Zum Hauptinhalt springen

Ein Pionier des Onlinejournalismus

In eigener Sache: Am Wochenende ist Samuel Reber, der stellvertretende Leiter Newsnet, verstorben. Ein Nachruf.

Michael Marti
Prägte den Auftritt der Newsnet-Sites: Samuel Reber 2015 an einer Redaktionssitzung.
Prägte den Auftritt der Newsnet-Sites: Samuel Reber 2015 an einer Redaktionssitzung.

Journalismus ist oft ein Tagewerk. Heute verfasst, morgen veröffentlicht, häufig schon früher, im Digitalkanal. In diesem Takt die relevanten und nützlichen Informationen zu vermitteln, der Aktualität, den Fakten, der Leserschaft verpflichtet - das ist herausfordernd genug. Einigen Kollegen gelingt noch mehr: Ihr Engagement und Können weisen über den Tag hinaus, sie prägen einen Titel und die Teams. Samuel Reber, der 2002 erstmals für den «Tages-Anzeiger» arbeitete, gehörte zu ihnen.

Samuel Reber war einer der erfahrensten und besten Digitaljournalisten der Schweiz, ein Pionier des Onlinejournalismus. 2002 war er Teil des Kernteams von tagesanzeiger.ch, das - in einer Zeit noch ohne Facebook und iPhones - die Digitalberichterstattung des Tagi aufbaute. Nach Engagements bei Ringier und Migros Online kehrte er 2008 zurück zu Tamedia; er übernahm bei Newsnet (dem Onlineverbund der Partner «Tages-Anzeiger», «Berner Zeitung», «Basler Zeitung», «Der Bund») die Funktion Chef Nachrichtendesk. Samuel Reber und sein Ressort bildeten das Rückgrat einer kontinuierlichen Berichterstattung für ein immer grösser werdendes Publikum, für täglich Hunderttausende von Userinnen und Usern. Er verstand es, in dieser Zeit enormer Beschleunigung der journalistischen Berichterstattung traditionelle Gebote wie Faktentreue oder Ausgewogenheit mit Imperativen des digitalen Wandels zu vereinen: mit Tempo, Multimedialität, Publikumsinteraktion.

Ein Förderer und Türöffner

Sein Können und seine Leidenschaft, aber auch seine hohen Ansprüche an den Onlinejournalismus gab er weiter an eine grosse Zahl junger Kolleginnen und Kollegen, die er führte und betreute. Doch nicht nur sie durften von Sam Reber lernen, sondern auch Studierende der Schweizer Journalistenschule MAZ, an der er während Jahren Digitaljournalismus unterrichtete. Samuel Reber war ein Förderer junger Talente und für viele Berufseinsteiger der Türöffner zur Redaktion.

2013 wurde Samuel Reber zum stellvertretenden Leiter Newsnet befördert, er spielte im Konvergenzprozess, dem Zusammenführen der Digital- und Printredaktionen, mit seinem vermittelnden und gewinnenden Auftreten eine zentrale Rolle. Zudem war er verantwortlich für den Innovationsbereich Multimedia und Social Media, später auch für die Neuausrichtung der Infografik. Ab und an gewährte Samuel Reber sich die Freiheit, selbst Artikel zu verfassen, er war ein vielseitig interessierter und inspirierter Zeitgenosse. Und vielleicht der treuste und hoffnungsvollste Anhänger des FC Luzern überhaupt.

Blattmacher und Teamplayer

Seine grösste Wirkung hatte Samuel Reber wohl in der Rolle als Tagesverantwortlicher und Blattmacher, also wenn er die Frontsite komponierte, die Teams steuerte, Schreiber coachte, Titel setzte. In dieser Aufgabe prägte er nicht nur den publizistischen Auftritt unserer Onlinesites. Vielmehr lebte er der Redaktion vor, wie selbst im Breaking-News-Tempo ein Ausgleich zwischen Anspornen und Einfordern, Rücksichtnahme und Respekt nicht nur möglich ist, sondern ein Team zum Erfolg führt. Darin war er besser als alle anderen. Denn es war dies mehr als eine berufliche Kompetenz: Es entsprach seinem Charakter, Menschen nicht auf ihre Arbeit, ihre berufliche Leistung zu reduzieren. Samuel Reber war ein grosszügiger und feiner Mensch.

Am letzten Wochenende verstarb Samuel Reber 44-jährig in Zürich.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch