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Eine Bewegung, die sich selber überflüssig machte

Die rechtskonservative Auns kriselt, weil sie die SVP zu kapern vermochte.

Sie politisierte und spaltete eine ganze Generation. Einst ­führend im Kampf gegen den EWR, galten ihre Mitglieder den einen als letzte wahre Tellensöhne, den anderen als Avantgarde des Rückwärtsgewandten. Doch jetzt, im 33. Jahr nach ihrer Gründung, steckt die Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz (Auns) in der Krise, wie Recherchen zeigen. Dem ­Verband fehlt es an Geld, Personal, Schlagzeilen. Seine Themen sind Marginalien wie das EU-Waffenrecht, seine Mitglieder ergrauen oder sterben dahin. Ob es die Auns in fünf, zehn Jahren noch geben wird, scheint infrage gestellt.

Was ginge der Schweiz verloren? Ohne Häme darf man sagen: nichts. Darin steckt auch die Erklärung für den Niedergang. Bei ihrer Gründung im Juni 1986 durch Christoph Blocher (SVP) und Otto Fischer (FDP) war die Auns als überparteiliche, nationalkonservative Bewegung konzipiert. ­Blochers Dominanz führte zu einer Bindung an die SVP – und zur ­Transformation der Letzteren: Der linksliberale SVP-Flügel aus Graubünden und der behäbig-konservative aus Bern ­verschwanden. Die Positionen von Auns und SVP sind heute ­deckungsgleich. Das mag auch für andere politische Paare ­gelten, SP und Gewerkschaften zum Beispiel. Doch die Gewerkschaften vertreten mit den Arbeitnehmern ihrer Berufsbranchen eine spezifische Klientel. Die Auns spricht weder eine bestimmte gesellschaftliche Gruppe an, noch verfügt sie über politische Alleinstellungsmerkmale. Sie ist faktisch eine Art Aussenpolitische Kommission der SVP. Kommt noch hinzu, dass Blocher mit seiner Schöpfung seit einigen Jahren merkwürdig fremdelt und ihr mit neuen Bewegungen teils sogar Konkurrenz macht.

Die Perspektiven der Auns sind nicht die besten. Aber selbst wenn sie eines Tages verschwindet, hat sich ihr Wirken doch schon als nachhaltig erwiesen. Dass in der Schweiz niemand mehr über einen EU-Beitritt nachzudenken wagt, ist wesentlich ihr Verdienst. Ob ein solches Denkverbot nicht eher ein zweifelhaftes Vermächtnis darstellt, bleibt die Frage. Die Auns, sie könnte auch posthum noch spalten.

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