Ein winziger Schritt in die richtige Richtung

Unser Essen soll weniger Zucker enthalten. Dabei setzt der Bund allerdings auf Freiwilligkeit.

Unser Essen enthält zu viel Zucker. Ein Angestellter füllt Zucker in einen Sack ab. Foto: Moritz Hager

Unser Essen enthält zu viel Zucker. Ein Angestellter füllt Zucker in einen Sack ab. Foto: Moritz Hager

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Wir essen zu viel Zucker, und gesund ist das für niemanden. Deshalb sind die Massnahmen zur Zuckerreduktion, die Bundesrat Alain Berset vorgestellt hat, ein Schritt in die richtige Richtung. Sie sind allerdings erst ein winziger Schritt auf einem langen Weg, und ob sie wirklich greifen, muss sich erst weisen. Wir liegen in der Schweiz beim Zuckerkonsum mehr als das Doppelte über dem von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Wert, 42 Prozent der Bevölkerung sind übergewichtig und die beschlossenen Reduktionen sehr bescheiden. Um nicht einmal 1 Gramm wird der Zuckeranteil pro 100 Gramm Joghurt sinken und dann im Durchschnitt bei 7,92 Gramm Zucker liegen.

Die Schweiz setzt beim Zucker auf freiwillige Selbstverpflichtungen. Nur die 14 Unternehmen, die bei der «Erklärung von Mailand» dabei sind, müssen bei der Reduktion mitmachen. Halten sie sich nicht an die Vorgaben, werden sie ausgeschlossen. Doch der Kunde erfährt das im Laden nicht. Auf keinem Joghurt steht, ob der jeweilige Produzent mitmacht, ob der Zuckergehalt über- oder unterdurchschnittlich ist. Mit einer klaren farblichen Kennzeichnung wäre den Konsumenten mehr geholfen. Auch ob Selbstverpflichtung besonders erfolgreich ist, konnten Forscher bisher nicht bestätigen. In einer Übersichtsstudie im Juni zeigte das unabhängige Netzwerk Cochrane, dass vor allem gesetzliche Regeln etwas bringen.

Strengere Regeln bräuchten wir auf jeden Fall bei den Produkten für Kinder. Ausgerechnet Kindercerealien haben noch immer einen deutlich höheren Zuckeranteil als Produkte für Erwachsene und bestehen zum Teil bis zu einem Drittel aus Zucker. Dass es so schwierig ist, den Konsumenten weniger süsse Produkte schmackhaft zu machen, hat sehr viel mit Gewohnheit zu tun. Da wäre es naheliegend, dass man wenigstens die heranwachsende Generation nicht schon von Anfang an darauf trimmt, dass Essen nur schmeckt, wenn es richtig süss ist.

Erstellt: 28.08.2019, 18:25 Uhr

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