Ein Wilder will die SVP abservieren

In Nidwalden schien die Wiederwahl von Nationalrat Peter Keller klar. Doch nun kandidiert Alois Bissig (CVP) – gegen den Willen seiner Partei.

Doch kein Selbstläufer: SVP-Nationalrat Peter Keller erhält Konkurrenz. Fotos: Keystone

Doch kein Selbstläufer: SVP-Nationalrat Peter Keller erhält Konkurrenz. Fotos: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Lage ist ernst bei der CVP: Laut Umfragen droht sie bei den Wahlen vom 20. Oktober von den Grünen überholt zu werden und unter die Marke von 10 Prozent Wähleranteil zu fallen. In einer solchen Situation zählt jeder einzelne Parlamentssitz, der in den Kantonen gehalten oder gewonnen werden kann.

Unbekümmert davon zeigt sich die CVP Nidwalden. Die Partei ist im Kanton eine Macht: Sie stellt drei von sieben Regierungsräten und 16 Mitglieder im 60-köpfigen Landrat – nur eines weniger als die FDP, die stärkste Fraktion. Trotzdem ist die CVP Nidwalden nicht im Bundesparlament vertreten: 2015 verlor sie ihren Ständeratssitz, den sie seit 1848 gehalten hatte, an FDP-Mann Hans Wicki. Und den einzigen Nationalratssitz hält seit 2011 Peter Keller, Programmchef der SVP Schweiz und Journalist der «Weltwoche».

«Wir haben keine Kandidaten gefunden»

Bereits 2015 wurde Keller sozusagen im Schlafwagen wiedergewählt: Keine andere Partei stellte einen Gegenkandidaten auf, bis im letzten Moment WOZ-Journalist Andreas Fagetti kandidierte. Der Zürcher blieb chancenlos.

Seit 2011 für die SVP im Nationalrat: Peter Keller.

Im Kanton wurde in der Folge erwartet, dass Keller dieses Jahr herausgefordert wird. Doch die FDP verzichtete, da ihr – unterdessen in stiller Wahl gewählte – Mann Hans Wicki bereits den Ständeratssitz besetzt. Und zur allgemeinen Überraschung nahm sich wie bereits 2015 auch die CVP aus dem Rennen.

«Wir haben geeignete Kandidaten gesucht, aber keine gefunden», sagt Parteipräsidentin Therese Rotzer. Offenbar wagt es niemand, Keller herauszufordern – auch Rotzer nicht, die 2015 als Ständeratskandidatin gegen Wicki unterlegen war. Lieber wird in der CVP darauf spekuliert, dass Keller bei den nächsten Wahlen nicht mehr antritt. Rotzer selbst sagt, sie hege keine Ambitionen mehr.

Die CVP soll nicht zur Steigbügelhalterin der SVP werden, sagt Alois Bissig.

Ein CVP-Exponent wollte das nicht hinnehmen. Man dürfe nicht zur «Stand-by-Partei» werden, liess Ex-Regierungsrat Alois Bissig verlauten und empfahl sich seiner Ortspartei Ennetbürgen als Nationalratskandidat. Doch diese erteilte ihm im Mai eine Abfuhr. Nun steigt Bissig als wilder Kandidat ins Rennen.

«Ich möchte nicht, dass die CVP durch den Verzicht auf eine Kandidatur zur Steigbügelhalterin der SVP wird», sagt Bissig. Ihm gehe es darum, dass nicht auch noch der Nationalratssitz in stiller Wahl vergeben werde. «Zudem ist es mein Ziel, die politische Mitte zu stärken», sagt Bissig.

Der frühere Untersuchungsrichter kann auf Unterstützung von FDP- und Grünen-Vertretern zählen. In beiden Parteien wird aktiv für Bissig geworben; für viele ist er schlicht das kleinere Übel als der umgängliche SVP-Hardliner Keller. Die CVP hingegen unterstützt Bissig nicht, stellt es ihren Mitgliedern aber frei, ihn zu wählen.

Taktisch ungeschickt

Dass die eigene Partei nicht zu Bissig steht, hat mehrere Gründe. Einerseits ist zu hören, Bissig sei mit seinen 63 Jahren zu alt für das Amt, kommuniziere schlecht und habe das falsche Geschlecht.

Anderseits agierte Bissig als Regierungsrat taktisch ungeschickt. So setzte er sich für die Verschiebung eines Jagdbanngebiets ein, damit im Nachbarkanton Obwalden die Titlis-Bahnen ausgebaut werden konnten. Das Nachsehen hatte die Nidwaldner Region Bannalp.

Laut Beobachtern war es indessen vor allem der damalige Baudirektor Hans Wicki, der sich für die Verschiebung zugunsten der Titlis-Bergbahnen eingesetzt hatte. Gegen aussen vertreten musste das Geschäft aber Justizdirektor Bissig. Er bezahlte den politischen Preis – und Wicki wurde kurz darauf Verwaltungsrat der Titlis-Bergbahnen. Heute ist er deren Präsident.

So kam es, dass Bissig bei den Regierungsratswahlen 2014 das schlechteste Resultat aller Bisherigen machte und die CVP ihn nach dem ersten Wahlgang zurückzog. Seither ist das Verhältnis zwischen Bissig und seiner Partei belastet. So sehr, dass die unter Druck stehende CVP davon absieht, die Reihen hinter ihrem früheren Justizdirektor zu schliessen und um den einzigen Nationalratssitz zu kämpfen.

Erstellt: 18.09.2019, 19:10 Uhr

Artikel zum Thema

WOZ gegen «Weltwoche»

Der Journalist Andreas Fagetti tritt bei den Wahlen gegen den Nidwaldner SVP-Nationalrat Peter Keller an. Er verhindert damit eine stille Wahl. Mehr...

Der Mann neben Karin Keller-Sutter

Bei der FDP wagt es doch noch ein Kandidat, gegen die Favoritin aus der Ostschweiz anzutreten: Ständerat Hans Wicki. Er ist Nidwaldner – wie Winkelried. Das passt.  Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Paid Post

Blasenentzündung? Ein schneller Test bringt Klarheit

Sie bemerken Anzeichen einer Blasenentzündung? Ein unkomplizierter Test schafft Klarheit und verhindert eine Antibiotika-Behandlung.

Die Welt in Bildern

Bergungsarbeiten nach Taifun-Katastrophe: Der heftige Wirbelsturm «Hagibis» hinterliess über weite Teile Japans eine Spur der Verwüstung. Die Zahl der Todesopfer ist gemäss eines japanischen Fernsehsenders auf 66 gestiegen. (15. Oktober 2019)
(Bild: Jae C. Hong/AP) Mehr...