Diese Wahlplakate tanzen aus der Reihe

Sie alle wollen in den National- oder in den Ständerat. Dafür werben sie mal mit Gemüse, mal mit nackten Tatsachen. Wir haben schon mal gewählt.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Christine Bühler-Gerber

BDP, Bern, Nationalratskandidatin

«Das Werbebanner ist selbst gemacht, das Sujet ganz bewusst gewählt: Randen sind ein super Symbol dafür, wie ich politisiere – klar, einfach, beständig. Oder anders gesagt: simpel, aber eben gut. Ich habe auch noch Äpfel als Motiv ausprobiert, aber nun ja, Äpfel hat ja mittlerweile jeder . . .»


Hansjörg Knecht

SVP, Aargau, Nationalrat, jetzt Ständeratskandidat

«Bild und Text sollten unbedingt einen Bezug zu meiner Person und meiner Tätigkeit herstellen. Ich bin ja ein waschechter Milizpolitiker, leite eine Mühle. Auch das sollte zum Ausdruck kommen: dass ich es verstehe anzupacken, sowohl als Politiker als auch als Unternehmer. Die Idee für die Kampagne stammt von der Agentur, mit der ich auch beruflich zusammenarbeite. Das auf meiner Schulter ist tatsächlich ein 25-Kilo-Sack, wie wir ihn in der Mühle verwenden. Allerdings haben wir den für das Foto-Shooting mit Getreideschalen gefüllt, womit er nur halb so schwer war.»


Valentin Landmann

SVP-Liste 55plus, Zürich, Nationalratskandidat

«Meine Social-Media-Kanäle werden von einer externen Person bewirtschaftet, und die macht das sehr gut. Ich bin ein Datenverarbeitungs-Höhlenbewohner, kann das selber nicht. Aber meine eigentliche Kampagne kommt erst noch. In Inseraten und auf Plakaten werde ich dabei, wie auch bei allen meinen Auftritten, stets mein Motto ins Zentrum stellen: ‹Switzerland first – die Rettung der Welt kommt danach›.»


Urs Graf

SP, Bern, Nationalratskandidat

«Wahrscheinlich bin ich ein Exot. Ich habe zwar eine Homepage – das muss man ja heute –, aber weder einen Facebook- noch einen Twitter-Account. Für meine Kampagne ist ein Altersnachmittag besser als ein Nachmittag vor dem Bildschirm, die Leute sollen doch miteinander reden. Das Banner auf meiner Website hat ein Kollege gestaltet, er hat mich so vor Eiger, Mönch und Jungfrau montiert. Was wir damit aussagen wollen: Als fortschrittlicher und sozialer Mensch stehe ich für das Berner Oberland ein.»


Ursula Abgottspon

SVP-Frauenliste Oberwallis, Wallis, Nationalratskandidatin

«Das Foto ist von meinem Sohn, der bei den Zermatt Bergbahnen arbeitet. Als ich es sah, hatte ich sofort das Gefühl, dass es passt. Es transportiert genau das, was mir wichtig ist: Natur- und Heimatverbundenheit sowie Engagement für den Tourismus. Die Annonce habe ich dann selber zusammengesetzt. Ich verwende sie allerdings nur in den sozialen Medien; auf dem gedruckten Flyer ist mein offizielles Wahlfoto.»


Andrea Knellwolf

CVP, Basel-Stadt, Nationalratskandidatin

«Eine Agentur hat hier eine meiner zentralen Botschaften visualisiert: Freiheit im öffentlichen Raum. In Basel gibt es am Rhein einen Nacktbadebereich, der auch von Homosexuellen stark frequentiert wird. In einer Moschee und in ­Freikirchen wurde der Ort wiederholt verteufelt. Dagegen wehre ich mich. Alle sollen sich doch so geben dürfen, wie sie sind, solange das mit Rücksicht und Respekt geschieht. Der blutte Mann auf dem Bild ist mein Partner. Ich hatte für das Fotoshooting auch noch ein paar Freunde dabei, die sich im Hintergrund nackt hingelegt hätten. Aber leider war an jenem Tag der gesamte Bereich überflutet.»


Christina Bachmann-Roth

CVP, Aargau, Nationalratskandidatin

«Den Ausschlag für dieses Inserat hat eine Zugfahrt mit zwei ehemaligen CVP-Generalsekretären gegeben. Die sagten mir: ah, Aargau. Wir wollen dir nicht die Illusion rauben, aber dort schaffst du es nur, wenn du mindestens in ‹20 Minuten› vorkommst. Ich habe aber keine Lust, zu warten, bis ich 60 bin und dann erst eventuell die Chance bekomme nachzurutschen. Also habe ich mir strategisch überlegt, wie ich die grösstmögliche Aufmerksamkeit erzeugen und gleichzeitig mein Kernanliegen – die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen – transportieren kann. Das Sujet habe ich dann zusammen mit einem Freund erarbeitet. Es ist ja in den Medien schon ein paar Mal thematisiert worden. Die Reaktionen darauf sind gemischt, etwa 50/50. Ich bekomme böse E-Mails, in denen mir ein Tabubruch vorgeworfen wird. Aber es gibt auch Zuspruch, so treffe ich viele Leute, die ein Selfie mit mir machen wollen.»


Eveline Küng

SVP, Bern, Nationalratskandidatin

«Mit meinem Wahlkomitee habe ich lange die Frage nach einem griffigen Slogan diskutiert. Alle Vorschläge passten irgendwie nicht zu mir, ich wollte etwas mit ein bisschen Pfeffer. Die zündende Idee kam dann in einer Diskussion mit dem Komitee bei uns zu Hause. Die Botschaft ist ja klar: Ich will da rein! Das Bild hat mir eine Kollegin zusammengesetzt, ein Freundschaftsdienst. Das Sujet kommt so gut an, dass es andere Kandidaten schon abgekupfert haben.»


Sandra Schneider

SVP, Bern, Nationalratskandidatin

«Zum eidgenössischen Schwing- und Älplerfest habe ich mir endlich eine Edelweiss-Bluse bestellt. Als sie gekommen ist, hat mein Mann mich darin fotografiert. Der Slogan dazu fiel mir dann spontan ein. Er ist natürlich symbolisch zu verstehen: Wegen des Klima-Hypes drohen zahlreiche Verbote. Ich habe unglaublich viele positive Reaktionen bekommen, die Leute erkennen mich jetzt und sprechen mich mit Heidi an. Eigentlich war das Inserat nur für meine Facebook-Seite geplant, aber weil es so gut ankommt, überlege ich mir jetzt, es auch als Flyer zu drucken.»


Roland Wahl

Schweizer Demokraten, Zürich, Nationalratskandidat

«Anfangs waren wir im Team der Meinung, dass es ein schönes Foto sei. Dann war ich nicht mehr so überzeugt davon. Aber wir mussten gleichzeitig so viele ganz andere Sachen vorantreiben, dass vergessen ging, es auszuwechseln. Jetzt habe ich mich daran gewöhnt. Auf meinen Flyern werbe ich ohne Foto – die Druckkosten wären sonst zu hoch geworden.»


Philipp Kutter und Nicole Barandun

CVP, Zürich, wieder kandidierender Nationalrat und Ständeratskandidatin

Philipp Kutter: «Mit dieser Eigenkreation wollen wir das Topthema dieses Wahlkampfs von einer anderen Seite beleuchten. Natürlich nimmt das Plakat die Klimadebatte etwas auf die Schippe, aber es ist auch ein Appell an die Eigenverantwortung. Und gute Werbung für die Feriendestination Schweiz. Entstanden ist das Foto nach dem offiziellen Studiotermin, bei dem die klassischen Porträts gemacht wurden, der Pool im Hintergrund wurde nachträglich eingefügt. Wir hatten beide noch nie so viele Reaktionen auf eine Kampagne. Ein Tramchauffeur hat Nicole Barandun nachgerufen: ‹Sie, ich gehe im Fall lieber nach Bali in die Ferien!›»


Mess Barry

Parteilos, auf PdA-Liste, Bern, Nationalratskandidat

«Das ist mein klares Bekenntnis zur Schweiz, meinem Zuhause. Ich möchte mit Stolz zeigen: Ja, hier gehöre ich hin – und mich hier voll und ganz einbringen. Viele, die zugezogen sind, trauen sich das nicht. Auch, weil in der Politik und in den Medien sehr oft über sie geredet wird, aber nie mit ihnen. Genau dafür setze ich mich ein: dass diese Menschen sichtbarer werden, sich engagieren und letztlich ganz integrieren. Das Inserat habe ich selber gemacht, wie ich auch meinen ganzen Wahlkampf alleine organisiere.»


Martin Hübscher

SVP, Zürich, Nationalratskandidat

«Mein Kernteam besteht aus engen Kollegen. Zu sechst haben wir über den passenden Auftritt gehirnt. So sind wir auf die Apfel-Symbolik gekommen, dabei entstanden Slogans wie ‹Für eine Politik, die Früchte trägt›. Das haben wir dann noch konzentriert auf drei einprägsame Worte. Das war lange bevor die nationale Partei mit dem Apfel-Wurm-Plakat gekommen ist. Aber nun passt natürlich alles hervorragend zusammen.»


Daniel Albietz

CVP, Basel-Stadt, Nationalratskandidat

«Wir sind fünf Kandidierende, die eine gemeinsame Kampagne planten. Die Vorgabe an die ausführende Agentur war: Die Sujets sollen uns in konkreten Lebenssituationen zeigen und zudem überraschend und Social-Media-tauglich sein. Tatsächlich ist Vatersein ein wichtiger Teil meiner Identität. Die Familie ist etwas vom Nachhaltigsten, das es gibt. Aber wie können wir diese Message in ein Bild übersetzen? Die Familie am Esstisch? – Das ist doch langweilig. So sind wir auf das spielerische Cowboy-und-Indianer-Motiv gekommen.»



Dieser Text stammt aus der aktuellen Ausgabe. Jetzt alle Artikel im E-Paper der SonntagsZeitung lesen: App für iOSApp für AndroidWeb-App

Erstellt: 07.09.2019, 23:25 Uhr

Artikel zum Thema

Ein schmusender Molina und ein CVPler mit Rechtschreibproblemen

Ab jetzt läuft der Wahlkampf so richtig. Traurige Ballone, ungewöhnlich lustige BDPler und Nationalräte, die ihren Namen nicht schreiben können: Willkommen im Politbüro! Mehr...

Der politische Super-Samstag: Alles eine Frage des Klimas

Reportage Bombastische FDP, schmerzhaft nüchterne BDP, euphorische Grüne und kämpferische SVP. Willkommen im Wahlherbst! Mehr...

Blog

Kommentare

Paid Post

Die Schweiz zum halben Preis entdecken

Exklusiv und nur für kurze Zeit: Mobility-Testabo für 43 Franken inkl. gratis Hotelcard!

Die Welt in Bildern

Im Wiederaufbau: Das Sonnenlicht am frühen Morgen scheint auf die Kathedrale Notre-Dame in Paris. (16. September 2019)
(Bild: Ian Langsdon) Mehr...