Ein Hilfsfonds für verschuldete Versicherte

Wer Schulden bei der Krankenversicherung hat, kann die Kasse nicht wechseln. Patienstellen wollen dies nun ermöglichen.

Der Fonds dient den Patientenstellen der ganzen Schweiz und soll mit Spenden geäufnet werden. Foto: Keystone

Der Fonds dient den Patientenstellen der ganzen Schweiz und soll mit Spenden geäufnet werden. Foto: Keystone

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Immer mehr Versicherte geraten wegen der hohen Krankenkassenprämien in finanzielle Schwierigkeiten. Doch wer Schulden bei der Krankenversicherung hat, kann die Kasse nicht wechseln. Dabei würde ein Wechsel zu einer günstigeren Kasse die Versicherten häufig entlasten, sagt Erika Ziltener, Präsidentin des Dachverbands Schweizerischer Patientenstellen (DVSP). So könnten Versicherte rasch einmal 100 Franken pro Monat sparen.

Die Patientenstelle Zürich hat nun einen Fonds eingerichtet, um solche Versicherte zu entschulden. Den Ausschlag gab ein Ehepaar, das Schulden bei der Kasse und unbezahlte Arztrechnungen im Umfang von insgesamt rund 10'000 Franken hatte. In Schwierigkeiten geriet das Paar, als bei der Frau eine Autoimmunkrankheit ausbrach und hohe Behandlungskosten anfielen. Aufgrund der belastenden Situation erkrankte auch der Mann. Beide hatten die Maximalfranchise von 2500 Franken gewählt, um Prämien zu sparen, aber nicht genug Geld, um die Behandlungskosten zu zahlen.

Hilfe nur bei Kassenwechsel

Der Fonds dient den Patientenstellen der ganzen Schweiz und soll mit Spenden geäufnet werden. Eine Unterstützung ist an die Bedingung geknüpft, dass die Versicherten nach der Begleichung der Schulden in eine günstige Kasse wechseln, das Hausarztmodell und die ordentliche Franchise von 300 Franken wählen. Denn ein häufiger Grund für die Verschuldung sei eine hohe Franchise, sagt Ziltener. Versicherte mit knappem Budget wählten häufig eine Franchise von 2500 Franken, hätten aber nicht ausreichend Geld zurückgelegt, um allfällige Behandlungskosten zu begleichen.

Mehrere Fälle aus der Deutschschweiz wurden Ziltener von Schuldenberatungsstellen weitergeleitet. Dank erster Spenden könne einigen Versicherten geholfen werden. In einem Fall, der Ziltener auf dem Tisch liegt, belaufen sich die Schulden allerdings auf satte 40'000 Franken. Ein solcher Fall überfordere die Patientenstellen zurzeit noch. Die finanzielle Unterstützung ist eine Vorauszahlung, die die Betroffenen nach Möglichkeit zurückerstatten sollen.

Ziltener hofft, dass sie einigen Versicherten noch einen Kassenwechsel auf Mitte dieses Jahres ermöglichen kann. Dazu müssen die Betroffenen die aktuelle Versicherung bis Ende März kündigen, was nur mit einer raschen Begleichung ausstehender Prämien und Kostenbeteiligungen möglich ist. Ein Wechsel auf Mitte Jahr ist zulässig beim Standardmodell mit Minimalfranchise 300 Franken. Gleichzeitig beraten die Patientenstellen bei Gesuchen um Prämienverbilligung. Häufig müssten verschuldete Personen zuerst die Steuererklärung ausfüllen, aufgrund der eine Prämienverbilligung ausgerichtet werden kann.

350 Millionen Schulden

Jedes Jahr bleiben die Versicherten den Krankenkassen mehrere 100 Millionen Franken an Prämien und Kostenbeteiligungen schuldig. Im Jahr 2017, aus dem die aktuellste Schuldenstatistik stammt, beliefen sich die ausstehenden Zahlungen auf rund 350 Millionen Franken. Ein Teil dieser Versicherten wendet sich wegen ihrer finanziellen Probleme an Schuldenberatungsstellen. Rund 60 Prozent dieser Ratsuchenden haben Ausstände bei den Krankenversicherungen.

Laut Mario Roncoroni von der Schuldenberatung Bern betragen die Schulden bei den Kassen im Schnitt fast 11'000 Franken pro Versicherten. Welchen Anteil ausstehende Kostenbeteiligungen ausmachen, wurde nichterhoben. Klar ist aber für Roncoroni, dass hohe Franchisenein zusätzliches Schuldenrisiko darstellen.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 15.03.2019, 22:08 Uhr

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