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Erste Corona-Fälle in Leibstadt und Gösgen

Die Atomkraftwerke laufen weiter, solange sie genügend sicherheitsrelevantes Personal haben. Wo die Grenze liegt, ist geheim.

Das Kraftwerk in Gösgen habe alle nötigen Vorsichtsmassnahmen getroffen, um eine weitere Infektion zu verhindern, sagt eine Sprecherin. Foto: Urs Jaudas
Das Kraftwerk in Gösgen habe alle nötigen Vorsichtsmassnahmen getroffen, um eine weitere Infektion zu verhindern, sagt eine Sprecherin. Foto: Urs Jaudas

Sie haben versucht, Ansteckungen «mit allen Mitteln» zu verhindern. Vergeblich. Auf Anfrage geben die Betreiber des Atomkraftwerks Leibstadt zwei Corona-Fälle bekannt. Sie hätten umgehend «vorbeugende Massnahmen getroffen, um die potenzielle Ansteckungskette zu unterbrechen», sagt Sprecher Thomas Gerlach. Worin diese bestehen, führt er nicht aus. Leibstadt ist weiterhin im Normalbetrieb und verfügt über genügend Mitarbeiter vor Ort, wie Gerlach sagt. Ein Teil der Belegschaft macht, sofern möglich, Telearbeit.

«Stünde nicht genügend Personal für den sicheren Betrieb zur Verfügung, würden wir Beznau selbstverständlich abschalten.»

Antonio Sommavilla, Sprecher Axpo

Auch im AKW Gösgen ist ein Mitarbeiter erkrankt. Er befindet sich in ärztlicher Behandlung. Das Kraftwerk habe alle nötigen Vorsichtsmassnahmen getroffen, um eine weitere Infektion zu verhindern, sagt Sprecherin Barbara Kreyenbühl – auch sie, ohne die Massnahmen zu konkretisieren. Alle Mitarbeiter seien informiert. Gösgen läuft ebenfalls im Normalbetrieb. Beide Betreiber versichern, alle gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen.

Noch keinen Fall verzeichnet die Axpo in ihren AKW Beznau 1 und 2. Der Stromkonzern erfasst mit einem Monitoring konzernweit die krankheitsbedingten Abwesenheiten und die Betriebsfähigkeit der einzelnen Bereiche. «Auf diese Weise lässt sich frühzeitig Gegensteuer geben, falls nötig», sagt Sprecher Antonio Sommavilla. Ein personeller Engpass zeichne sich nicht ab. Sommavilla versichert aber: «Stünde nicht genügend Personal für den sicheren Betrieb zur Verfügung, würden wir Beznau selbstverständlich abschalten.» So tönt es auch bei den anderen Betreibern.

Atomanlage schliesst

Bereits weiter ist man in Grossbritannien. Die Betreiber von Sellafield haben letzte Woche angekündigt, die Wiederaufbereitungsanlage an der Irischen See zu schliessen. Zuvor hatten sie bekannt gegeben, dass ein Mitarbeiter positiv auf Covid-19 getestet worden war und sich ein zweiter mit Verdacht in Quarantäne begeben hatte. In der Folge stieg die Zahl jener, die sich selber isolierten, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, schnell auf 1000. Sie gehören entweder einer Risikogruppe an, zeigen Symptome einer Erkrankung oder leben mit Menschen zusammen, die Anzeichen der Krankheit zeigen.

Für die Schweizer AKW-Betreiber ist es dagegen derzeit kein Thema, ihre Anlagen vorübergehend runterzufahren, um eine weitere Ausbreitung des Viruszu verhindern. Sie argumentieren mit der Bedeutung, welche die Stromversorgung habe, gerade auch im Krisenfall, speziell auch für das derzeit stark belastete Gesundheitswesen. Tatsache ist aber auch: Ein Atomkraftwerk, das vom Netz muss, kostet die Betreiber gemäss früherer Medienberichte mehrere Hunderttausend Franken pro Tag.

Wie viele müssen es im Minimum sein?

Unklar ist, wann genau in der Schweiz eine Anlagevom Netz müsste. Die Betreiber sind gesetzlich verpflichtet, Mindestbestände für jene Personengruppen festzulegen, die es braucht, um den Reaktor direkt zu überwachen und die Sicherheit der Anlage zu gewährleisten. Die Atomaufsicht des Bundes (Ensi) überwacht die Einhaltung. Sollte ein Betreiber diese Vorgaben nicht mehr erfüllen können, muss er den Reaktor abschalten und darf die Anlage erst wieder hochfahren, wenn der Mindestbestand sichergestellt ist. Wie gross dieser sein muss, ist laut Ensi vertraulich. Die Behörde hältfest, dass die vier Atommeiler derzeit sicher betrieben würden.

Die Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (Aefu) begrüssen, dass die Betreiber über ihre Fälle informieren, fordern aber volle Transparenz. «Wir erwarten, dass die Öffentlichkeit über den weiteren Verlauf beim AKW-Personal informiert wird», sagt Vizepräsident Alfred Weidmann. Es sei intelligenter, bei allenfalls mangelndem Personal ein AKW abzuschalten, als ein erhöhtes Unfallrisiko einzugehen.

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