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Ein Kopftuch ist kein Kündigungsgrund

Eine von einer Berner Grosswäscherei entlassene Muslimin gewinnt vor Gericht. Ihr wird eine Entschädigung zugesprochen.

Die Richter berufen sich auf die Glaubensfreiheit: Frau mit Kopftuch. (Archivbild)
Die Richter berufen sich auf die Glaubensfreiheit: Frau mit Kopftuch. (Archivbild)
Georgios Kefalas, Keystone

Das Urteil hat Präzedenzcharakter: Erstmals seit über 25 Jahren musste ein Schweizer Gericht entscheiden, ob das Tragen eines Kopftuches in einem privaten Betrieb ein Kündigungsgrund ist.

Hintergrund ist der Streit zwischen einer jungen Serbin und einer Berner Grosswäscherei. Das Unternehmen hatte die langjährige Angestellte entlassen, weil sie Anfang 2015 verhüllt zur Arbeit erschienen war. Unterstützt vom radikalen Islamischen Zentralrat (IZRS) ging die Muslimin juristisch dagegen vor.

Kündigung missbräuchlich

Jetzt hat das Regionalgericht Bern-Mittelland die Kündigung für missbräuchlich erklärt und der Frau eine Entschädigung zugesprochen, wie die «SonntagsZeitung» berichtet. Bei ihrem Entscheid stützen sich die Richter auf die in der Verfassung verankerte Religionsfreiheit. Die Glaubens- und Gewissensfreiheit schütze das Recht, ein Kopftuch zu tragen – auch während der Arbeit in der Privatwirtschaft.

Muslime in der Schweiz nehmen das wegweisende Urteil mit Wohlwollen zur Kenntnis. Önder Günes von der Föderation Islamischer Dachorganisationen der Schweiz (FIDS) sagt zur «SonntagsZeitung»: «Das Kriterium für eine Arbeitsstelle sollten die Kompetenzen sein und nicht das getragene Kleidungsstück». Das Urteil sei wichtig, damit auch muslimische Frauen Eingang in die Arbeitswelt finden.

Anders sieht das Islamkritikerin Saida Keller-Messahli. Für die Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam zielt der Gerichtsentscheid in eine falsche Richtung: «Das Kopftuch ist ein Accessoire der Islamisten.» Deren Kleidervorschriften dürften nicht unter den Schutzbereich der Religionsfreiheit fallen, denn das Kopftuch sei kein religiöses Gebot im Islam.

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