Erdogans Chefideologe von Luzerner Pfarrei ausgeladen

Antisemit und Islamist Abdurrahman Dilipak sieht in Erdogan den neuen Kalifen. Seinen Auftritt in Ebikon haben Recherchen dieser Zeitung verhindert.

«Ich bin gegen Erziehung, Sport, Kultur und Aufklärung»: Abdurrahman Dilipak hätte in Ebikon LU auftreten sollen. Foto: Stefano Schröter

«Ich bin gegen Erziehung, Sport, Kultur und Aufklärung»: Abdurrahman Dilipak hätte in Ebikon LU auftreten sollen. Foto: Stefano Schröter

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Liberale Türken in der Schweiz schüttelten nur den Kopf über den geplanten Auftritt von Abdurrahman Dilipak: Die türkische Eyüp-Moschee in Reussbühl LU hatte den bekannten Islamisten, Kolumnisten und Vordenker Erdogans für Samstag ins katholische Pfarreizentrum St.Maria in Ebikon LU eingeladen.

Die Pfarrei sagt auf Anfrage, ein Muslim aus der Region habe das Pfarreizentrum für einen Wohltätigkeitsbasar und ein Geburtstagsfest angemietet. Von einem Auftritt Dilipaks sei nie die Rede gewesen. Von dieser Zeitung darauf aufmerksam gemacht, habe sie nun den Auftritt des ­Islamisten untersagt, so Kirchenratspräsident Urs Kaufmann.

Volksverhetzende Artikel

Gemäss dem Präsidenten der einladenden Eyüp-Moschee, Abdülgadir Yildiz, sei man aus Platzgründen in die Pfarrei ausgewichen. Zunächst sagte Yildiz, der Kolumnist sei politisch neutral. Nach der Absage seitens der Pfarrei nun versichert der Moscheepräsident, man werde den Anlass mit Dilipak annullieren.

Dilipak und seine Frau seien für vier Tage in die Schweiz eingeladen worden – und zwar von Mustafa Öztürk, dem Präsidenten der Föderation Islamischer Vereine Schweiz, zu der die Reussbühler Moschee gehört. Wird Dilipak nun dennoch in die Schweiz einreisen? Öztürk war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Das Bundesamt für Polizei (Fedpol) will sich zu Dilipak und seiner Schweiz-Reise nicht äussern. Einreiseverbote richteten sich immer gegen Einzelper­sonen, erklärt Fedpol-Sprecher ­Florian Näf. Aus datenschutzrechtlichen Gründen kommentiere man keine Einzelfälle.

Mehr Islamist als Nationalist

Abdurrahman Dilipak ist der Chefkolumnist der islamisch-fundamentalistischen türkischen Tageszeitung «Yeni Akit», welche die Hassrede kultiviert und seit 2005 in Deutschland wegen volksverhetzender Artikel verboten ist. Gerade hat Dilipak in «Yeni Akit» mit Genugtuung festgestellt, dass die Anschläge auf Moscheen in Neuseeland der AKP bei den Kommunalwahlen vom März in die Hände gespielt hätten.

Der 70-jährige Abdurrahman Dilipak. Foto: PD

Kurz zuvor warnte er Trump, sollte dieser nichts tun, um die Spannungen mit Ankara abzubauen, bestehe die Möglichkeit eines zweiten «11.September». Zum Weltfrauentag am 8.März erinnerte Dilipak an die Demonstrationen von Frauenrechtlerinnen in Istanbul von 2016. Daraus sei eine «Manifestation von Schwulen, Lesben und Nutten» geworden, die sich dafür einsetzten, dass es keine Geschlechter mehr gebe. Die von ihnen gemeinte Freiheit führe direkt «in die Sklaverei Satans».

Dilipaks grösster Feind ist der Westen: «Ich bin gegen Erziehung, Sport, Kultur und Aufklärung», meinte er kürzlich. Erziehung, Sport und Kultur seien Produkte der Aufklärungsphilosophie, die den Westen seit 1789 dominiere: «Aufklärung ist der Name für die Operation, die westliche Politik, Wirtschaft, Technologie und Geschichte heiligt und universalisiert.»

Mehr Islamist als Nationalist, nutzt der Kolumnist die Religion für seine politische Ideologie. Als einer der Ersten forderte er, in der Türkei das Kalifat wiederherzustellen. 2015 schrieb er: Mit der Installierung seines Präsidialsystems verdiene Erdogan den Titel des Kalifen. Er solle zum Führer der Sunniten weltweit werden.

Dezidiert antichristlich

Der Islam ist für den Erdogan-Einflüsterer die einzig wahre ­Religion. Er ist dezidiert anti­semitisch und antichristlich. So schreibt er in einem Artikel, dass Jesus Christus in Wirklichkeit ein Muslim sei, von der jüdischen Tradition her kommend. Der Name der Religion, die Christus offenbart wurde, sei der Islam. Neulich höhnte er, der Vatikan beschäftige in seinem Nachrichtendienst Dämonen. Dennoch wollte Dilipak in der katholischen Pfarrei Ebikon eine Rede halten.

Die Luzerner Eyüp-Moschee ist der im Jahr 1978 gegründeten Föderation Islamischer Vereine Schweiz angeschlossen. Zu diesem ältesten hiesigen türkisch-islamischen Dachverband gehören auch die ultrakonservative Moschee in Schattdorf UR, die Kasernen-Moschee in Basel und die Calanda-Moschee in Zürich. Letztere wirbt auf ihrer Website dafür, dass sich schon Siebenjährige verschleiern sollen, weil bereits Mädchen zwischen sieben und zehn sexuell attraktiv sein könnten.

Erstellt: 09.04.2019, 07:32 Uhr

Es gibt keine Bewilligungspflicht

Es war der geplante Auftritt des türkischen Aussenministers vor zwei Jahren in Zürich, der die Diskussion über eine Bewilligungspflicht für ausländische Redner neu anheizte. CVP-Nationalrat Daniel Fässler forderte mit einer Motion eine solche Bewilligungspflicht. Während der Nationalrat seinem Ansinnen Folge leistete, verwarf der Ständerat den Vorstoss in der diesjährigen Frühlingssession deutlich: mit 27 zu 13 Stimmen. Es setzte sich die Argumentation durch, dass es sich um einen unzulässigen Eingriff in die Meinungsfreiheit handle. Zudem könnte damit nur die ­analoge Welt kontrolliert werden. Reden könnten auch via Internet überallhin gestreamt werden. Mit der Ablehnung durch die kleine Kammer wird diese Idee vorderhand nicht mehr weiterverfolgt.

Damit bleiben den Behörden nur zwei Möglichkeiten, unliebsame Auftritte von ausländischen Rednern in der Schweiz zu unterbinden. Der Bund kann ein Einreiseverbot oder ein Tätigkeitsverbot verhängen, wenn die innere oder äussere Sicherheit gefährdet ist. Die Hürden für eine solche Anordnung sind jedoch sehr hoch. Anderseits können die Kantone eingreifen. So geschehen im März 2017, als der türkische Politiker Hursit Yildirim in Spreitenbach auftreten wollte. Die Kantonspolizei verbot den Auftritt wegen «erheblicher Sicherheitsrisiken». (gr)

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