Ein bisschen schlechtes Gewissen muss sein

Bei tierquälerisch hergestellten Importprodukten ist maximale Transparenz Pflicht.

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Röstigraben? Gänseleber-Graben! Im Juni 2017 sorgte der Nationalrat in der Romandie für einen Sturm der Entrüstung. Er sagte Ja zu einem Importverbot für tierquälerisch hergestellte Produkte, wozu auch Foie gras, das Fondue chinoise der Westschweiz, gehört. Von mangelnder «kultureller Sensibilität» gegenüber einer Minderheit war die Rede, von der «Vernichtung» einer «über viele Jahrhunderte verankerten kulinarischen Tradition». Der Ständerat hatte ein Einsehen und versenkte das Verbot noch vor Weihnachten. Das Fest war gerettet.

Als Kompromiss orderte die kleine Kammer beim Bundesrat einen Bericht, wie die Deklarationspflicht verstärkt werden könnte. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen hat dafür eine Liste erarbeitet, auf welche Produkte die Deklarationspflicht ausgeweitet werden soll (zum Bericht).

Bereits Widerstand gegen unveröffentlichte Liste

Noch ist diese Liste nicht veröffentlicht. Wie Recherchen zeigen, stehen Stopfleber, Froschschenkel, Halal-Fleisch und das sogenannte Mulesing-Verfahren bei der Gewinnung von Merino-Wolle auf der Liste – nicht aber sechs weitere tierquälerische Produktionsmethoden, darunter der Lebendrupf für Daunen. Dies offenbar aus Angst, dass Handelspartner gemäss WTO-Recht Diskriminierung reklamieren könnten. Absurd, wenn man bedenkt, dass all diese Methoden in der Schweiz verboten sind.

Nun regt sich selbst gegen die bereits reduzierte, noch unveröffentlichte Liste mit den Deklarationspflichten Widerstand. Die Fleischproduzenten bezweifeln, dass die Konsumenten ihr Verhalten ändern würden, weil sie ja in vollstem Bewusstsein die fragwürdigen Produkte konsumierten.

Das ist Unfug. Wie gerne verdrängt man, was man nicht wissen will. Ein Label à la «Tierquälerisch hergestelltes Produkt» würde das Verdrängen erschweren. Wenn schon kein Verbot, so sollte doch maximale Transparenz selbstverständlich sein. Und ein bisschen schlechtes Gewissen inklusive.

Erstellt: 11.01.2020, 08:04 Uhr

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