«Es braucht auf jedem Zug einen Begleiter»

Nach der Zug-Attacke im Rheintal fordern Bahnexperten verstärkte Sicherheitsmassnahmen in Zügen und an Bahnhöfen.

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Nachdem am Samstag ein Mann im Zug bei Salez SG einen Brand gelegt und Passagiere mit einem Messer attackiert hatte, ist der mutmassliche Täter und eines seiner Opfer gestorben. Fünf weitere Personen wurden verletzt. Der Zustand einer 17-Jährigen ist noch kritisch. Bahnexperten und Politiker fordern nun verstärkte Sicherheitsmassnahmen in Regionalzügen.

Für Lokführer-Präsident Hans-Ruedi Schürch ist klar: «Es braucht wieder auf jedem Zug einen Zugbegleiter.» Diese Regelung sei vor gut 20 Jahren in den Zügen des Regionalverkehres abgeschafft worden – ein Abbau, der sich nun räche. «Damals war das Sicherheitsgefühl im Zug ein ganz anderes.» Ein unbewaffneter Zugbegleiter könne eine Attacke wie die in Salez auch nicht immer verhindern, aber Täter möglicherweise abschrecken. Zudem sorge die Präsenz für ein erhöhtes Sicherheitsgefühl der Passagiere.

Ein Zugbegleiter regelt die Temperatur. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Securitrans-Chef Martin Graf – hier im Interview mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet – fordert eine Bahnhofsbewachung rund um die Uhr. «Wir müssen die Bahnhofspräsenzen auf 24 Stunden verteilen.» Vor allem in kleineren Bahnhöfen gebe es bisher tagsüber keine Bewachung. Die Umsetzung dieser Massnahme sei ohne Personalaufstockung möglich: «Es braucht aber den Mut, die Präsenz in einzelnen Nächten zu reduzieren», sagt Graf in der «Schweiz am Sonntag».

«Präsenz schreckt potenzielle Täter ab»

Andere Bahnexperten schliessen sich der Forderung nach mehr Sicherheitskräften an. «Eine verstärkte Bewachung der Bahnhöfe ist eine vernünftige Idee», sagt Kurt Schreiber, Präsident von Pro Bahn. Der Vorfall in Salez zeige, dass die Schweiz keine Insel sei. Deshalb solle der Bund nun mehr Geld in die Sicherheit der Bahnpassagiere investieren.

«Verstärkte Präsenz an Bahnhöfen schreckt potenzielle Täter ab und ermöglicht verstärkte Kontrollen von Personen und Gepäck», sagt Schreiber. Eine vollständige Sicherheit könne aber auch diese Massnahme nicht gewährleisten. Dazu müsste man die Gepäckstücke durch den Metalldetektor lassen und in jedem Wagon einen bewaffneten Polizisten stationieren. «Das wäre der Kriegszustand.»

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Ein Artikel von «20 Minuten», bearbeitet von Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

(the)

Erstellt: 15.08.2016, 08:38 Uhr

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