Ein Debakel für Saab, ein Problem für Amherd

Ausgerechnet der Gripen kippt aus dem Rennen für einen neuen Kampfjet. Das ist eine schlechte Nachricht.

Irgendwie noch nicht richtig parat: Der Gripen der schwedischen Saab in Modellteilen. Foto: Keystone

Irgendwie noch nicht richtig parat: Der Gripen der schwedischen Saab in Modellteilen. Foto: Keystone

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Bis jetzt lief bei der Beschaffung eines neuen Kampfjets fast alles nach Plan. Seit Mitte April werden auf dem Flugplatz Payerne die modernsten Kampfflugzeuge der Welt getestet. Und fast alle waren schon da: aus Deutschland der Eurofighter, aus Frankreich die Rafale und aus den USA die Super Hornet und der Tarnkappenjet F-35. Bloss der letzte Kandidat fehlte noch. Ab dem 24. Juni sollte in Payerne der Gripen E abheben.

Doch jetzt, nur zehn Tage vor ihrem Tag X, gibt die Herstellerfirma Saab Forfait (wir berichteten). Die Schweden kapitulieren, bevor sie in den Kampf gestiegen sind. Saab muss einräumen, dass der Gripen E – jene Version also, die die Schweizer interessiert – noch nicht parat ist für das strenge Schweizer Testprogramm.

Das alles wirkt wie ein schlechtes Déjà-vu aus dem Jahre 2014. Schon damals stand der Kauf des Gripen E zur Debatte, schon damals war er nicht parat. Statt mit der E-Version absolvierte Saab die Flugtests mit einem Vorgängermodell. Das führte zur Kritik, die Schweden versuchten, der Schweiz einen «Papierflieger» anzudrehen, der nur auf dem Reissbrett existiert. Dieses Argument war mitentscheidend dafür, dass das Volk im Mai 2014 den Gripen-Kauf an der Urne ablehnte.

«Der Gripen hätte den Preiswettbewerb belebt und auch die anderen Anbieter zu billigeren Offerten gezwungen.»

Und jetzt, fünf Jahre später, ist der Flieger immer noch nicht ausgereift? Obwohl nach dem ursprünglichen Zeitplan die ersten Gripen-Jets schon seit einem Jahr bei der Schweizer Luftwaffe im Einsatz stehen sollten?

Saab-Vertreter sagen, nach dem Volks-Nein von 2014 habe man halt zuerst neue Abnehmer suchen müssen. Dadurch habe sich die ganze Entwicklung des Gripen E verzögert. Trotzdem gibt Saab nun indirekt den Kritikern von damals recht, die den Versprechungen aus Schweden nie trauen mochten. Der Rückzug wirkt auch wie eine späte Bestätigung dafür, dass der damalige Volksentscheid wohl richtig war.

Es ist richtig, dass das VBS dieses Mal härtere Testkriterien formuliert und diese auch auf Drängen der Schweden nicht nachträglich aufgeweicht hat. Trotzdem ist das Ausscheiden des Gripen auch für Verteidigungsministerin Viola Amherd und die Schweizer Armee eine ganz schlechte Nachricht.

Der Gripen ist mutmasslich der günstigste der fünf Jets. Er hätte den Preiswettbewerb belebt und auch die anderen Anbieter zu billigeren Offerten gezwungen. Vom Gripen hätte es für das gleiche Budget wohl mehr Jets gegeben. Zudem ist er wesentlich kleiner und verbraucht mit bloss einem Triebwerk auch weniger Sprit als die anderen. Dass er im ebenfalls neutralen Schweden produziert wird, hätte auch politisch besser zur Schweiz gepasst als die schweren Maschinen, die für die Bedürfnisse der Atommächte USA und Frankreich entwickelt wurden.

Dass mit dem Gripen ausgerechnet der billigste, leichteste, ökologischste und politisch sympathischste Jet vorzeitig ausscheidet, ist schlecht für das weitere Verfahren. Es schränkt die Auswahl für die Schweizer Beschaffer empfindlich ein. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 13.06.2019, 14:14 Uhr

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