Ein Verband, zwei Präsidenten

Der Machtkampf um das ACS-Präsidium ist um ein Kapitel reicher. Ein Teil der Sektionen hat einen neuen Präsidenten gewählt. Doch der alte hält das für ungültig.

Zwei Präsidenten, ein Posten: Christian Wasserfallen (neu) und Mathias Ammann (alt) streiten sich um die ACS-Spitze.

Zwei Präsidenten, ein Posten: Christian Wasserfallen (neu) und Mathias Ammann (alt) streiten sich um die ACS-Spitze. Bild: Keystone

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Nun hat der Automobil-Club der Schweiz (ACS) zwei Präsidenten. Den neuen: FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen, der gestern an der ACS-Delegiertenversammlung (DV) in Yverdon-les-Bains gewählt wurde, bei der 13 der insgesamt 19 Sektionen anwesend waren. Und den alten: Mathias Ammann, ACS-Zentralpräsident seit 2013. Wasserfallen und Ammann beharren darauf, jeweils der aktuelle Präsident des ACS zu sein.

Ammann hält die Wahl von Wasserfallen für ungültig. Die Delegiertenversammlung finde erst am 16. September statt, weil sie seiner Ansicht nach rechtmässig verschoben wurde. Die Versammlung gestern sei keine Delegiertenversammlung gewesen, und somit könne kein neuer Präsident gewählt worden sein. Komplett anders sieht das der ohne Gegenstimme gewählte Präsident Wasserfallen. Ammann sei mit seiner Argumentation «komplett auf dem Holzweg», sagt er. Zur DV sei ordnungsgemäss eingeladen worden. Gegen die Verschiebung habe eine Sektion Rekurs eingelegt, der an der DV behandelt und gutgeheissen worden sei.

Dreh- und Angelpunkt der Diskussion ist demnach die Verschiebung der Delegiertenversammlung und ob diese konform war. Vereinsrechtsspezialist Urs Scherrer rät Christian Wasserfällen, den Sieges-Champagner zwischenzeitlich noch im Kühlschrank zu lassen: «Die Situation ist juristisch eher verworren als eindeutig.» Klarheit könnten nur Gerichte schaffen, da diverse Beschlüsse angefochten oder für nichtig erklärt werden könnten. Bis die Rechtslage geklärt sei, könnten Monate verstreichen. Würde sich herausstellen, dass der Verschiebungsentscheid konform war, könnte die Wahl Wasserfallens für ungültig oder sogar für nichtig erklärt werden, so Scherrer. Das hätte allenfalls zur Folge, dass die bis dann vorgenommenen Handlungen Wasserfallens ebenfalls auf «wackligen Beinen stünden», sagt Scherrer.

Ammann will Hand bieten

Ob es zu einem Rechtsstreit kommt, ist noch unklar. Beide Präsidenten sagen, sie hofften, dass es nicht notwendig sei. Ammann sagt, er werde das Gespräch mit den zuständigen Personen suchen und für «einvernehmliche Lösungen Hand bieten». Nun gelte es, abseits der Öffentlichkeit Auswege aus der Krise zu finden – und das möglichst rasch.

Der Konflikt im 110’000 Mitglieder zählenden ACS dauert nun schon eine Weile an. Anfang Mai legten 14 Regionalsektionen des ACS dem Zentralpräsidenten Mathias Ammann den Rücktritt nahe, der wenige Wochen später einwilligte, aber Anfang Juni den Rücktritt widerrief. Er sei Opfer einer Intrige geworden, so Ammanns Begründung. Er warf ACS-Generaldirektor Stefan Holenstein Mobbing und Treuepflichtverletzung vor und stellte ihn frei. Holenstein bestritt die Vorwürfe und konterte. Er hat Strafanzeige wegen Ehrverletzung gegen Ammann eingereicht. Die Sektion Zürich und der Sektionspräsident Graubünden werfen Ammann zudem Urkundenfälschung und ungetreue Geschäftsbesorgung vor. Auch Ammann bestreitet die Vorwürfe vehement. Für Holenstein und Ammann gilt die Unschuldsvermutung.

Für Christoph Gitz, Partner der Beratergruppe für Verbands-Management (BVM), ist klar, der Machtkampf müsse schleunigst beendet und Klarheit in der Präsidentenfrage geschafft werden. Das Image des ACS leide unter den Turbulenzen. «Um den Schaden zu begrenzen, muss der ACS seinen wichtigsten Geschäftspartnern und Mitgliedern zeigen, dass reagiert wird und nicht einfach zum Tagesgeschäft übergegangen wird», sagt Gitz. Eine Untersuchung der Vorfälle durch eine unabhängige Stelle, wie sie Wasserfallen angekündigt hat, begrüsst er. Darüber hinaus müssen intern aber Lehren gezogen werden. Gelinge das und die negativen Schlagzeilen hörten auf, dann könne sich der ACS ohne Langzeitschäden aus der Affäre ziehen.

Erstellt: 23.06.2016, 21:41 Uhr

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