Erst nachdenken, dann die Pille schlucken

In letzter Zeit ist bei vielen das Bewusstsein gewachsen, dass sie kein harmloses Lifestyle-Produkt ist. Gut so.

Die Reaktion auf die Pille ist sehr individuell. Foto: Michael Weber

Die Reaktion auf die Pille ist sehr individuell. Foto: Michael Weber

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Jahrzehntelang ein Medikament schlucken – vielen Frauen graut bei dieser Vorstellung. Und doch haben unzählige gesunde Frauen genau das über Jahrzehnte getan. Ohne viel darüber nachzudenken. Lange Zeit galt die Pille vor allem als Garant sexueller Freiheit. In letzter Zeit jedoch ist bei vielen das Bewusstsein gewachsen, dass sie kein harmloses Lifestyle-Produkt ist.

Und das ist gut so. Denn die Pille ist ein Medikament, das wie fast jede Substanz Nebenwirkungen hat. Sie greift in den Hormonhaushalt der Frauen ein und verändert ihn. So verhindert sie den Eisprung oder stört den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut.

Es ist gerade auch bei Jugendlichen wichtig, nicht automatisch zur Pille zu greifen, sondern an Alternativen zu denken.

Ab nächstem Jahr soll der Beipackzettel nun auch warnen, dass die Pille das Risiko für Depressionen und Suizidgedanken erhöhen kann. Schon länger weiss man, dass die Pille möglicherweise Depressionen begünstigt. Erstaunlich ist das nicht. Jede Frau, die sich in den Tagen vor oder während der Mens schon schlecht gefühlt hat, weiss, dass die weiblichen Hormone und die Psyche eng miteinander verzahnt sind. So steigt beispielsweise auch während der Wechseljahre, wenn der Hormonhaushalt der Frauen sich verändert, das Risiko, an einer Depression zu erkranken.

Besonders sehr junge Frauen zeigten sich in der dänischen Studie anfällig für die seelischen Zustände. Weil sich das Gehirn in der Jugend grundsätzlich neu organisiert, reagiert es auf die meisten Substanzen sensibler. Doch es sind gerade die jungen Frauen, die die Pille am häufigsten schlucken. Das macht zwar Sinn, weil die Pille noch immer das zuverlässigste Verhütungsmittel ist und Schwangerschaften im Teenageralter selten in die Lebensplanung passen.

Trotzdem ist es gerade auch bei Jugendlichen wichtig, nicht automatisch zur Pille zu greifen, sondern an Alternativen zu denken. Kondome sollten als Schutz vor HIV und Geschlechtskrankheiten sowieso selbstverständlich sein, und auch Apps und Gadgets versprechen heute, die fruchtbaren Tage zuverlässiger vorauszusagen. Weil jeder Mensch seinen eigenen biochemischen Cocktail hat, ist die Reaktion auf die Pille allerdings sehr individuell. Wer sie gut verträgt, der sollte sich zumindest wegen der Nebenwirkungen auf die Psyche nicht sorgen.

Erstellt: 20.11.2018, 22:03 Uhr

Artikel zum Thema

Antibabypille erhöht Suizidgefahr

Hersteller müssen künftig darauf hinweisen, dass die Pille zu Depressionen führen kann. Sie reagieren damit auf eine neue Studie. Mehr...

Antibabypille erhöht Brustkrebsrisiko leicht

Eine Untersuchung kommt zum Ergebnis, dass mit der Pille das Risiko für Brustkrebs marginal steigt. Ärzte warnen jedoch davor, sie leichtfertig abzusetzen. Mehr...

Frauen ab 30 wenden sich von der Pille ab

Während Frauen immer weniger auf die Antibabypille setzen, ist die Nachfrage bei jungen Frauen und Mädchen gestiegen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Paid Post

Mehr Freizeit dank iRobot

Diese intelligenten Alleskönner übernehmen das Reinigen für Sie: gründlich, zuverlässig und vollautomatisch.

Die Welt in Bildern

Klimawand: Andres Petreselli bemalt in San Francisco eine Hausfassade mit einem Porträt von Greta Thunberg. (8. November 2019)
(Bild: Ben Margot) Mehr...