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«Eltern machen einen Denkfehler»

Perfekte Selfies, Nacktbilder, Star-Kult: Jugendliche geraten durch neue Medien stark unter Druck, entwickeln Essstörungen und Depressionen. Pro Juventute lanciert dagegen nun eine neue Kampagne. Ein Experte sagt, warum viele Eltern die Lage falsch einschätzen.

Herr Sédano, Sie leben selber mit zwei Kindern in einem Haushalt. Mussten Sie mit ihnen schon mal über Selfies und Partyfotos diskutieren? Nein, dafür sind sie noch zu klein, sie sind erst drei und sieben Jahre alt. Seit meine siebenjährige Stieftochter zur Schule geht, führen wir aber schon neue Diskussionen: welche Gadgets und Kleider sie braucht, um mithalten zu können, wen sie toll findet, zu welcher Gruppe sie dazugehören will ... Das ist die Vorstufe von den Prozessen, die wir mit der Pro-Juventute-Kampagne ansprechen.

Die Kampagne heisst «Echtes Leben» und zeigt verunsicherte Jugendliche, die sich hinter einer nach aussen gezeigten, schillernden Scheinidentität verstecken. Warum dieses Sujet? Es geht eben genau nicht um eine Scheinidentität. Das ist ein Denkfehler, den viele Eltern machen: Sie glauben, soziale Medien wie Facebook und Instagram seien Parallelwelten, die mit der Realität nichts zu tun haben. Immer wieder sagen Eltern zu mir: «Nein, am Tisch sprechen wir nicht über Facebook, sondern über die richtige Welt.» Für den Jugendlichen aber ist Facebook genauso real wie der Alltag in der Schule oder in der Familie. Es gehört zu seinem Leben dazu, und das ist auch okay. Vielen fehlt aber das nötige Selbstbewusstsein, um einordnen zu können, was in der digitalen Realität passiert.

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