Ein Einerticket ist eine doppelte Hypothek

Niemand möchte gegen Karin Keller-Sutter antreten. Bei der FDP macht sich eine Forfait-Kultur breit.

Die Ausgangslage bei der FDP für die Ersatzwahl von Johann Schneider-Ammann präsentiert sich ausgesprochen unbefriedigend: Bundesratskandidatin Karin Keller-Sutter. Bild: Keystone

Die Ausgangslage bei der FDP für die Ersatzwahl von Johann Schneider-Ammann präsentiert sich ausgesprochen unbefriedigend: Bundesratskandidatin Karin Keller-Sutter. Bild: Keystone

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Wie gerne und geschwollen reden sie doch immer vom Wettbewerb, die Freisinnigen. Möglichst uneingeschränkt müsse er spielen, möglichst rein seine Kräfte entfalten können. Je härter, desto besser. Schliesslich garantiere nur er dafür, dass sich am Ende die beste Idee, die beste Lösung, die beste Person durchsetze.

Es ist insofern schon ein bisschen auffällig: Kaum hatte Ständerätin Karin Keller-Sutter vor drei Wochen signalisiert, dass sie eine Bundesratskandidatur prüft, wurde sozusagen der gesamte freisinnige Parteiapparat von einer blitzartigen und sehr umfassenden Wettbewerbsunlust befallen. Die Caronis, Burkarts, Gössis und Waltis beeilten sich förmlich, ihr derzeitiges – nur derzeitiges! – Desinteresse an einem Bundesratssitz mitzuteilen. Die Serie von freisinnigen Forfaits setzte sich diese Woche fort. Vergangenen Freitag sagte mit Ständerat Martin Schmid der letzte wirklich ernst zu nehmende Anwärter ab. Nicht ohne seinen Rückzug auf die Geschlechterfrage abzuschieben. Er hätte zwar gerne kandidiert, schrieb Schmid, wolle aber dem verbreiteten Wunsch nach einer freisinnigen Frau nicht im Wege stehen.

Die Ausgangslage für die Ersatzwahl von Johann Schneider-Ammann präsentiert sich nun ausgesprochen unbefriedigend. Soll die FDP der Bundesversammlung nur Keller-Sutter zur Wahl vorschlagen, wie bereits gefordert wird? Es wäre aus zwei Gründen falsch. Erstens ist es historisch eine positive Entwicklung, dass Bundesratswahlen immer transparenter verlaufen und immer seltener durch Hinterzimmermanöver entschieden werden. Einertickets laden aber gerade dazu ein, wilde Kandidaten ins Amt zu hieven. Zweitens schöpft ein Magistrat seine Legitimation auch daraus, dass er sein Amt in einer demokratischen Wahl erhalten, dass sich das Parlament für ihn und gegen einen anderen entschieden hat. Es wäre eine schöne Ungerechtigkeit, wenn Karin Keller-Sutter ohne dieses Machtfundament ins Amt starten müsste, nur weil sich die gesamte Konkurrenz aus Angst vor einer Schlappe davonstahl.

Erstellt: 12.10.2018, 23:21 Uhr

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