Einfache Google-Suche enttarnt NDB-Cyber-Chef

In den Medien tritt der Cyber-Chef des Nachrichtendienstes anonym auf – dafür outet er sich auf dem Karriereportal Linkedin. Aufgedeckt hat das ausgerechnet der IZRS.

Bild: 20 Minuten

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Der Mann, der beim Nachrichtendienst des Bundes (NDB) für die Cyber-Abwehr verantwortlich ist, gab dem «Tages-Anzeiger» kürzlich ein Interview – unter der Bedingung vollständiger Anonymität. Darin erklärt er, warum seine Mitarbeiter ihren Arbeitgeber in aller Regel gegenüber Dritten nicht nennen. «Sie könnten ein Ziel für ausländische Nachrichtendienste werden, wenn bekannt wird, für wen sie gearbeitet haben.» Im Falle des anonymen Cyber-Chefs selbst reicht allerdings eine simple Google-Suche mit naheliegenden Stichworten, um seine Identität ausfindig zu machen, wie «20 Minuten» berichtet. Aufgedeckt hat dies ausgerechnet Qaasim Illi, Sprecher des Islamischen Zentralrats der Schweiz, in einem Facebook-Post. Zuvor hatte bereits die «Schweiz am Sonntag» über die Auftritte von NDB-Mitarbeitern in sozialen Netzwerken berichtet.

Tatsächlich tauchen Name und Funktion des NDB-Mannes im Programm einer Tagung über Cyber-Risiken in der Schweiz auf. Veröffentlicht hat das Dokument der Bund selbst. Und auf dem Karriereportal Linkedin erfährt man, wo er studiert hat, seit wann er beim NDB arbeitet oder was seine Hobbys sind (Polo, Philosophie und Filme). Er folgt Gruppen wie «Russian Cybercrime, Hacking and Information Warfare» und selbst ein Foto fehlt nicht.

Nach Angaben des NDB gibt es lediglich eine Empfehlung, den Arbeitgeber gegenüber Dritten nicht zu nennen. «Alle Mitarbeitenden durchlaufen aber Sicherheitsschulungen», sagt Sprecherin Carolina Bohren. Beim Chef Cyber handle es sich nicht «grundsätzlich um eine geheime Funktion des NDB, sondern um einen Bereichsleiter mit Aussenkontakten». Entsprechend könne es «im Einzelfall vorkommen, dass ein manchmal zutreffender Rückschluss auf die Person gemacht wird», sagt Bohren. Zudem seien heute auch direkte und internationale Kontakte für eine erfolgreiche Arbeit des Nachrichtendienst zunehmend wichtig.

Beim «landesweit gestreuten» Interview mit dem «Tages-Anzeiger» habe man auf Anonymität bestanden, um eine «minimale Vertraulichkeit zu gewährleisten». Auf Wunsch des NDB verzichtet auch Tagesanzeiger.ch/Newsnet darauf, den Namen zu nennen.

Übernommen und gekürzt von 20 Minuten».

Erstellt: 02.11.2016, 15:08 Uhr

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