Ein hoher Offizier wird von Amherd abgeschoben 

Die Verteidigungsministerin will alte Seilschaften durchbrechen und Frauen fördern. Sie schafft damit aber einen Überhang an hochbezahlten Dreisterngenerälen.

Die Versetzung des 61-jährigen Schellenberg (l.) durch Viola Amherd (m.) entspricht keineswegs einem Schritt nach oben auf der Karriereleiter. Foto: Urs Flüeler (Keystone)

Die Versetzung des 61-jährigen Schellenberg (l.) durch Viola Amherd (m.) entspricht keineswegs einem Schritt nach oben auf der Karriereleiter. Foto: Urs Flüeler (Keystone)

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Der kommunikationstechnische Coup des Verteidigungsdepartements scheint fürs Erste gelungen. In den Medien wurde die Versetzung von Korpskommandant Aldo C. Schellenberg, dem heutigen Chef des Kommandos Operationen, auf den Posten eines Begleitoffiziers des neuen Chefs der Armee als Beförderung dargestellt. Genau so, wie dies das offizielle Communiqué vom Mittwoch aus dem Departement von Bundesrätin Viola Amherd (CVP) zum Ziel hatte.

Dabei ist der Chef Operationen der erste verantwortliche Führungsoffizier bei realen Einsätzen der Armee oder von Teilen der Armee. Die Versetzung des 61-jährigen Schellenberg auf den Posten eines «zugeteilten Höheren Stabsoffiziers», und damit in den Job eines engen Vertrauten und Beraters des Chefs der Armee, entspricht also keineswegs einem Schritt nach oben auf der Karriereleiter.

In der Politik entspricht der neue Posten Schellenbergs etwa jenem eines persönlichen Mitarbeiters eines Bundesrats – zweifellos wichtig zwar, aber eben nicht eine Führungsaufgabe. Faktisch ist die Versetzung Schellenbergs also keine Beförderung, sondern eine Abschiebung. 

Amherds Kalkül

Gespräche mit Armee-Insidern zeigen, welche Absichten Amherd mit der Versetzung Schellenbergs verfolgt. Demnach will die Bundesrätin seit Jahren bestehende Seilschaften innerhalb der Armeeführung durchbrechen. Diese stammen teilweise noch aus der Ära der früheren Armeechefs Christophe Keckeis, vor allem aber aus der Ära André Blattmanns, der von 2009 bis Ende 2016 Chef der Armee war.

Risikolos sind solche Beförderungen nicht, es droht die Gefahr von Führungsfehlern aufgrund mangelnder Erfahrung. 

Amherd nimmt überraschende Beförderungen vor und sichert sich so die Loyalität der Aufsteiger. Gleichzeitig sichert sich die Verteidigungsministerin damit direkte Informationen aus dem Offizierskorps, während sich die alten Seilschaften bisher zuerst untereinander auszutauschen und zu organisieren pflegten.

Risikolos sind solche Beförderungen indessen nicht, es droht die Gefahr von Führungsfehlern aufgrund mangelnder Erfahrung. Amherd stellt dem punkto Auslands- und Inlandseinsätze noch ziemlich unerfahrenen neuen Armeechef Süssli den erfahrenen Ex-Chef Operationen und Ex-Chef Luftwaffe Schellenberg zur Seite. Schellenberg soll Süssli stützen. Dieser hat mit seiner Ernennung zum Armeechef gleich zwei Karrierestufen übersprungen.

Bundesrätin fördert Frauen

Eine zweite Beförderung lässt ebenfalls die Handschrift Amherds erkennen. Die in Führungsfragen von grösseren Verbänden im In- oder Ausland vergleichsweise unerfahrene Brigadier Germaine J.F. Seewer befördert Amherd per 1. Januar 2020 zur neuen Kommandantin Höhere Kaderausbildung der Armee.

Seewer steigt somit in den Rang eines Divisionärs und Zweisternegenerals auf. Bewährt sich Seewer auf dem verantwortungsvollen Posten, dürfte sie in wenigen Jahren zur Ausbildungschefin der gesamten Armee aufsteigen. Sie würde damit zur ersten Frau in der Schweiz mit drei Sternen auf den Schultern, zur ersten Frau Korpskommandant. Amherd hat mehrfach betont, dass sie Frauen in der Armee fördern will.

Jeder der fünf Korpskommandanten verdient über 300'000 Franken jährlich.

Ein zweites altes Problem der Armee löst die Verteidigungsministerin damit allerdings nicht. Sie schafft mit ihrer Beförderungswelle vom Mittwoch einen noch grösseren Überhang an hochbezahlten Korpskommandanten. Anstelle von drei Dreisterngenerälen, wie sie ihren Funktionen entsprechend in der neuen Armee vorgesehen sind, zählt die oberste Armeespitze aktuell deren fünf.

Jeder der fünf Korpskommandanten verdient über 300'000 Franken jährlich – einer als überqualifizierter, zugeteilter Höherer Stabsoffizier, der andere als Militärattaché in den USA. Die Frage, wie künftig mit jenen höchsten Offizieren umzugehen ist, die einige Jahre vor der Rente von ihren Führungspositionen wegversetzt werden, hat Amherd noch nicht beantwortet. 

Erstellt: 24.10.2019, 19:59 Uhr

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