Ein vernünftiger Vorschlag

Die Politik hätte es in der Hand, über den Preis den Verkehr über die Alpen zu steuern.

Die Tunnelgebühr am Grossen Sankt Bernhard spült pro Jahr rund 20 Millionen Franken in die Kasse der Betreiber. Foto: TA

Die Tunnelgebühr am Grossen Sankt Bernhard spült pro Jahr rund 20 Millionen Franken in die Kasse der Betreiber. Foto: TA

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Vergangenen Sonntag hat das Schweizervolk der Baulobby ein gewaltiges Geschenk gemacht. Drei Milliarden Franken, wenn es denn reicht, zum Bohren eines weiteren Lochs durch den Gotthard. Das saniert die Tunnelbauer über Jahre. 2030, so die Planung, stehen den Auto- und Lastwagenfahrern bei der Reise ins Tessin zwei Röhren mit vier Spuren zur Verfügung. Zwei ­davon als Fahrbahnen, zwei als Pannenstreifen. Dies neben dem alten Bahntunnel und der bis dann voll etablierten Neat. Wenn es an Ostern 2031 zum 20-Kilometer-Stau vor dem Strassentunnel kommt, wird der Tabubruch folgen, und sämtliche Spuren werden freigegeben.

Davon geht jedenfalls die Bevölkerung aus, wie die Wahlumfrage des «Tages-Anzeigers» eindrücklich zeigte. Das ist wahrscheinlich auch vernünftig, denn wo in der Welt werden teuer gebaute Tunnel abgesperrt? Wohl kaum in der Schweiz, wo man sich zu Recht rühmt, dass selbst der Staat seine Mittel effizient einsetzt. Nimmt man nun diese Voraussetzungen als gegeben an und geht man auch noch davon aus, dass der Alpenschutzartikel bis dann noch immer in der Verfassung steht, so ist die Idee einer Alpenmaut ­bestechend. Die Politik hätte es in der Hand, über den Preis den Verkehr über die Alpen zu steuern.

Mit einer relativ hohen Gebühr für Lastwagen und den Ferienverkehr und einem intelligent gestalteten Rabattsystem, von dem vor allem die Tessiner profitieren könnten, würde der Alpenverkehr in genau die Bahnen gelenkt, die in der Politik von links bis rechts eigentlich unbestritten sind: Für die Massengüter und den Wochenendausflug ins Tessin die Bahn, für verderbliche und eilige Produkte sowie die lokale Bevölkerung wenn nötig auch das Auto. Und all die, die wider die ökonomische Vernunft trotzdem die Strasse wählen, würden wenigstens einen Beitrag zur Finanzierung des Strassenbaus und des Unterhalts leisten. Wenn es nun noch die Politik schafft, diesen Schritt zu wagen, dann könnten schliesslich nicht nur die Tunnelbauer profitieren. Sondern es könnten so gleichzeitig die Nationalstrassen über dringend nötige neue Einnahmen saniert werden.

Erstellt: 03.03.2016, 23:06 Uhr

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