Eine absurde Lotterie

Integration erfolgt in erster Linie über Arbeit, entsprechend sollte man Flüchtlingen die Suche danach erleichtern, nicht zusätzlich verkomplizieren.

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Die Verteilung der Asylsuchenden gleicht heute einer Lotterie. Das Ergebnis: Viele Menschen, die französischsprachig sind, landen in der Deutschschweiz. Den Kanton zu wechseln, ist ihnen nicht erlaubt. Sie müssen deshalb erst mühsam Deutsch lernen, bevor sie eine Chance haben, einen Job oder ein Praktikum zu finden.

Diese Situation ist absurd. Integration erfolgt in erster Linie über Arbeit, entsprechend sollte man Flüchtlingen die Suche danach erleichtern, nicht zusätzlich verkomplizieren. Die hohen Sozialhilfequoten zeigen, dass hier Verbesserungspotenzial besteht. Dazu kommt: Mit der Zunahme der Asylgesuche sind die Ausgaben im Asylbereich gestiegen, worüber sich besonders die Kantone lauthals beklagen. Seit längerem fordern sie vom Bund eine höhere Beteiligung an den Kosten. Gerade die Kantone aber würden von einer besseren Platzierung der Asylsuchenden profitieren. Zwar kommen die meisten Asylsuchenden nicht aus französischsprachigen Ländern, sondern aus Eritrea, Afghanistan und Syrien. Dennoch liessen sich mit dieser Massnahme die Kosten zumindest ein wenig senken, und dies mit überschaubarem Aufwand.

Denkbar wäre, die Sprachkompetenzen ­zumindest bei jenen Asylsuchenden zu berücksichtigen, die gute Chancen darauf haben, in der Schweiz zu bleiben.

Den Betroffenen wiederum würde mit dem Abbau der Sprachbarriere der Einstieg in den Schweizer Arbeitsmarkt erleichtert.

Eine Debatte über einen neuen Verteilschlüssel ist deshalb angebracht. Dies bedeutet nicht, dass Sprache bei einer Platzierung das einzige Kriterium sein soll. Die französischsprachigen Kantone warnen vor einer Ghettoisierung, sollten Angehörige aus ­bestimmten Ländern alle in derselben Region landen. Zudem befürchten sie, dass am Ende vor allem jene Asylsuchenden bei ihnen landen, deren Asylgesuch abgelehnt wird, die aber nicht ausgeschafft werden können. Diese Sorgen sind berechtigt. Klar ist auch, dass eine Änderung nicht dazu führen darf, dass die Romandie plötzlich mehr Asylsuchende aufnehmen muss. Denkbar wäre aber, die Sprachkompetenzen ­zumindest bei jenen Asylsuchenden zu berücksichtigen, die gute Chancen darauf haben, in der Schweiz zu bleiben.

Erstellt: 09.04.2017, 19:26 Uhr

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