Ein Putin-Freund sponsert Schweizer Botschaftsparty

Das «Grand Opening» der Botschaft in Moskau mit Champagner und Edelhäppchen haben Firmen finanziert. Die Sponsorenliste ist brisant.

Aussenminister Ignazio Cassis prostet auf der Moskauer Eröffnungsfeier dem russischen Amtskollegen und Stargast Sergei Lawrow zu. Foto: Valery Sharifuhin (Tass, Getty Images)

Aussenminister Ignazio Cassis prostet auf der Moskauer Eröffnungsfeier dem russischen Amtskollegen und Stargast Sergei Lawrow zu. Foto: Valery Sharifuhin (Tass, Getty Images)

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Es war eine Party der Superlative. Sie dauerte vier Tage, vor dem Gebäude war der rote Teppich ausgerollt, zur Begrüssung spielte ein Alphornquartett, eingeflogen aus der fernen Heimat. Am Fest selber gab es noch mehr Musik, Champagner, ein Raclette-Buffet und Edelhäppchen aus dem Fünfsternhaus Swissôtel Krasnye Holmy. 800 geladene Gäste kamen zur Eröffnungsfeier der neuen Schweizer Botschaft in Moskau – unter ihnen Russlands Aussenminister Sergei Lawrow höchstpersönlich.

Das «Grand Opening», so der unbescheidene Name des Anlasses, passte zum Gebäude, das es zu feiern gab: Für 42 Millionen Franken wurde die Botschaft erweitert und renoviert – eine der teuersten Investitionen der Schweiz im Ausland. Die pompöse Feier fand bereits vor einem Monat statt, doch erst jetzt wird bekannt, wie eindrücklich auch ihre Kosten waren. Laut dem EDA betrug das Budget rund 700'000 Franken. Dazu steuerten Sponsoren 555'000 Franken bei, bar oder mit Naturalleistungen.

Eine Schweiz der Marken

Die Sponsorenliste umfasst das Who’s who der Schweizer Wirtschaft: von ABB über Roche bis zu Victorinox. Sie waren in drei Kategorien unterteilt: Goldsponsoren zahlten 45'000, Silbersponsoren 20'000, Bronzesponsoren 10'000 Franken.

Viele Schweizer Firmen seien aktiv in Russland, daher sei es «natürlich gewesen, sie bei der Eröffnung unserer neuen Botschaft einzubeziehen», erklärt das EDA. Einerseits habe man so den Anlass finanzieren können, andererseits gehe es um Imageförderung. «Unser Land wird oftmals mit seinen Marken identifiziert», so das EDA.

Unter den Sponsoren finden sich aber auch Firmen, deren Swissness-Faktor bescheiden ist. Die Nord Stream AG etwa ist die Trägerfirma einer umstrittenen Gaspipeline durch die Ostsee. Ihre einzige Verbindung zur Schweiz besteht darin, dass sie ihren juristischen Sitz in Zug hat.

22 Milliarden Dollar schwer und eng mit Putin befreundet

Noch diffuser ist der Schweiz-Bezug bei der Volga-Gruppe, die ihren offiziellen Sitz in Luxemburg hat. Dabei handelt es sich um die Beteiligungsgesellschaft des russischen Oligarchen Gennadi Timtschenko, der in Genf lebt. Er ist laut dem Magazin «Forbes» 22 Milliarden Dollar schwer und eng mit Wladimir Putin befreundet. Seit 2014 steht er auf einer Sanktionenliste der USA – als «Mitglied des inneren Kreises der russischen Führung».

Wie es die Volga-Gruppe in den Kreis jener Marken schafft, die laut EDA das Image der Schweiz prägen, erklärt es so: «Wirtschaftsförderung hat zwei Dimensionen.» Es gehe darum, den Erfolg von Schweizer Unternehmen zu stärken und die Ansiedlung ausländischer Firmen zu fördern. Darum könnten Unternehmen wie die Volga-Gruppe Partner einer EDA-Veranstaltung werden.

Schon wieder Glencore

Von Brisanz ist auch das Sponsoring durch Glencore. Schon im Januar geriet Bundesrat Ignazio Cassis in die Kritik, als er in Sambia eine umstrittene Kupfer-mine des Rohstoffkonzerns besuchte und später via Twitter undifferenziert die Sichtweise von Glencore verbreitete.

Die 30 Sponsoren bekamen je nach Beitrag unterschiedliche Gegenleistungen: Sie erhielten Gratistickets, durften Logos präsentieren oder eigene Cocktailpartys abhalten. Ein Vertreter der Privatbank Vontobel, Goldsponsor, durfte sogar am Eröffnungsakt das Wort ergreifen – unmittelbar nach Lawrow.

Derweil betrieb der Tabakmulti Philip Morris im Innenhof eine Raucher-Lounge. Eigenes Rauchzeug durfte man dort nicht konsumieren, sondern nur die elektrischen Zigaretten des Konzerns. Überhaupt sucht Philip Morris derzeit auffallend viel Nähe zur offiziellen Schweiz. Wie die CH-Media-Zeitungen jüngst publik machten, hat das EDA den Tabakmulti, der in Lausanne einen Sitz unterhält, auch zu einem Hauptsponsor des Schweizer Pavillons an der Weltausstellung 2020 erkoren.

«Wir müssen sparsam umgehen mit den Bundesfinanzen, da ist es richtig, dass wir vermehrt auf privates Sponsoring zurückgreifen.»Filippo Lombardi, CVP

Am «Grand Opening» dabei waren zwei Vertreter der Parlamentarischen Gruppe Schweiz-Russland. SP-Nationalrat Fabian Molina kehrte irritiert zurück. «Die Eröffnung einer Botschaft ist ein hoheitlicher Akt.» Die habe der Staat aus eigenen Mitteln zu finanzieren – auch wenn man dann halt bescheidener anrichten müsse, sagt Molina. «Es kann doch nicht sein, dass die Schweiz im Ausland primär über Firmen wie Glencore oder Philip Morris wahrgenommen wird.»

CVP-Ständerat Filippo Lombardi – in Moskau dabei – sieht kein Problem. «Wir müssen sparsam umgehen mit den Bundesfinanzen, da ist es richtig, dass wir vermehrt auf privates Sponsoring zurückgreifen.» Allein die Tatsache, dass Lawrow persönlich teilgenommen habe, sei wesentlich. SVP-Aussenpolitiker Roland Büchel pflichtet bei: «Wenn man eine schöne Feier will und diese zu Recht nicht mit Steuergeldern finanziert, ist Fundraising eine valable Option.»

Sicher ist, dass die Moskauer Party ein Nachspiel haben wird. Molina hat in der Aussenpolitischen Kommission eine Aussprache beantragt. Unter anderem will er wissen, auf welchen Rechtsgrundlagen das Sponsoring von Anlässen der offiziellen Schweiz basiert.

Erstellt: 20.07.2019, 07:30 Uhr

Die 30 Sponsoren

Gold: ABB, Vontobel, Cremo, Sika, Philip Morris.

Silber: UBS, Volga-Gruppe, Oerlikon, Roche, SGS, Zürich, Ferring, Nord Stream.

Bronze: Condair, Eurochem, Glencore, Kühne & Nagel, LafargeHolcim, MSC Cruises, Nestlé, Omya, Schindler, Stadler, Sulzer, Villars, Victorinox, Burnier, Hotel Metropol, Swissôtel. (red.)

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