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Ernsthaft: Wir müssen darüber reden!

Die Gegner der Gleichstellung verweigern eine vernünftige Debatte. Das ist zum Nachteil der Frauen – und der Schweiz.

Als die Zuwanderungsinitiative der SVP angenommen wurde, sprachen viele auch von einer Chance: Die Schweiz müsse ihre eigenen Fachkräfte fördern. Besonders die Frauen betrachtet man als «inländisches Fachkräftepotenzial», das es auszuschöpfen gilt. Gemäss Schweizer Arbeitskräfteerhebung haben rund 50'000 Hausfrauen studiert. Die Industrie- und Handelskammer St. Gallen-Appenzell hat berechnet, dass 5,75 Milliarden Franken in die Ausbildung von Frauen investiert wurden, die nicht erwerbstätig sind. Ob die Frauen die viel beklagte Fachkräftelücke füllen können, hängt allerdings nicht nur von ihnen ab. Oft ist es für Mütter schlicht zu wenig attraktiv, sich die Doppelbelastung von Familienarbeit und Erwerbsarbeit zuzumuten. Die Mängelliste ist lang: zu wenige und zu teure Krippenplätze, zu wenige und zu schlecht bezahlte Teilzeitstellen für die überqualifizierten Frauen oder negative Anreize des Steuer- und Sozialsystems.

Das sind alles Probleme, die die Politik zumindest abschwächen könnte. Dass selbst milde ausgestaltete Gesetzesprojekte wie die Lohnanalyse oder ein Frauen-Richtwert für das oberste Kader von börsenkotierten Unternehmen auf derart starke Widerstände stossen, ist unverständlich. Kein Unternehmen, das den Frauen-Richtwert nicht erfüllt oder das Lohndiskriminierung feststellt, müsste ernsthafte Konsequenzen befürchten. Das wichtigste Ziel allerdings würden beide Massnahmen erreichen: Es muss über die Gleichstellung diskutiert werden. Die Gegner der Vorlagen, die mit ihrer Furcht vor Bürokratie argumentieren, verweigern eine vernünftige Gleichstellungsdebatte. Das ist – gerade angesichts des ungeklärten Verhältnisses der Schweiz zu Europa – kurzsichtig. Denn die Schweiz braucht nicht nur gerechte Löhne. Sie braucht vor allem kreative Ideen, um den Fachkräftemangel zu beheben.

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