidarität erwartet.

Wirtschaftliche Folgen befürchtet

Er erkläre sich den Abstimmungsausgang damit, dass sich die Urner über die negativen wirtschaftlichen Folgen einer Sperrung noch nicht im Klaren seien, sagte Lombardi. Die Tessiner hätten sicherlich anders gestimmt.

Der Bundesrat hatte im vergangenem Dezember einen Bericht zur bevorstehenden Sanierung des Gotthardstrassentunnels vorgelegt. Darin wurde die Variante mit einer neuen Röhre kritisch beurteilt. Verkehrsministerin Doris Leuthard wollte den Bericht aber nicht als Vorentscheid für oder gegen einen zweiten Tunnel verstanden wissen.

Die Urner Stimmberechtigen lehnten am Sonntag zwei Vorlagen ab, die als Standesinitiativen beim Bund einen zweiten Gotthardstrassentunnel hätten verlangen sollen. Bei der Vorlage der Urner Regierung hätte der alte Tunnel nicht saniert, sondern nach dem Bau des zweiten stillgelegt werden sollen. Die Junge SVP schlug ein Modell mit zwei richtungsgetrennten Röhren vor.

SDA/ami

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