Ein halbes Jahr unterwegs mit Tamara Funiciello

Ihr emotionaler Rücktritt als Juso-Chefin, ihre «Chicks» und dann das Coming-Out: So tickt eine der erfolgreichsten Jungpolitikerinnen der Schweiz.

Comandante Tamara: Tamara Funiciello ist eine politische Urgewalt. Foto: Fabian Hugo

Comandante Tamara: Tamara Funiciello ist eine politische Urgewalt. Foto: Fabian Hugo

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I


Die Delegiertenversammlung

Als Tamara Funiciello in Aarau eintrifft, um an der Delegiertenversammlung der Jungsozialistinnen und Jungsozialisten ihren Rücktritt als Präsidentin zu verkünden, sitzen auf der Terrasse des Weiterbildungszentrums, in dem die Veranstaltung gleich beginnt, drei Männer und trinken Kaffee. Der Jüngste spielt mit einem Schlüsselbund, der Mittlere starrt auf seine Hände, und der Älteste versucht, einen Blick durch die Fenster in die Aula zu erhaschen.

«Schaut mal», sagt er, «die Funiciello!» Doch der Jüngste und der Mittlere scheinen mit dem Namen nichts anfangen zu können. «Das ist die Kleine, die von den anderen Parteien immer aufs Dach bekommt», präzisiert er. Und, weil die beiden anderen auf einmal interessiert die Köpfe recken: «Also, ich finde gut, was die macht.»

Das geht nicht allen so. Etwas später an diesem Samstag Anfang April publiziert das Tamedia-Newsnetz die Nachricht von Funiciellos Rücktritt auf Ende August. Die Kommentarspalte zu dieser Meldung liefert bald ein zwar gesitteteres, sonst aber treffendes Abbild der Diskussion, die das Land über Funiciello führt, seit diese im Juni 2016 mit zwei Dritteln der Stimmen an die Juso-Spitze gewählt wurde: «Danke, Frau Funiciello. Ihr erster essentieller Beitrag zur Politik ist ein Rücktritt.» / «Eine tolle Frau mit klarer Haltung, Chapeau!» / «Eine sehr aggressive und ordinäre Person, respektlos auch. Die Erziehung fehlt.»

Einige Jahre vor ihrer Wahl hatte Tamara Funiciello, die aus der selbst für Juso-Verhältnisse besonders anarchistischen Berner Sektion stammt, die Institution des Parteipräsidiums abschaffen wollen. Nun war sie die erste Frau in dem Amt. Der Schritt war überfällig: Die Geschichte der Juso und ihrer Vorgängerorganisationen reicht mehr als 100 Jahre zurück. Man verstand sich immer als Speerspitze im Kampf für gesellschaftlichen Wandel. Doch in der Frauenfrage hinkte man den eigenen Forderungen hinterher.

«Du hast nicht verstanden, was Feminismus ist. Feminismus ist härteste Wirtschaft.»Tamara Funiciello

Funiciello merkte rasch, dass sich daran durch ihre Wahl nicht viel geändert hatte. Sie sah sich massivem Widerstand ausgesetzt, in der SP, der Mutterpartei, noch mehr als in der Juso. Sie traf auf Männerbündnisse, die sich ihr konsequent verweigerten, und bekam deutlich zu verstehen, dass man sie für ein Ärgernis hielt. Aber mit der Zeit schaffte sie sich ihr eigenes Netzwerk. Es bestand fast nur aus Frauen, darunter viele, die seit Jahrzehnten in der SP politisierten und nicht immer gleicher Meinung waren wie sie.

Funiciello verwandelte die Juso in ein Sprachrohr des Feminismus, ohne einen Zentimeter von den klassenkämpferischen Idealen abzuweichen. Eine feministischere Schweiz, propagierte sie, sei auch eine sozialere Schweiz. Auf die Frage, wie das eine mit dem anderen zusammenhänge, pflegte sie zu antworten, dass sie sich schwertue mit Leuten, die dächten, Feminismus meine bloss Gleichstellung. «Feminismus ist alles, alles ist Feminismus. Es ist ein Weg, Machtstrukturen infrage zu stellen. Wenn ich höre, jemand interessiere sich mehr für Wirtschaft als für Feminismus, sage ich: Du hast nicht verstanden, was Feminismus ist. Feminismus ist härteste Wirtschaft.»

Die Delegiertenversammlung beginnt mit einer Begrüssungsrede von Cédric Wermuth, dem SP-Nationalrat aus dem Aargau, der die Juso von 2008 bis 2011 präsidierte. Dass er sich an einem anderen Punkt des Lebens befindet, zeigt sich schon daran, dass er die Zusammenkunft nach seinem Auftritt wieder verlässt, um mit seiner Frau und den zwei Töchtern zu Mittag zu essen. In der Aula sitzt man derweil bei Krustenkränzen, Sellerie und Äpfeln zusammen. Für die Party am Abend wurde Dosenbier angeschleppt, in einer Ecke des Raums stapeln sich Schlafsäcke.

Einerseits steht Wermuth für den Ursprung dessen, was die Juso heute ist: die schlagkräftigste Jungpartei des Landes. Andererseits ist sie heute eine ganz andere Partei, als sie es zu Wermuths Zeiten war. Dafür gibt es drei Gründe. Erstens prägt die feministische Sichtweise heute wie selbstverständlich jedes Thema, das die Juso diskutiert. Zweitens warf Funiciello nach ihrem Amtsantritt 1000 Mitglieder raus, die zu lange ihre Beiträge nicht gezahlt hatten – den Männern vor ihr hatte dazu der Mut gefehlt. Trotzdem zählt die Juso mit 3500 Mitgliedern inzwischen wieder ähnlich viele wie der Jungfreisinn, während an der Spitze die Junge SVP mit 6000 Mitgliedern steht. Und drittens kann im Moment keine andere Jungpartei vergleichbare politische Erfolge verzeichnen.

«Danke für deinen Mut, Tamara, du bist ein Vorbild für uns alle.»Cédric Wermuth, SP-Nationalrat

Mit der 99-Prozent-Initiative, die Kapitaleinkommen anderthalbmal so stark wie Arbeitseinkommen besteuern will, reichte die Juso wenige Tage vor der Delegiertenversammlung bereits die dritte nationale Initiative innert eines Jahrzehnts ein (nach der 1:12- und der Spekulationsstopp-Initiative). Ein paar Wochen nach der Delegiertenversammlung nahm das Stimmvolk in Basel die Topverdienersteuer-Initiative an – der dritte kantonale Juso-Erfolg unter Funiciello nach den Transparenz-Initiativen in Schwyz und Freiburg. Und als Funiciello 2017 gegen den nahezu geschlossenen Widerstand der SP die AHV-Reform von Alain Berset bekämpfte, gewann sie die Abstimmung: Es waren vor allem Frauen und Junge, die den Ausschlag gaben, dass die Mitte-links-Kompromisslösung verworfen wurde.

Das Mobilisierungspotenzial der heutigen Juso steht in keinem Verhältnis zu früher. Als Wermuth 2008 Präsident wurde, lag die Schweizer Sozialdemokratie am Boden. Bei den Nationalratswahlen im Herbst 2007 hatte die SP erst zum zweiten Mal seit 1919 weniger als 20 Prozent der Wählerstimmen geholt. Es ging um eine grosse Frage: Was ist linke Politik? Die Antwort von Wermuth und seinen Mitstreitern lautete: Dass man sich im Zweifel gegen den Konsens entscheidet.

Nun ist ein Hang zur Kompromisslosigkeit vielen Jungparteien gemein. Aber zwei Dinge waren neu: Zum einen schafften es die Jusos, ihre Haltung in die SP zu tragen, denn innerhalb der Mutterpartei interessierte man sich plötzlich für eigensinnige Junge – nicht zuletzt der gerade gewählte Parteipräsident Christian Levrat. Zum andern schlugen Wermuth und seine engsten Mitstreiter – es waren mehrheitlich Männer – einen Ton an, den sie ihrem grössten politischen Gegner abgeschaut hatten: der SVP. Die starke Ablehnung der alles dominierenden Partei im Land war so etwas wie ihre Grundhaltung. Zu wissen, was sie nicht wollten, genügte ihnen fürs Erste.

Die Juso ist wie die Streberclique in der Schule, die zusammenhält, weil sie sonst niemanden hat.

In seiner Rede erzählt Cédric Wermuth noch einmal von damals. Er erinnert an die Hoffnung, die die Jusos mit der Finanzkrise von 2008 verbanden: dass vielleicht nicht gerade die Revolution vor der Tür stehe, aber doch das Ende des Neoliberalismus gekommen sei. Er sagt: «So geirrt haben wir uns schon lange nicht mehr.» Die ganze Ideologie sei zurückgekehrt, mit allem, was dazugehöre: Hass, Rassismus, Frauenfeindlichkeit, Leugnung des Klimawandels. Es ist eine wütende Rede. «Wir wurden vor zehn Jahren auch schon angegriffen», sagt er, «aber heute ist die Intensität eine andere. Die Art, wie man mit Menschen umgehen darf, die dieses System fundamental infrage stellen, konkret mit Tamara, eurer Präsidentin, hat eine völlig neue Qualität. Danke für deinen Mut, Tamara, du bist ein Vorbild für uns alle.»

An diesem Punkt wissen die wenigsten im Raum, dass Tamara Funiciello gleich ihren Rücktritt bekannt geben wird. Aber die Ersten haben bereits Tränen in den Augen. Die Juso ist mehr als eine Partei, sie ist ein politischer Freundeskreis, viele haben sich in ländlichen Kleinstsektionen gefunden. Sie kennen das Gefühl, in der Minderheit zu sein, sind schon immer für ihre Ideen belächelt worden. Hier sind sie auf Gleichgesinnte gestossen. Sie sind wie die Streberclique in der Schule, die zusammenhält, weil sie sonst niemanden hat. Und die plötzlich auch für die Coolen der Klasse interessant wird – als Funiciello dazustösst und neue Themen setzt.

Unter Jusos fühlt man sich wie in einem Politologieseminar: Sie zitieren Marx, Rosa Luxemburg und Antonio Gramsci, unterhalten sich über Silvia Federici so ernsthaft wie andere über Fussballresultate. Sie achten auch im Mündlichen auf gendergerechte Sprache. Zudem fasst immer jemand den Auftrag, die Redezeit zu stoppen: Niemand soll zu kurz kommen, kein Geschlecht, keine Sektion.

An diesem Nachmittag in Aarau geht es um das Papier «Schluss mit der Medienherrschaft des Kapitals!», als wieder einmal die Debatte aufflammt, ob der Staat per se gut sei oder ob er auch böse sein könne. Es ist die unsichtbare Linie, die die Jusos untereinander trennt: Glaubst du, dass sich der demokratisch-sozialistische Staat herstellen lässt, indem man den gegenwärtigen Staat transformiert, oder muss er zerstört werden?

Sie verwandelte die Juso in ein Sprachrohr des Feminismus: Tamara Funiciello. Foto: Fabian Hugo

Tamara Funiciello hat keine abschliessende Antwort. Das mag erstaunen, weil die Schweiz sie in den drei Jahren ihrer Präsidentschaft als meinungsstarke Provokateurin kennen gelernt hat. Der Eindruck ist nicht falsch, sie hält Provokation für ein probates Mittel ihrer Politik. «Ich wäre dumm, wenn ich nicht auf etwas setzen würde, was ich beherrsche», sagt sie. Doch das heisst nicht, dass sie denken würde, sie habe ausgelernt. Oft sagt sie im Gespräch mit dem «Magazin», dass sie sich erst eingehender mit diesem oder jenem Thema befassen müsse, ehe sie einen Standpunkt äussern könne.

Im August 2016, wenige Wochen nach ihrer Wahl, erschien im «Tages-Anzeiger» ein bemerkenswertes Gespräch zwischen Funiciello und Alt-Bundesrat Pascal Couchepin. Es war ellenlang und von der Konstellation her hoch konfrontativ: Hier der FDP-Doyen mit seiner Vorliebe für Sachpolitik und Mässigung, dort die junge Linke, die ihrem Klassenfeind gegenübersass. Doch das Ergebnis fiel anders aus, es war ein Gespräch auf Augenhöhe und ohne Bosheiten. Funiciello zeigte, dass sie nicht nur debattieren, sondern auch ziemlich witzig sein kann. Couchepin war beeindruckt, aber nicht auf grossväterliche Art. Zwar hatte er Mühe zu verstehen, wie sich Funiciello als Marxistin bezeichnen kann, und sagte ihr, er wünsche sich, «dass Sie uns nicht die nächsten 2500 Jahre mit Versuchen plagen, das marxistische Paradies einzuführen».

Tamara Funiciello wird den Kapitalismus aller Voraussicht nach nicht kleinkriegen.

Ganz am Ende des Gesprächs, nachdem er sich eingehend mit einer Sozialistin unterhalten hatte, sagte er aber auch, er sei froh, dass es die Jusos gebe: «Ich kann Ihre Ideen nachvollziehen und kämpfe mit Argumenten dagegen. Ihnen geht es gleich. Das ist interessant, das bringt uns weiter. Wir brauchen diesen Austausch zwischen den Generationen. Oft ist diese Debatte mit jungen Linken viel fruchtbarer als mit Jungen, die ohne Nuancen rechts stehen.»

Tamara Funiciello wird den Kapitalismus aller Voraussicht nach nicht kleinkriegen. Sie ist auch nicht der Typ Vordenkerin, keine feministische Intellektuelle. Aber sie ist eine kluge Strategin und hat ein schlagkräftiges Team um sich, das zu jeder Tages- und Nachtzeit ihre Reden gegenliest, ihr Argumente beschafft, Statistiken heraussucht. Sie ist schmerzfrei, wenn es um Angriffe gegen ihre Person geht, und ihre politischen Überzeugungen vertritt sie mit einer Glaubwürdigkeit, die nicht herbeigeredet ist. Von ihr geht eine Kraft aus, der sich nicht einmal ein bürgerlicher Alt-Bundesrat widersetzen kann.

II
Sardinien

In den Augen von Jae Ah Kim fällt das Fest, das an einem Samstag Ende März im Breitsch-Träff steigt, beinahe enttäuschend unspektakulär aus. Hier im Quartierlokal des alternativen Berner Breitenrains feiert Funiciello, die seit 2016 im städtischen und seit 2018 auch im kantonalen Parlament sitzt, den Auftakt ihres Nationalratswahlkampfs. So etwas kenne man eher aus den USA, hat sie in den Wochen zuvor erzählt. Jae Ah Kim, die Erfahrung in Eventmanagement hat, wollte Ballone und Wimpel aufhängen. Sie fand, ein Hauch Grandezza könne nicht schaden. Zuerst war Funiciello begeistert, dann kam sie davon ab. Sie habe, sagt Jae Ah Kim über ihre Freundin, immer ein bisschen Angst, dass ihre Jusos denken könnten, jetzt sei sie definitiv zu viel schmissige Politikerin und zu wenig engagierte Aktivistin.

«Tschae», wie man ihren Namen ausspricht, ist eine der «Chicks». So bezeichnet Tamara Funiciello eine Gruppe langjähriger Freundinnen, die so gar nicht in ihr hochpolitisches Umfeld passen. «Ich rätsle ja auch, warum ich sie dermassen mag», sagt sie und lacht. Die Lehrerin Aveline, die Historikerin Sibylle, die Ingenieurin Anouk und die Kommunikationswissenschaftlerin Jae Ah: Tamara Funiciello liebt ihre Chicks. Wenn sich die Frauen ein paar Wochen nicht sehen, hält Manuela die Bande zwischen ihnen zusammen. Manuela ist ihre Coiffeuse. Sie weiss alles über die fünf und stellt sicher, dass keine von irgendwelchen Informationen ausgeschlossen bleibt.

Die Chicks sind selbst nicht politisch aktiv, aber sie sind Mitglied des Wahlkampfkomitees ihrer Freundin. Funiciello erinnert sich, wie Jae Ah Kim nach ihrem ersten TV-Auftritt überhaupt, vor vielen Jahren auf TeleBärn, plötzlich vor der Wohnungstür stand und sich nach einem knappen Hallo einen Weg zu ihrem Schrank bahnte, um dann zielsicher einen Haufen Kleider aus ihrer Death-Metal- und Punkphase in einem Abfallsack verschwinden zu lassen.

Auch Tamara Funiciellos Eltern sind an diesem Abend im Breitsch-Träff. Während sich Lotti, die Mutter, unauffällig unter die Leute mischt – Tamara bezeichnet sie als eines ihrer grossen Vorbilder –, gibt Vater Remigio den leutseligen Gastgeber, lugt immer mal wieder aus dem kleinen Küchenfenster hervor und ruft: «Entra!» Dann schenkt er den Erwachsenen Bier und Wein nach und rührt für die Kinder Sirup an. Mit altem Brot, Olivenöl und Gewürzen hat er Crostini hingezaubert. Später serviert er Eintopf.

Remigio Funiciello war sechzehn, als er 1970 aus einem Dorf bei Neapel als Saisonnier in die Schweiz kam, seinem Bruder hinterher. In Bern lernte er Lotti Hurni kennen, eine Seeländerin, die im Treuhandbüro ihres Vaters arbeitete. Zusammen engagierten sie sich in der Jugendbewegung der 1980er-Jahre und im Umfeld der Berner Reitschule. Sie gingen nach Nicaragua, um die sandinistische Revolution zu unterstützen. Und als sie nach einem Jahr zurück in der Schweiz waren, gründeten sie die Hilfsorganisation Brigada Latino Bernesa, die noch heute aktiv ist.

1990 kam Tamara zur Welt, 1992 Leandro. 1993 folgte der Schritt, von dem Tamara Funiciello heute sagt: «Hätte man nicht den Euro eingeführt, wäre ich jetzt mit einem Schafhirten verheiratet und würde mich um den Haushalt kümmern.» Die Funiciellos zogen nach Sardinien, in ein Dorf südlich von Alghero. Sie wurden im Partito della Rifondazione Comunista aktiv, einer reformorientierten kommunistischen Partei. Und sie verwirklichten sich einen alten linken Traum: den Rückzug in ein stressfreies Leben, in dem man mit dem Nötigsten auskommt. Remigio arbeitete als Schuhmacher, was so lange funktionierte, bis der Euro kam. Es war schon vorher nicht leicht gewesen, für Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke hatte es nicht gereicht. Doch als Mangel hatte die Familie das nie empfunden. Mit dem Euro wurde es unmöglich, sich über Wasser zu halten, eine Rückkehr in die Schweiz war unausweichlich. Doch zurück in Bern, gerieten die Funiciellos schnell wieder in finanzielle Schwierigkeiten.

Tamara Funiciello weiss sehr gut, was harte Arbeit ist.

Wenn man mit dem Zug vom Wankdorf durchs Wylerfeld in den Berner Hauptbahnhof fährt, sieht man auf der linken Seite ein stillgelegtes Fabrikgebäude, das daran erinnert, dass hier vor einigen Jahren ein Stück Schweizer Industriegeschichte zu Ende ging. An der Fassade kann man noch den Abdruck der abmontierten Leuchtbuchstaben erkennen: Wifag.

Die Maschinenfabrik Wifag war fast ein Jahrhundert lang eine der wichtigsten Arbeitgeberinnen der Region. Nach der Rückkehr aus Sardinien fand Remigio Funiciello dort einen Job als Dreher. Plötzlich ging alles sehr schnell: Der Niedergang hatte bereits in den 1990er-Jahren eingesetzt, ab 2009 kam es zu Massenentlassungen, 2011 stellte die Wifag den Betrieb bis auf wenige Servicebereiche gänzlich ein. Mit Remigio Funiciello verloren Hunderte Menschen ihre Arbeit. Es kam zu Streiks, an denen auch er sich beteiligte.

Davon inspiriert, trat Tamara Funiciello der Unia bei, 2013 wurde sie dort Gewerkschaftssekretärin. Bis dahin hatte sie sich ihren Lebensunterhalt mit den unterschiedlichsten Arbeiten verdient: im Backoffice eines Rikschaunternehmens, als Serviceangestellte, als Wahlbüromitarbeiterin auf der italienischen Botschaft, als Lageristin bei einer Baufirma.

Die Baufirma hatte sie engagiert, um das Werkzeuglager neu zu ordnen. Weil sie kaum einen Hammer von einem Schraubenzieher unterscheiden konnte, wurde sie ins Büro versetzt, wo sie sich um die Bestellungen kümmerte. Sie mochte den Job, aber störte sich an den Spitznamen, die die Männer den Werkzeugen und Eisenwaren gaben: «Jugo», «Tschingg», «Jugo mit zwei Flügeln». Als einer «Muttern» bestellte, hatte Funiciello genug. Damals war der Ausdruck «Dini Mueter!» unter Jugendlichen sehr verbreitet, Funiciello dachte an Sexismus – und löschte die Anfrage. Dass die Muttern wirklich Muttern heissen, erfuhr sie dann vom Chef.

Tamara Funiciello weiss sehr gut, was harte Arbeit ist. Nicht nur von sich, sondern auch durch ihren Vater, der sich inzwischen als Importeur italienischer Bioprodukte durchschlägt, durch ihren Bruder, dem Polymech, und durch ihre Mutter, die zuletzt Detailhandelsangestellte war und jetzt, getrennt von ihrem Mann, von einer minimalen Rente lebt. Tamara Funiciello ist die Erste aus der Familie, die an die Uni ging. Die über alle Massen stolze Mutter nimmt deshalb Medienanfragen für Interviews nur an, wenn man ihr verspricht, im Artikel zu schreiben, dass sie nichts gegen die politische Karriere ihrer Tochter habe, SOLANGE SIE IHR STUDIUM BEENDE. Gerne in Grossbuchstaben.

Tamara Funiciello ist das Kind einer Arbeiterfamilie, und sie ist Migrantin: Wenn sie sich mit Vehemenz gegen Sonntagsarbeit und die Erhöhung des Frauenrentenalters wehrt, wenn sie den Neoliberalismus anprangert, sich für bessere Renten einsetzt, das Stimm- und Wahlrecht für Ausländerinnen und Ausländer fordert oder die 99-Prozent-Initiative lanciert, dann kann man politisch anderer Meinung sein oder sich an ihrem Ton stören – aber man kann ihr nicht vorwerfen, sie kenne die Welt der Menschen nicht, für die sie sich starkmacht.

Nachdem das «Entra!» ihres Vaters auch die letzten Gäste von draussen in den Breitsch-Träff gelockt hat, betritt Tamara Funiciello die Bühne. Sie bedankt sich beim stadtbekannten Satiriker Heinz Däpp für dessen Unterhaltungsprogramm, das primär aus Spitzen gegen so ziemlich das gesamte Bundeshauspersonal der SP bestanden hat. Dann bei einem selbst in diesem Raum völlig unbekannten Musiker, den sie ein paar Wochen zuvor in angetrunkenem Zustand bei einem WG-Fest kennen gelernt und von der Stelle weg für ihre Party engagiert hat.

Und dann legt sie los, genau so, wie Heinz Däpp sie vorgestellt hat. Tamara Funiciello, sagte er, sei ein antikapitalistischer Elefant, ein antinationalistisches Rhinozeros, eine feministische Riesenschildkröte. Analytisch scharf wie ein Fleischmesser, rhetorisch brillant wie ein Haschischhändler auf einem Basar. Sie sei, sagte er weiter und dachte überhaupt nicht ans Aufhören, ein Fels in der Brandung, ein Leuchtturm im Sturm, ein Komet in finsterer Nacht, zielsicher wie eine Fledermaus, beharrlich wie eine Lawinenverbauung.

WTF steht auch für «Wählt Tamara Funiciello».

«Dass diese Welt», ruft Tamara Funiciello ins Mikrofon, worauf im Publikum wie auf Befehl absolute Stille einkehrt, «ein besserer Ort werden muss, liebe Genossinnen und Genossen, liebe Kolleginnen, liebe Freunde – ich glaube, da sind wir uns alle einig. Es gibt so viel, was absurd ist.» Dass das Vermögen der 300 reichsten Schweizer um 60 Milliarden Franken zugenommen habe – und man den Menschen trotzdem erzähle, man könne sich die AHV und die Spitex, die Prämienverbilligungen, die Bildung und den ÖV nicht mehr leisten. Dass die Gesellschaft immer produktiver werde – und der Nationalrat die Menschen trotzdem zwingen wolle, länger zu arbeiten. Dass Nahrungsmittelspekulanten und Waffenproduzenten besser bezahlt würden als Menschen, die Kinder grossziehen und Alte pflegen.

Funiciello hat keine Angst vor Pathos, keine Angst vor Provokation, keine Angst vor Grundsätzlichem. Als sie die Bühne verlässt, ruft sie: «Venceremos!» Dazu macht sie die Faust. Neben den Crostiniresten auf den Stehtischen liegen Wahlkampfflyer, darauf das Motto, das vor vier Jahren bereits ihre erste Nationalratskandidatur begleitete: WTF! Es ist einer ihrer liebsten Flüche, sie versteht ihn als Ausdruck baren Unverständnisses für so vieles, was auf der Welt geschieht. WTF steht aber noch für etwas anderes als «What the fuck» – für «Wählt Tamara Funiciello».

III
Das Tamara-Prinzip

Einige Wochen nach dem Wahlkampfauftakt sitzt Jae Ah Kim in einer Beiz in Bern. Sie ist gross, hat pechschwarzes Haar und strahlt ein Selbstbewusstsein aus, von dem Tamara Funiciello sagt, es könne einschüchternd wirken. Lange arbeitete sie in einer Werbeagentur, inzwischen bei der Ronald McDonald Kinderstiftung. Wenn sie eine neue Bekanntschaft macht und im Verlauf des Gesprächs erwähnt, dass sie mit Funiciello befreundet ist, geschieht es häufig, dass ihr Gegenüber fassungslos reagiert. «Du? Mit der? Das hätte ich nicht gedacht.»

Es ist vierzehn Jahre her, dass Jae Ah Kim, damals Schülerin am Gymnasium Neufeld, zum ersten Mal Kenntnis von Tamara Funiciello nahm. Im Briefkasten lag ein Schreiben, in dem mit Bild der Schülerinnen und Schüler über die neuen Klassen informiert wurde. Jae Ah Kim überflog die Gesichter, bei dem von Funiciello blieb sie hängen. Sie dachte: «Die sieht noch schussig aus, eine richtig Hübsche. Die könnte mir Konkurrenz machen.» Der Gedanke ging ihr bis zum ersten Schultag nicht aus dem Kopf. Doch als sie Funiciello gegenüberstand, war sie beruhigt, was sie ihr später auch ins Gesicht sagte: «Du bist ja mega klein. Kein Problem für mich.»

Funiciello, erzählt Jae Ah Kim, habe sie irritiert angeschaut und dann laut herausgeprustet. Seither sind sie Freundinnen. Politik war lange kein Thema zwischen den beiden. Jae Ah Kim war die Art Wählerin, die einfach die SP-Frauenliste einwarf und sich nicht weiter Gedanken machte. Hätte man sie damals gefragt, was sie von Feminismus halte, hätte sie geantwortet: «Ich finde, die Frauen müssen auch ein bisschen selbst schauen, dass sie gleich viel verdienen wie die Männer.»

«Du findest, ich sei dick? Das ist dein Problem.»Tamara Funiciello

Funiciello hätte wohl ganz ähnlich gedacht. Bis zu dem Moment im Jahr 2011, den sie als ihr feministisches Erweckungserlebnis bezeichnet. Sie war gerade Mitglied des Studierendenrats der Universität Bern geworden, als man an einer Sitzung über gendergerechte Sprache debattierte. Jemand forderte, dass in Zukunft nur noch von Fussgängerinnenstreifen die Rede sein solle. Da lupfte es Funiciello den Deckel. «Das ist doch lächerlich!», rief sie. «Wir haben andere Probleme.» Es wurde still im Raum. Eine Diskussionsteilnehmerin nahm sie zur Seite und sagte knapp: «Wir müssen reden.»

Schon als Teenager hatte Funiciello gespürt, dass sie eine Wut mit sich herumträgt, die tiefer geht als die von anderen Heranwachsenden. Es ärgerte sie, wenn jemand sagte, das sei ungesund. Sie sagt, sie nehme ihre Wut nicht als unkontrollierbares Gefühl, sondern als etwas Wunderbares, als ihren Motor wahr.

Sie spielte Landhockey, als Goalie, erst bei den Berner Young Boys, dann in Luzern, schaffte es bis ins Nationalteam. In der Kategorie der Unter-18-Jährigen wurde sie 2007 Europameisterin in der C-Division. Bis dahin hatte kaum einer an sie geglaubt, es hiess, ihre Hände seien zu klein. Und überhaupt ihre Körpergrösse: 1,52 Meter! Es ist so etwas wie ihr Prinzip: Je grösser der Widerstand, desto stärker der Ansporn. Im Sport lernte sie, was es heisst, als Frau systematisch benachteiligt zu sein. Im Gegensatz zu den Männern mussten sie und die Kolleginnen im Nationalteam sogar die Reisen selbst bezahlen. Und sie verstand, dass sie nur frei handeln kann, wenn sie niemandem Macht über sich gibt, nicht über ihre Visionen, nicht über ihre Figur. «Du findest, ich sei dick? Das ist dein Problem.»

Als Feministin hätte sich Funiciello in all den Jahren aber nie bezeichnet. Das änderte sich nach der Debatte über die Fussgängerinnenstreifen. Auf einmal las sie Unmengen Bücher, informierte sich über die Hegemonie des Patriarchats. In jener Zeit gor in ihr eine Überzeugung, die für ihre politische Arbeit von zentraler Bedeutung werden sollte: dass «die Revolution» derzeit nur von Frauen ausgehen kann.

Warum ist es falsch, das Rentenalter zu erhöhen, wenn wir immer älter werden?

Wenn man von ihr wissen will, wie das zu verstehen ist, entspinnt sich ein längeres Gespräch, das einen schliesslich zu der Frage veranlasst: Woran glauben Sie, Frau Funiciello?

«An die Veränderung. Die Menschen haben das Träumen verlernt, sie fürchten sich davor. Man erzählt uns, dass es ausserhalb der Schweiz viel schlimmer sei und dass das halt sein müsse: Rentenalter erhöhen, Leistungen abbauen, you name it. Es gibt einen Begriff für diese Politik, das TINA-Prinzip von Margaret Thatcher: There is no alternative.»

Warum ist es falsch, das Rentenalter zu erhöhen, wenn wir immer älter werden und sich die AHV nicht mehr anders finanzieren lässt?

«Ich habe auch lange mit mir gerungen, ob ich mir das antun soll: die Erhöhung des Rentenalters gegen den Widerstand der SP bekämpfen. Ich gelte als Verräterin.» Was gab den Ausschlag?

«Eine portugiesische Putzfrau. Sie zeigte mir ihre geschundenen Hände, sagte unter Tränen: ‹Ich scheisse auf die 70 Stutz, aber ich will nicht noch ein weiteres Jahr in den Bau.› Eigentlich bin ich dafür, dass man den Menschen möglichst viele Wahlfreiheiten lässt. Das Problem ist, dass Menschen wie diese Putzfrau keine Wahl haben. Sie bügeln dann einfach länger. Sie haben nicht den finanziellen Spielraum, um sich Freiheit zu erkaufen.»

Was wäre Ihre Alternative?

«Dem TINA-Prinzip halte ich das Tamara-Prinzip entgegen: There are many and real alternatives. In einem Land, in dem die Reichsten immer reicher werden, soll mir niemand erzählen, dass es keine Alternative zur Erhöhung des Rentenalters gibt. Es stimmt einfach nicht, es ist eine Lüge. Das System nimmt uns den Glauben, dass etwas anderes möglich ist.»

Aber was heisst das konkret?

«Wir müssen nicht das Rentenalter erhöhen, sondern im Gegenteil die Arbeitszeit verringern. Wir sind doppelt so produktiv wie in den 1960er-Jahren und haben keine Ahnung, wo uns die Digitalisierung hinführt. Wir wissen bloss, dass Arbeitsstellen verschwinden werden. Trotzdem sollen wir immer noch mehr arbeiten? Das ist hanebüchen. Das ist kein Fortschritt.»

Produktivität ist doch gut.

«Die Leute sagen, die Zunahme der Produktivität nehme ab, sie betrage jährlich nur noch so und so viel Prozent. Aber wo gehen diese Prozente hin? In die Säcke der Reichen! Die Löhne halten nicht mit der Produktivitätsentwicklung mit. Dass Frauen länger leben als Männer, wissen Sie bestimmt. Aber wissen Sie auch, dass die Lebensdauer ebenso sehr davon abhängt, ob man arm ist oder reich? Reiche Frauen leben sieben Jahre länger als armutsgefährdete oder arme. Bei den Männern beträgt der Unterschied elf Jahre. Elf fucking Jahre! Aber das ist noch nicht alles.»

Das war zu befürchten.

«Es gibt Studien, die zeigen, dass wir den Klimawandel nur aufhalten, wenn wir weniger produzieren. Wir stellen so viel Schrott her, den niemand braucht. Dann die feministische Perspektive: Wenn wir weniger arbeiten, wird automatisch die unbezahlte Care-Arbeit höher bewertet. Die wird zum grössten Teil von Frauen geleistet. Die Arbeitszeitverringerung ist die Forderung, die es schafft, die Klima-, die Frauen- und die Arbeiterinnenbewegung zu vereinen.»

Und warum wird die Revolution, wie Sie sagen, von den Frauen ausgehen müssen? «Weil wir es sind, die das System tragen – ohne die unbezahlte Arbeit der Frauen würde es einstürzen. Weil Frauen in allen Gruppen präsent sind, aber immer ganz unten stehen. Und weil nur wir die Macht dazu haben. Stellen Sie sich vor, wir würden aufhören, Kinder zu gebären. Dann wäre einfach fertig.»

IV
Coming-out

Das Osterwochenende beginnt mit einem Hangover. Als sie sich am Karfreitag durch die Menschenmenge im Bahnhof Bern gekämpft hat und im übervollen 11.39-Uhr-Zug nach Frutigen einen Sitz ergattert, atmet Tamara Funiciello auf. Bis am frühen Morgen war sie in Zürich an einer Party, jetzt legt sie ihren Rucksack zu Boden, verstaut die riesigen Kopfhörer und schweigt. An ihrer Jeansjacke steckt ein Pin: «I make boys gay». Sie ist unterwegs zu den Juso-Osterlagern in Adelboden, Seewen SO und auf der Rigi. Ausserhalb der Partei hatte man die Osterlager der Juso kaum zur Kenntnis genommen, bis 2017 die «Rundschau» darüber berichtete. Unter Jusos gibt es zwei Meinungen zu diesem Bericht: Entweder man lacht darüber, oder man ärgert sich. Einigkeit herrscht, dass man falsch dargestellt worden sei: als biertrinkende Flegeltruppe, die sich einer sozialistischen Gehirnwäsche unterziehe, und als «Juso-Brigade», die die Infiltrierung der Mutterpartei plane.

Als Tamara Funiciello vor drei Jahren Präsidentin wurde, formulierte sie den Anspruch, der «Dorn im Arsch der SP» sein zu wollen. Eigentlich greift das zu kurz. Die Jusos mögen sich als Störenfriede verstehen, aber sie bewegen sich in einem Spannungsfeld, das weit übers Stören hinausreicht: Die Frage, was linke Politik sei, ist gerade wieder Anlass für Zerwürfnisse. Das zeigen die Sitzverluste im Europaparlament und der Rücktritt der SPD-Chefin Andrea Nahles (deren politische Karriere als Präsidentin der deutschen Jusos begonnen hatte). Und in der Schweiz sieht man es daran, dass seit Anfang Jahr drei Zürcher Parteiexponenten zur GLP übergelaufen sind.

Seit Cédric Wermuths Zeit sitzt der Juso-Präsident im Vizepräsidium der SP. Ähnlich wie einst bei Wermuth hatte man auch bei Funiciello den Eindruck, dass SP-Präsident Levrat über ihre Anwesenheit nicht unglücklich ist. Leute aus dem inneren Zirkel der SP bezeichneten seine Beziehung zu ihr als Hassliebe. Er begrüsse nicht alle ihre Positionen, aber wisse um ihre Bedeutung bei einigen Wählergruppen.

Dass Tamara Funiciello ein politisches Naturtalent ist, hört man häufig, nicht nur von Linken.

Doch in den vergangenen Monaten machte es den Anschein, dass das Gleichgewicht ins Wanken geraten ist. Das könnte damit zusammenhängen, dass sich Funiciello nicht wie ihre Vorgänger auf Nebenschauplätzen austobt, etwa beim Überwachungsgesetz, sondern die Kernthemen der SP besetzt – und dort erst noch auf Konfrontation zur Parteispitze geht.

Auf eine Anfrage des «Magazins» reagiert Levrat nicht. Doch Anfang Juni, kurz nach Nahles’ Rücktritt, gibt er dem «Tages-Anzeiger» ein Interview. Darin geht es auch um die Probleme der deutschen Sozialdemokratie. Als das Gespräch auf Kevin Kühnert schwenkt, den deutschen Juso-Präsidenten, der die SPD jüngst mit einigen Umverteilungsideen in Hektik versetzte, sagt Levrat: «Unser Kevin Kühnert heisst Fabian Molina.» Von Funiciello kein Wort. Damit nimmt er in Kauf, dass der Eindruck entsteht, er wolle sie ins Abseits drängen.

Dass Tamara Funiciello ein politisches Naturtalent ist, hört man häufig, nicht nur von Linken. An einem Mittwoch während der Sommersession sitzt CVP-Präsident Gerhard Pfister morgens um sieben im Café der Wandelhalle im Bundeshaus und sagt: «Ich mache manchmal den Fehler, dass ich andere Politiker nicht ernst nehme und mich nicht mit ihren Argumenten auseinandersetze. Bei Tamara Funiciello würde mir das nicht passieren. Würde ich ihr in der Sendung ‹Arena› gegenüberstehen, wüsste ich, dass ich mich vorbereiten muss. Wer seine Themen nicht im Griff hat, wird von ihr weggeputzt und macht sich lächerlich.» Pfister ist seit mehr als zwei Jahrzehnten in der Politik und sicher nicht auf einer Linie mit Funiciello. Aber er bewundert die Streitkultur der Juso, ihre Leidenschaft, die Lebendigkeit.

Ein bisschen mehr davon, findet Pfister, würde allen Parteien guttun: «Wir gehen im Bundeshaus sehr betulich miteinander um. Es ist eine Mischung aus Klassentreffen, Theater und dem Abarbeiten von Traktanden, die in den Kommissionen plenumsfertig vorbereitet wurden.» Er hält das für typisch schweizerisch. Die Juso hingegen sieht er in der Tradition der englischen Parteien, dort lerne man das Debattieren schon am College. Schweizer Politiker seien tendenziell mundfaul, sie zeigten sich zwar lösungsorientiert und kompromissbereit, «aber ihnen fehlt die Bereitschaft, für einen guten Entscheid zu streiten».

Die Jusos und allen voran ihre Präsidentin beherrschen auch das Spiel mit den Medien. Funiciello hat Kontakte in fast jeder Schweizer Redaktion, in der Deutschschweiz ebenso wie im Tessin und in der Romandie. Sie sieht voraus, dass «20 Minuten» aufspringt, wenn sie mit anderen Frauen ihren BH verbrennt, um auf den Women’s March aufmerksam zu machen. Sie kann ebenso gut mit dem NZZ-Reporter, der für ihre Ansichten eher wenig übrighaben dürfte, wie mit der «Blick»-Journalistin. Und ihr ist klar, dass sich das Onlineportal «Watson» an ein tendenziell junges, urbanes und linkes Publikum richtet. Daher willigte sie ein, als ihr die Redaktion den Vorschlag machte, einige ihrer Social-Media-Hater persönlich zu treffen.

Sie sei sich lange nicht sicher gewesen, ob das eine gute Idee sei. Eigentlich vertritt sie die Haltung, dass der Hass, der sie trifft, nicht noch konsumiert werden soll. Deshalb will sie auch nicht aus Hassbotschaften zitieren. Man müsse ihr auch so glauben, dass er so weit gehe, dass man die Adresse ihrer Mutter aus dem Telefonverzeichnis habe entfernen müssen.

Die Juso-Geschäftsstelle befreit gewohnheitsmässig Funiciellos Mail- und Social-Media-Konten nach kontroversen Fernsehauftritten vom gröbsten Müll, ehe sie selbst draufschaut. Die Berner Kantonspolizei, erzählt Funiciello, habe ihr vor einer Weile eine Kontaktperson vermittelt, an die sie sich bei Belästigungen wenden kann. Nie war es so schlimm wie letztes Jahr. Aus einer kurzen Rede, die sie auf dem Bundesplatz hielt, wurde die Medienstory des Sommers – und der vielleicht grösste Shitstorm der Schweiz, seit es soziale Medien gibt. Kurz zuvor waren in Genf mehrere Frauen brutal attackiert worden. In ihrer Rede wollte Funiciello zeigen, dass hinter solchen Angriffen ein grundsätzliches gesellschaftliches Problem stecke: dass aus einem nicht akzeptierten Nein im Kleinen irgendwann eine Vergewaltigung werden könne. Mit Blick auf «079», den damals gerade aktuellen Überhit der Berner Musiker Lo & Leduc, sagte sie: «Wir leben in einer Gesellschaft, in der der meistverkaufte Hit der Schweiz eine Stalkinggeschichte erzählt.»

Im TV legte Funiciello nach: Ein Song, in dem ein Mann alles versuche, um die Telefonnummer einer Frau herauszufinden, sei sexistisch. Dann ging es los: Hassbotschaften im Sekundentakt, Morddrohungen, Penisbilder. Die «Schaffhauser Nachrichten» publizierten eine Karikatur mit ihrer Handynummer. Funiciello tauchte ab. Lo & Leduc verurteilten den an Funiciello gerichteten Hass, sagten, es sei dringend nötig, über Sexismus zu reden. Ihren Song aber verteidigten sie.

Heute sagte Funiciello: «Viele sehen nur das Romantische in dem Lied. Aber Frauen, die Stalking kennen, hören halt genau das heraus: den ganzen Scheiss, den sie ertragen müssen, wenn ein Mann nicht loslassen will. Stalking ist eine Realität, über die keiner spricht – nicht in der Politik, nicht in der Gesellschaft, nicht in der Kultur.»

«Viele sehen nur das Romantische in dem Lied»: 079 von Lo & Leduc. Video: Youtube

Tamara Funiciello weiss, dass das mediale Interesse an ihr gross ist. Deshalb kommt sie im Postauto zwischen Frutigen und Adelboden wieder auf ein Thema, das sie bereits bei einer der ersten Begegnungen mit dem «Magazin» angesprochen hatte: ihre sexuelle Orientierung. Damals überlegte sie noch hin und her, ob sie ein Coming-out wagen soll – jetzt tut sie es. Sie sei bisexuell. Nach teilweise langjährigen Beziehungen mit Männern lebe sie inzwischen mit einer Frau zusammen.

Im Privaten hat sie daraus nie ein Geheimnis gemacht, auch in der LGBT-Szene kennt man sie. Dass sie nun an die Öffentlichkeit geht, hat einen politischen, einen persönlichen und einen pragmatischen Grund. Erstens gab es in den eidgenössischen Parlamenten noch nie eine Frau, die offen zu ihrer Liebe zu Frauen steht. Würde Funiciello im Herbst in den Nationalrat gewählt, wäre sie die erste. «Diese Sprechposition fehlt», sagt sie, «bei der ‹Ehe für alle›, beim Diskriminierungsgesetz, überall.»

Zweitens ist ihr nicht wohl bei dem Gedanken, dass eine Facette von ihr existiert, die ihr wichtig, in der Öffentlichkeit aber nicht sichtbar ist. «Mir ist egal, was die Leute von mir denken. Nur eines sollen sie nicht glauben: dass ich unehrlich bin.» Drittens will sie nicht, dass ihr die Kontrolle entgleitet, weil jemand anderes sie outet. «Meine Partnerin und ich gehen auf Lesbenpartys und kaufen zusammen ein. Wir verstecken uns nicht», sagt sie.

V
Das Ende der Geschichte

Bisher verlief die Reise ins Juso-Osterlager ohne Schwierigkeiten. Als der Bus aber an der Endstation eintrifft, verliert Tamara Funiciello die Orientierung. Wer konnte ahnen, dass es in Adelboden zwei Jugendherbergen der Heilsarmee gibt?

Sie ruft Vinz Binggeli an, einen der Lagerleiter. Er schlägt vor, sie mit dem Wagen abzuholen. Wie die meisten Autos, die bei der Juso zum Einsatz kommen, gehört auch dieses den Eltern eines Parteimitglieds. Auf der Fahrt fragt Funiciello, wie das Lager angelaufen sei. Binggeli erzählt von der Sitzung am Gründonnerstag, als man die Lagerregeln besprach, «ganz basisdemokratisch». Funiciello lacht.

In einem Juso-Osterlager besteht der Tag aus Workshops. Man wälzt Ideen, stellt Fragen. Was wollte Marx? Sind wir damit einverstanden? Wie denkt man ausserhalb vorgegebener Strukturen? Am Abend ist Party. Die Morgenkurse sind Pflicht. Sie sind Teil der WSWS-Reihe, was für «Warum sind wir Sozialist*innen?» steht und von der Generation Wermuth eingeführt wurde. Da in den Augen Funiciellos das Programm aber verkrustet war, hat sie es komplett überarbeitet. «Von Feminismus», sagt sie hörbar aufgebracht, «war nirgends die Rede.»

Es gibt noch eine weitere Seite von ihr: die verletzliche.

Das Nachmittagsprogramm ist freiwillig. Mit einer Kollegin hält Tamara Funiciello im Esssaal ein Referat über den Frauen- und den Klimastreik. An der Wand hinter ihr stehen auf Packpapier die Lagerregeln: «Yes means Yes», «Wir dulden keine Diskriminierung aufgrund von Sexualität, Geschlechtsidentität, Hautfarbe, Beeinträchtigung oder sonstigen Merkmalen», «Alkohol & Gras sind okay, aber wir kennen unsere Grenzen und niemand muss konsumieren». Nach anderthalb Stunden bleibt Zeit für eine Diskussion: Welche Aktionen könnten die Jusos im Umfeld der zwei Streikbewegungen lancieren?

Dabei merkt man, was Funiciello vielleicht am meisten auszeichnet: dass sie auf Teamwork und die Kraft der Kommunikation setzt. Sie verbessert, ermuntert, verknüpft. Und wenn sie erkennt, dass es sie nicht mehr braucht, zieht sie sich zurück. Sie ist eine Netzwerkerin mit inzwischen Hunderten guten Kontakten. Wer eine Idee hatte, ist egal, nur die Umsetzung zählt. Eine ähnliche Funktion nimmt sie in diesen Monaten im Zusammenhang mit dem Frauenstreik auch ausserhalb der Juso ein. Sie reist durch die Schweiz und führt Menschen zusammen, die sich anders nie kennen gelernt hätten.

Was in der Adelbodner Juso-Runde auffällt: wie konzentriert alle sind und dass niemand unterbrochen wird. Auch die Stillen kommen zu Wort, wer sich nicht selbst traut, wird vorsichtig um seine Meinung gebeten.

In einer Rauchpause hinter dem Haus erzählen ein paar Jusos, dass das vor Funiciellos Amtsantritt nicht immer so gewesen sei. Sie selbst sagt später: «Man kann finden, dass es ein Erfolg sei, wenn laute Frauen ihre Stimme erheben. Aber der eigentliche Erfolg ist, wenn leise Frauen und schüchterne Männer zu reden beginnen. Vielleicht wissen die ja, wie man die Welt rettet. Nur hat ihnen bisher niemand zugehört.»

Es mag von einer gewissen Ironie sein, dass ausgerechnet sie, diese laute Frau, eine solche Entwicklung herbeigeführt hat. Aber die Wahrheit ist, dass das Bild, das sie in der Öffentlichkeit abgibt, nur eine Seite von ihr ist. Wenn man sie eine Weile begleitet, gibt es zwar viele Momente, in denen sie wie ein weiblicher Che Guevara Parolen von der Bühne schmettert und man sich fragt, ob es nicht auch mal eine Nummer kleiner geht.

Doch sie hat auch diese andere Seite: Tamara Funiciello mag es, auf Zug- oder Autofahrten mit ihren Jusos abzuhängen und sich stundenlang über Liebeskummer und WG-Probleme auszutauschen. In der Öffentlichkeit aber ist sie exponiert, und das hat Folgen. Als eine Jungsozialistin aus St. Gallen erzählt, dass man von den Leuten immer wieder zu hören bekomme, sie fänden die Juso nicht schlecht, deren Präsidentin aber scheisse, da wird Tamara Funiciello still. Dass es ihr nicht gelingt, die Jusos vor den Anfeindungen abzuschirmen, die ihr gelten, betrübt sie.

Es gibt noch eine weitere Seite von ihr: die verletzliche. Sie selbst spricht nicht gern darüber, aber Barbara Egger tut es. Bis 2018 war Egger Regierungsrätin im Kanton Bern, 16 Jahre lang. Während der zweiten Legislatur war sie die einzige Frau im Gremium. Seit einem halben Jahr arbeitet sie in einer Bürogemeinschaft mit drei Frauen und findet es wunderbar. Sie ist eine der erfahrenen SP-Frauen, mit denen sich Funiciello regelmässig austauscht.

«Die SP ist erfolgreich, weil die Frauen dermassen gut arbeiten. Aber sichtbar sind nicht sie, sondern die lauten dudes.»Tamara Funiciello

Von ihr und anderen, sagt Funiciello, habe sie gelernt, wie Macht funktioniere. «Die Männer bringen das den Frauen nicht bei. Sie warnen sie auch nicht, wenn sie in ein Fettnäpfchen treten, sondern schauen genüsslich zu.» Als sich Funiciello 2017 gegen die Rentenreform stellte und damit heftigen und teilweise unsachlichen Widerstand in der Partei provozierte, waren es Frauen aus diesem Bündnis, die Levrat sagten, dass Funiciello von Teilen der Partei gerade zerfetzt werde und er dem Einhalt gebieten solle.

Barbara Egger sagt, dass sie Funiciello erst seit wenigen Jahren kenne. «Zuvor ging es mir wie vielen anderen. Ich dachte, dass sie diese toughe, kämpferische, wirklich freche Frau ist. Erst jetzt weiss ich, wie schlimm die Anfeindungen sind, die sie erlebt, und wie sehr sie lernen musste, sich davon nicht fertigmachen zu lassen. Ich bin wahnsinnig beeindruckt von ihr.»

Tamara Funiciello sagt: «Die SP ist erfolgreich, weil die Frauen dermassen gut arbeiten. Aber sichtbar sind nicht sie, sondern die lauten dudes. Das macht mich hässig und will ich ändern.»

Am Ostersamstagmorgen, im Bus zurück nach Frutigen: Was ist Ihr Bild von der Schweiz, Frau Funiciello?

Um sie herum sitzen japanische Touristen und bestaunen das Panorama, über den Hügeln schweben Gleitschirmflieger. Einmal muss der Bus wegen einer Kuhherde, die mitten auf der Strasse stehen bleibt, abrupt halten.

Funiciello antwortet, dass es die eine Schweiz nicht gebe. «Nur weil wir auf dem gleichen geografischen Flecken zur Welt gekommen sind, haben wir doch nicht alle die gleiche Kultur.» Sie sei einer iranischen Feministin viel näher als Christoph Blocher. Was sie ausserdem sagt:

«Ich wünsche mir eine Welt, in der alle Menschen leben können wie wir in der Schweiz. Man kann vieles kritisieren, die Selbstmordrate, die erstaunlich hohe Zahl von Menschen, die in Armut leben, die unbezahlte Care-Arbeit. Aber der Zugang zu Nahrungsmitteln und Wasser, der ÖV, die Verlässlichkeit – all das Praktische also, das gefällt mir.»

«Ich mag die direkte Demokratie, doch aus revolutionärer Sicht stellt sie auch ein Problem dar. Denn sie hat eine stabilisierende Komponente. Und selbst wenn man das begrüsst, heisst es natürlich, dass die Revolution kaum je in der Schweiz ausbrechen wird. Hier haben wir das Gefühl, mitdiskutieren zu dürfen. Das ist schön, aber es führt uns ein Stück weit an der Nase herum. Wir können zwar Initiativen und Referenden lancieren, aber den ökonomischen Zwängen sind wir unterworfen wie der Rest der Welt.»

«Egal, worüber ihr redet, ihr seid immer die Jusos, die man nicht ernst nimmt.»Tamara Funiciello

«Eines stört mich wirklich: dass viele sagen, die Schweiz habe keine Verantwortung über ihre Grenzen hinaus, im Sinne von: Wir sind so klein, was können wir schon ändern? Ich meine, all diese Scheissriesenunternehmen siedeln sich bei uns an, sie produzieren mega viel Dreck, sie ignorieren überall auf der Welt Menschenrechte. Wir haben Grossbanken, die gruusige Sachen machen, und wir profitieren davon und sagen: Ist halt so.»

Drei Stunden später, kurz nach Mittag, trifft Tamara Funiciello im Osterlager in Seewen SO ein. Sie hält einen Rhetorikworkshop im Dachgeschoss. Es wird warm und wärmer, irgendwann merkt sie, dass die Konzentration nachlässt. Bis hierhin hat sie darüber gesprochen, dass Rhetorik allein nicht reiche, wenn man nichts zu sagen habe. Sie hat Reden verglichen, hat schlechte Witze, Sarkasmus und Holocaustvergleiche verboten und von Michelle Obama, Gregor Gysi und Dolores Ibárruri geschwärmt.

Aber sie hat auch gesagt, dass man als Juso bei öffentlichen Auftritten ein Problem habe: die Glaubwürdigkeit. «Wenn es um ein Finanzthema geht und ihr einem UBS-Banker gegenübersitzt – sorry, dann ist eure Glaubwürdigkeit null. Egal, worüber ihr redet, ihr seid immer die Jusos, die man nicht ernst nimmt.»

Jetzt sagt sie: «Aber ihr habt auch einen grossen Vorteil. Seid euch stets im Klaren, dass ihr auf der richtigen Seite steht. Es kann nicht sein, dass Menschen verhungern, wenn andere Millionen verdienen. Dass ihr daran glaubt, dass die Welt anders sein kann, als sie heute ist, macht euch stark. Das ist, was euch von all den alten Politikern mit ihren abgedroschenen Parolen unterscheidet: euer Glaube an die Veränderung. Der Kapitalismus ist nicht das Ende der Geschichte.»

Dann entlässt die scheidende Präsidentin ihre Jusos in die wohlverdiente Pause. Statt Revolutionsrhetorik gibts jetzt Filterkaffee und selbst gemachtes Popcorn.

Erstellt: 22.06.2019, 07:54 Uhr

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