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Erfolgreich und gesund – Privatradios in der Schweiz

Das Bundesamt für Kommunikation hat die Situation von 31 Privatradios sowie 13 Regionalfernsehsendern untersucht. Das Resultat: Das Gros der Radios steht finanziell gesund da. Schwieriger haben es die TV-Sender.

Kann sich dank des neuen Radio- und Fernsehgesetzes besser behaupten: Radiostudio in Basel.
Kann sich dank des neuen Radio- und Fernsehgesetzes besser behaupten: Radiostudio in Basel.
Keystone

Privatradios und Regionalfernsehen stehen finanziell deutlich besser da, seit sie mehr Gebührengelder erhalten. Für das Regionalfernsehen ist die wirtschaftliche Situation aber noch immer schwierig. Dies zeigt eine neue Studie. Seit 2007 erhalten private Radio- und Fernsehveranstalter mehr Gelder aus dem Gebührentopf. Die Radio- und Fernsehlandschaft wurde zudem neu eingeteilt. Der Bund und die Verbände der privaten elektronischen Medien wollten wissen, welche Auswirkungen dies auf die wirtschaftliche Situation der Veranstalter hatte.

Damit sie in künftigen Diskussionen über Gebühren und Konzessionen von denselben Zahlen ausgehen können, haben sie gemeinsam bei Publicom eine Studie in Auftrag gegeben. Fazit der Untersuchung: Die meisten Veranstalter können sich mit dem neuen Gesetz besser behaupten als früher.

Auch unabhängige Radios erfolgreich

Untersucht wurde die Situation von 31 Privatradios mit und ohne Gebührenanteil sowie 13 Regionalfernsehsendern. Gemäss der Studie steht die Mehrheit der Privatradios finanziell auf gesunden Beinen. Die durchschnittliche Eigenkapitalquote liegt bei 42 Prozent. Vor allem die finanzielle Situation der Gebührenradios hat sich stark verbessert.

Allerdings ist die Rentabilität bei der Mehrheit ungenügend. Ende 2010 waren sechs Veranstalter unterfinanziert, drei sogar überschuldet. Diese erwirtschaften zu wenig Eigenmittel, um anstehende Ersatzinvestitionen zu finanzieren, Kredite zu amortisieren und den Aktionären eine Rendite zu bezahlen.

Im Schnitt erwirtschafteten die Privatradios 2010 einen Cashflow von 8 Prozent, knapp unter der Rentabilitätsschwelle. Es gebe jedoch grosse Unterschiede, heisst es in der Studie. Ein Muster, das die Unterschiede erklären würde, sei nicht zu erkennen. Nicht einmal die Einbindung in einen Medienverbund könne zur Erklärung herangezogen werden, denn es gebe auch unabhängige Radios, die sehr erfolgreich operierten.

Regionalfernsehen stark von Gebühren abhängig

Weniger rosig präsentiert sich die wirtschaftliche Lage des konzessionierten Regionalfernsehens. Die starke Erhöhung der Gebührenbeiträge habe das Regionalfernsehen zwar «vor dem sicheren Tod gerettet», heisst es in der Studie. Die wirtschaftliche Gesamtsituation sei aber nach wie vor schwierig.

Die Hälfte der Regionalfernsehstationen war 2010 unterfinanziert, und die Rentabilität der meisten Stationen war mit einem durchschnittlichen Cashflow von 4 Prozent ungenügend. Nur zwei Stationen erreichten gemäss der Studie eine genügende Rentabilität.

Die Bedeutung des Regionalfernsehens im Werbemarkt sei sehr gering, sagte der Verfasser der Studie, René Grossenbacher, vor den Medien in Bern. Entsprechend stärker seien die Veranstalter auf Gebühren angewiesen. «Ohne Gebühren könnte kein Veranstalter überleben.» Die Gebühren machen beim Regionalfernsehen zwei Fünftel der Einnahmen aus, bei den Radios mit Gebührenanteil ist es knapp ein Drittel.

Leistung wichtiger als anderes

Ob Private erfolgreich sind, hängt gemäss der Studie wesentlich von der unternehmerischen Leistung ab, zu welcher vor allem beim Radio auch die Programmqualität gehört. Radioveranstalter, die ihre Hörer ans Programm zu binden vermögen, sind auch im Werbemarkt erfolgreich - und zwar unabhängig vom Konzessionsgebiet. Ein Konzessionsgebiet mit grossen Hörerreichweiten reiche keineswegs für Erfolg im Werbemarkt, heisst es in der Studie.

Unter die Lupe genommen haben die Autoren auch die Löhne. Die Lohnunterschiede zur übrigen Medienbranche und zur SRG haben sich in den letzten Jahren verringert, doch bleibt die Abwanderung ein Problem.

Mit Schlussfolgerungen aus der Studie sind die Verbände der Privatradios und -fernsehen zurückhaltend: Zunächst müssten die Resultate nun analysiert werden, hiess es an der Medienkonferenz.

SDA/kpn

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