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«Es gibt keinen Jackpot bei dieser Reform»

Noch nicht restlos erleichtert: Bundesrat Alain Berset am Freitag vor der Presse. Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Sie haben die Abstimmung zur Altersreform im Nationalrat verfolgt. Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie sahen, dass die Vorlage exakt die nötigen 101 Stimmen erzielte?

Ein Neuanfang wäre schwierig geworden.

Bleiben wir noch kurz bei Ihnen: Als 45-Jähriger gehören Sie zur glücklichen Übergangsgeneration, deren Pensionskassenrente nicht gekürzt wird. Zudem erhalten Sie und Ihre Ehefrau dereinst 226 Franken mehr AHV pro Monat. Für Sie ist diese Reform ein Jackpot.

Wie erklären Sie Ihren drei Kindern, dass sie für diese AHV-Erhöhung aufkommen müssen?

Durch den 70-Franken-AHV-Zustupf wächst die Finanzierungslücke bei der ersten Säule. Das ist unfair für künftige Generationen.

Das Grundübel ist doch, dass eine nachhaltige Sicherung der Renten nur durch Verzicht möglich wäre. Stattdessen wird mit Ihrer Reform noch mehr Geld verteilt.

Die zweite Lehre?

Entschädigen die 70 Franken für die massiven Rentenkürzungen im Überobligatorium?

Weil das Parlament der AHV weniger Steuereinnahmen zuführt, als der Bundesrat und der Ständerat ursprünglich wollten, braucht es bald wieder eine Reform. Wann wird das sein?

Wie könnte eine solche Reform aussehen?

Dann bleibt nur eine Erhöhung des Rentenalters.

Pascal Couchepin, der frühere Sozialminister, hat sich stets für das Rentenalter 67 ausgesprochen.

Auch Linke lehnen die Altersreform ab, weil sie Rentenalter 65 für die Frauen als ungerecht empfinden. Verstehen Sie dieses Argument?

Die Bürgerlichen sehen das anders.

Nun sind wir in einer neuen Phase. Werden Sie im Abstimmungskampf als Brückenbauer zwischen den zerstrittenen Lagern auftreten?