Ein Wirt packt aus

Unterdessen in Luzern: Ein Restaurant wurde wegen Hygienemängeln gebüsst. Der Wirt outete sich via Facebook – und riskiert damit seine Existenz.

Ehrliche Küche: Blick in die Gaststube des Restaurants Maihöfli. Foto: PD

Ehrliche Küche: Blick in die Gaststube des Restaurants Maihöfli. Foto: PD

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Restaurantküchen sind eine Blackbox. Kaum jemand weiss, was drinnen vorgeht. Wer steht da am Herd? Wie viele? Wie wird gearbeitet? Und dann kommt etwas raus, liegt auf einem Teller und riecht im besten Fall gut. Aber ists – wie angekündigt – wirklich bio? Und frisch?

Meist kommt Gutes aus der dampfenden, blubbernden, zischenden Rätselbox. Aber manchmal eben auch nicht. So wie jüngst in einer Stadtluzerner Beiz. Verschimmelte und verdorbene Produkte seien gefunden worden, auch verschmutzte Geräte, so ein Kontrollbericht des Lebensmittelinspektorats. Zudem seien Nahrungsmittel teilweise überhitzt oder gar nicht datiert gewesen.

Es waren happige Vorwürfe, die die Beamten dem Restaurant machten. 2500 Franken Busse wurden dem Wirt aufgebrummt. Die Strafe war noch zu verdauen. Denn laut Bundesgesetz dürfen die Kontrolleure den Namen des Gebüssten nicht öffentlich machen. Das Geschäft mit dem Essen konnte – unter Auflagen – also weitergehen. Die Existenz war vorerst gesichert.

Bekannt durchs Fernsehen

Rund ein Dutzend Mal pro Jahr wird im Kanton Luzern ein Restaurant wegen Hygienemängeln gebüsst. Bisher erfuhr kein Gast davon. In diesem Fall ist es nun aber anders. Nach der Busse hat sich der Wirt des Restaurants Maihöfli über seine Facebook-Seite freiwillig geoutet. Er setzt damit seinen guten Ruf aufs Spiel. Denn das Maihöfli ist gut in der Stadt verankert. Der Lozärner kennt die Beiz zwischen Löwendenkmal und Rotsee, die im letzten Jahr gar Teil der SRF-Sendung «Mini Beiz – Dini Beiz» gewesen war.

Am letzten Samstag liess der stadtbekannte Wirt also die Stinkbombe platzen und gab Fehler zu. «Es ist uns in der Vergangenheit nicht genügend gelungen, alle gesetzlichen Hygieneauflagen ausreichend zu erfüllen. Das bedauere ich sehr.» Der Maihöfli-Wirt kündigte zudem Sofortmassnahmen an und erklärt das Ganze zur Chefsache. Auch wolle er hausgemachte Lebensmittel künftig durch ein externes Labor kontrollieren lassen.

«Ich habe Fehler gemacht.»Maihöfli-Wirt auf Facebook

Und wie reagierten seine Gäste auf das Outing? Ausgesprochen positiv, will man den Facebook-Kommentaren glauben. Beinahe alle loben seinen Mut, so offen und selbstkritisch zu kommunizieren. User Henry Vogel meinte gar: «Ich habe noch nie im Maihöfli gegessen. Werde es aber bald tun. Ich kenne den Wirt nicht. Trotzdem bin ich sicher, der machts jetzt richtig. Der Mann bewegt was.»

Transparenz scheint sich also zu lohnen – auch für so undurchsichtige Bereiche wie die Küche.

Erstellt: 20.01.2017, 15:32 Uhr

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