Ein einziger Sumpf

Unterdessen in Bleienbach BE: Spaziergänger und Hündeler beklagen sich über den unschönen Anblick des Torfsees. Die Gemeinde lässt diesen versumpfen. Dabei ist das Absicht.


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Sie wird immer kleiner, die Wasseroberfläche des Torfsees. Statt eines lieblichen, glitzernden Spiegels ist da zwischen Bleienbach und Langenthal vor allem ein wabernder, grünbrauner Algen- und Blätterteppich zu sehen. Das ist kein schöner Anblick. Fussgänger und Hündeler wenden sich angewidert ab. Die Tiere sollen, heisst es, auf der Höhe des Torfsees ungewöhnlich nervös winseln.

So kann es nicht weitergehen! Eine solche Verslumung des beliebten Ausflugsziels sei nicht akzeptabel, sagten sich nicht wenige Bürger – und riefen laut der «Berner Zeitung» im Gemeindehaus von Bleienbach an.

Die Behördenvertreter im schmucken Riegelhaus konnten den besorgten Bürgern jedoch nicht weiterhelfen. Die Antwort war stets die gleiche: Da könne man nichts machen. Denn laut Gemeinde­rätin Esther von Ballmoos, zuständig für das Ressort Umwelt, Gesundheit, Abfallentsorgung, sei der Torfsee Sache des Kantons. «Die Gemeinde ist klar am kürzeren Hebel.»

Zustand wie vor 100 Jahren

Ist der Torfsee also ein Beweis für die Laschheit der kantonalen Behörden? Ein Beispiel, dass die da oben in Bern ihren Aussengrenzen viel zu wenig Beachtung schenken?

Glaubt man der Dame vom zuständigen Amt für Landwirtschaft und Natur ist alles aber Absicht – von Anfang an. Seit über 40 Jahren steht der See als Naturschutzgebiet unter der Obhut des Kantons Bern. Ein Sumpf war schon immer das Ziel. Denn damit würde wieder der ursprüngliche Zustand von vor hundert Jahren hergestellt werden.

1918, das Ende des Ersten Weltkriegs: Brennmaterial ist knapp, man greift auf Torf zurück. Drei Sommer lang wird im Bleienbachermoos gebuddelt. Als die Arbeiten 1920 eingestellt werden, sind mehr als drei Hektaren Land ausgetorft, wenig später entsteht in der zwei Meter tiefen Grube das Turbenseeli, der heutige Torfsee.

Ein Stück Schweizer Wildheit

Dieser See also, geht es nach den Behörden in Bern, soll wieder zum Moor werden, einem Lebensraum, den es so nur noch selten gibt. Zudem sei das Offenhalten einer Seeoberfläche auch eine Sache der Kosten.

Noch wird im Uferbereich regelmässig ausgelichtet und einzelne kleine Arbeiten gemacht. Irgendwann wird sich der Mensch aber ganz zurückziehen und der Natur dieses Stück Land ganz überlassen. Vergessen wird dann der See sein – und der Ärger der Hündeler und Spaziergänger angesichts eines Stückchens Schweizer Wildheit.

Erstellt: 24.02.2017, 10:07 Uhr

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