Eindämmen der Gewalt muss Priorität erhalten

Die Sicherheitslage rund um Fussballspiele ist inakzeptabel.

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Das Problem ist seit Jahren ungelöst: Fast jedes zweite Fussballspiel wurde im vergangenen Jahr von Gewalttaten überschattet, bei jedem sechsten waren sogar Tätlichkeiten oder Körperverletzungen zu beklagen. Auf­sehenerregend sind zwar Spielab­brüche wie Mitte Mai beim Spiel des FC Luzern gegen GC. Laut Polizei­behörden, Fussballliga und Forschern hat sich die Situation innerhalb der Stadien aber insgesamt beruhigt. Das zeigt, dass die Fussballclubs und die Ligen einen Beitrag dazu geleistet haben, die Situation zu entschärfen.

Dafür entstehen zu viele brenzlige Szenen in Bahnhöfen, Sonderzügen und bei Fanmärschen. Das ist umso bedenklicher, als darunter auch Unbeteiligte leiden. Ihr Schutz ist Aufgabe der Polizei und der politisch Verantwortlichen. Dort gibt es noch viel zu tun, was selbst Polizeidirektoren wie der Luzerner Paul Winiker einräumen. Endlich haben sie nun detaillierte Zahlen vorgelegt, die aufzeigen, wo es Verbesserungen braucht.

Die Polizei kann einen Gewalttäter vom Stadion fernhalten, indem sie ihn zwingt, während der Spiele jeweils auf einem Posten vorstellig zu werden.

Nötig sind vorerst aber nicht tief­greifende Massnahmen wie indi­vidualisierte Eintrittstickets. Vielmehr müssen die politisch Verantwortlichen zuerst dafür sorgen, dass Clubs, Polizei und Justiz koordiniert vorgehen und die bestehenden Gesetze kon­sequent anwenden. Als probatesMittel hat sich zum Beispiel erwiesen, Störenfriede für eine Weile aus dem Verkehr zu ziehen. Die Polizei kann einen Gewalttäter vom Stadion fernhalten, indem sie ihn zwingt, während der Spiele jeweils auf einem Posten vorstellig zu werden. Nur zwanzigmal wurde diese Massnahme aber bisher verordnet. Unter anderem, weil das Prozedere aufwendig ist für die Polizei im Wohnkanton eines Hooligans. Diesem Aufwand auszuweichen, ist umso verlockender, wenn die Untaten in einem anderen Kanton stattfinden.

Um solche Hürden zu überwinden und die Fanarbeit in den Griff zu kriegen, müssen die politisch Verantwortlichen ein klares Ziel vorgeben und Ausdauer bei der Knochenarbeit beweisen.

Erstellt: 06.07.2019, 20:45 Uhr

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