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Ein «Santé!» aus Genf - Städte uneins im Kampf gegen Saufgelage

Eigentlich wollten Zürich, Bern, Lausanne und Genf eine gemeinsame Strategie gegen die Massenbesäufnisse entwickeln. Doch jetzt schert Genf aus und bewilligt einen Botellón.

Gleich in vier grossen Schweizer Städten befassten sich die Exekutiven gestern mit dem Phänomen der kollektiven Saufgelage. Zuvor hatten sich die Polizeivorsteher von Genf, Lausanne und Zürich sowie der Berner Stadtpräsident abgesprochen. Mit dem Ziel, eine gemeinsame Gegenstrategie zu entwickeln und gegenüber dem Bund aktiv zu werden. Trotz dieser Kontakte nimmt nun aber Genf eine liberalere Haltung ein als die drei anderen Städte.

Bundesplatz soll sauber bleiben

Der Genfer Stadtrat hat gestern ein Trinkgelage bewilligt, das am kommenden Freitag im Bastion-Park stattfinden soll. Bereits der erste Schweizer Botellón («grosse Flasche» auf Spanisch) fand am 18. Juli in Genf statt. In Lausanne hingegen hat die Stadtregierung den für Samstag geplanten Botellón in der Parkanlage Montbenon verboten. Auch Bern will auf dem Bundesplatz keine saufenden und grölenden Massen sehen: «Für so etwas stellen wir doch nicht den attraktivsten Platz der Schweiz zur Verfügung», sagte der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät nach der Sitzung des Gemeinderats. Das Massenbesäufnis, zu dem Jugendliche im Internet für den 30. August aufrufen, lehne die Exekutive einhellig ab. Auch der Zürcher Stadtrat «missbilligt» Massenveranstaltungen, die in erster Linie übermässigem Alkoholkonsum dienen, hat aber kein explizites Verbot ausgesprochen.

Genf sieht sich als Pilotstadt

Der freisinnige Genfer Stadtrat Pierre Maudet widersprach gestern dem Eindruck, Genf tanze aus der Reihe: «Im Grundsatz sind wir uns einig, dass wir in unseren Städten keine Massenbesäufnisse wollen.» Genf habe im Unterschied zu anderen Schweizer Städten jedoch bereits praktische Erfahrungen gesammelt - mit dem ersten Schweizer Botellón und mit einem Verbot des zweiten Saufgelages. «Nun bieten wir den jugendlichen Veranstaltern die Chance, zu beweisen, dass sie im Bastion-Park ein Fest durchführen können, das nicht in ein Massenbesäufnis ausartet», sagte Maudet.

Er und Stadtpräsident Manuel Tornare haben den 15 «Organisatoren» abverlangt, dass die Jugendlichen allen Abfall selbst beseitigen. Darüber hinaus müssen sie eine Art Wachdienst aufziehen und Alarm schlagen, wenn das Gelage überbordet. Die Jugendschutzbrigade der Polizei wird im Einsatz stehen, und die Stadt stellt zusätzliche öffentliche Toiletten bereit. «Wir sagten den Jugendlichen, ihr seid für einen geordneten Ablauf verantwortlich. Wenn es nicht klappt, werden solche Anlässe wieder verboten», betonte Maudet.

Auf ein solches Experiment wollte sich der Lausanner Polizeivorstand Marc Vuilleumier nicht einlassen. Denn: Der junge Initiant, der in Lausanne zu einem Botellón aufruft, habe der Stadt gegenüber keinerlei Garantie abgegeben, dass Minderjährige vor Alkoholkonsum geschützt, die Abfälle beseitigt oder Schlägereien verhindert würden. Die Stadtregierung beschloss das Verbot auch aus einem anderen Grund: «Wir wollen keinen öffentlichen Grund für Anlässe zur Verfügung stellen, deren einziges Ziel ist, möglichst viel Alkohol zu konsumieren.»

Für Kampagne mit Schockeffekten

Vuilleumier räumt allerdings ein, das Verbot sei nur eine «politisch etwas frustrierende» Teilantwort auf Massenbesäufnisse. Er schlage deshalb seinen Amtskollegen vor, gemeinsam vom Bundesamt für Gesundheit eine nationale Präventionskampagne zu verlangen, die auf die Lage in den Städten ausgerichtet sei. Mit dieser Idee ist der Berner Stadtpräsident Tschäppät «völlig einverstanden». Er warnt allerdings vor Illusionen: «Die Politik allein bekommt dieses Phänomen nicht in den Griff. Hier sind die ganze Gesellschaft, die Familien und die Schule gefordert.»

Der Genfer Maudet, der auch die Eidgenössische Jugendkommission präsidiert, hält eine Anpassung der Kampagne betreffend Jugend und Alkohol für nötig: «Sie sollte wie in Frankreich mit Schockeffekten arbeiten und auf Jugendliche ausgerichtet sein, die nicht häufig, aber dafür viel zu viel Alkohol aufs Mal trinken.»

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