Zum Hauptinhalt springen

Ein Lichtblick, aber noch kein Durchbruch

Die tief zerstrittene Gesundheitsbranche kommt in Bewegung. Doch gerade die Ärzte haben noch einen weiten Weg vor sich.

MeinungFabian Schäfer

Das Zeichen kommt zur rechten Zeit: Die hartnäckige Reformblockade im Schweizer Gesundheitswesen ist vielleicht doch kein Naturgesetz. Am Dienstag traten die Spitzen der Ärzteverbindung FMH, des Krankenkassenverbands Curafutura und der Unfallversicherer gemeinsam vor die ­Medien, was an sich schon fast eine Sensation ist. Sie haben es nach jahrelangem Ringen geschafft, eine Struktur für einen neuen ambulanten Tarif auszuarbeiten. Der heutige Tarif Tarmed ist hoffnungslos veraltet, trotzdem rechnen Ärzte und Spitäler immer noch Leistungen von jährlich rund 11 Milliarden Franken darüber ab. Nun haben die Ärzte und die beteiligten Versicherer zwar einen ersten Erfolg erzielt, aber noch keinen Durchbruch. Ein Scheitern bleibt möglich. Doch der gute Wille und die Zuversicht sind vorhanden.

Leider nicht bei allen: Der andere Krankenkassenverband, Santésuisse, stand bei den Verhandlungen von Beginn weg abseits, und kürzlich stieg überraschend auch noch der Spitalverband aus. In der Ärzteschaft scheint die Kompromissbereitschaft auch nicht besonders ausgeprägt zu sein. Viele Mediziner reagierten auffällig gereizt, nachdem das Bundesamt für Gesundheit Ende Oktober eine neue Studie zu den Ärzteeinkommen veröffentlicht hatte. Das ist insofern verständlich, als das Amt tatsächlich verdächtig stark auf die höchsten Löhne fokussierte, die in keiner Weise repräsentativ sind. Gleichwohl übertreiben auch die Ärzte: Sie insinuieren in Inseraten, die Krankenkassen würden mutwillig zu hohe Prämien einziehen und einen Teil davon an den Börsen verlieren. Deshalb solle der Bund die Prämien «einfrieren».

Solche Verschwörungstheorien helfen nicht weiter. Es ist beruhigend, dass sich die FMH-Spitze nicht von Ressentiments leiten lässt und weiterhin mit Curafutura am neuen Tarif mitarbeitet. Ihr Härtetest wird darin bestehen, intern einen Konsens zwischen den diversen Gruppen von den Hausärzten bis zu den Spezialisten zu finden. Denn es wird Verlierer und Gewinner geben. Wenn die Ärzte immer noch meinen, alle könnten ihren Besitzstand halten, irren sie sich.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch