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Eltern kranker Kinder sollen zur Arbeit

Kinderbetreuung in Krankheitsfällen müsse im Voraus geplant werden, findet Arbeitgeber-Direktor Roland Müller – und macht sich damit bei Politikerinnen von links bis rechts unbeliebt.

Nicht während der Arbeitszeit: Eltern am Bett ihrer Kinder. (Symbolbild)
Nicht während der Arbeitszeit: Eltern am Bett ihrer Kinder. (Symbolbild)
Gaetan Bally, Keystone

Die Betreuung von kranken Kindern sollten Eltern im Voraus planen und generell organisieren: Mit dieser Aussage im Blick widerspricht Arbeitgeber-Direktor Roland Müller der bisherigen Haltung seines Verbands. In den letzten Jahren setzte sich der Arbeitgeberverband dafür ein, Frauen besser in der Arbeitswelt zu integrieren. Beruf und Familie sollten kein Widerspruch sein.

Müllers Chef relativiert diese harte Haltung nicht, sondern findet sogar noch deutlichere Worte: Die vom Gesetz vorgesehenen freien Tage seien «nicht zur Betreuung der Kinder gedacht, sondern für das Organisieren der Betreuung», sagt Valentin Vogt, Präsident des Arbeitgeberverbandes, im «Blick». Das könne man schon im Vorfeld tun, indem man für den Fall, dass ein Kind krank würde, Eltern, Grosseltern, Nachbarn oder einfach den Ehepartner mobilisiere. Bei Alleinerziehenden schlägt Vogt Babysitter vor. Die Kosten dafür müsse dann allerdings der Elternteil tragen.

Krankheiten sind nicht planbar

Politikerinnen von links bis rechts finden wenig Gefallen an den Aussagen der Arbeitgeberspitze. «Wenn der Verband im Ernst meint, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert werden soll, dann soll er nicht neue Steine in den Weg legen, sondern alte abbauen», sagt BDP-Fraktionschefin Rosmarie Quadranti im «Blick». «Das hier ist aber ein neuer Stein.»

Auch die Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh widerspricht dem Arbeitgeberverband: «Aus persönlicher Erfahrung als Mutter weiss ich, dass es nicht möglich ist, die Krankheit der Kinder zu planen.» Kranke Kinder bräuchten Pflege und Fürsorge, damit sie rasch wieder gesund würden. Kein Elternteil wolle schliesslich sein krankes Kind alleine zu Hause lassen. «Deshalb ist seitens der Arbeitgeber Flexibilität gefordert», betont die FDP-Politikerin gegenüber dem «Blick».

«Drei freie Tage ohne schlechtes Gewissen»

«Im Mittelpunkt muss in jedem Fall das Wohl des kranken Kindes stehen, nicht jenes des Arbeitgebers», sagt SP-Nationalrätin und Kinderschutz-Schweiz-Präsidentin Yvonne Feri im «Blick.» Deshalb dürften Eltern die vom Gesetz vorgesehenen drei freien Tage ohne schlechtes Gewissen nutzen, wenn es die Situation verlange. «Wenn es länger geht, liegt es aber in der Verantwortung der Eltern, eine gute Betreuungslösung zu finden.»

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