Zum Hauptinhalt springen

«Es ist einfacher, diese Menschen als Simulanten hinzustellen»

Die Zürcher Anwältin Caroline Bono setzt sich für Schleudertrauma-Patienten ein. Sie ist selber davon betroffen. Das Bundesgerichtsurteil treffe einmal mehr die Falschen, meint sie.

Schleudertrauma-Patienten haben künftig kein Anrecht auf Leistungen der IV. Was sagen Sie zum Bundesgerichtsurteil? Das Bundesgericht sagt, dass Hals-Wirbelsäule-Verletzte, bei denen keine« organischen Funktionsausfälle» nachgewiesen wurden, keine Leistungen der IV mehr erhalten werden. Diese Menschen werden gänzlich bei der Sozialhilfe landen. Dabei sollten Personen, die im Strassenverkehr unverschuldet verletzt werden, gar nie bei der IV landen. Es wäre Sache der Haftpflichtversicherer für den Erwerbsausfall dieser Unfallopfer aufzukommen. Tatsächlich muss dann aber die Krankenkasse, die IV und die Sozialhilfe für diese Menschen einstehen, das zahlt der Bürger. Kommt hinzu, dass bei vielen Verletzten primäre organische Schädigungen übersehen werden, das heisst, sie in Tat und Wahrheit gar keine Fälle ohne Organschäden sind.

Von was für Fällen reden wir dann? Gemäss Studien werden 67 Prozent aller Wirbelbrüche und 66 Prozent aller Kopfverletzungen in der Erstuntersuchung übersehen. Diese Opfer gelten dann als Schleudertrauma-Verletzte ohne Befund auf dem Röntgenbild. Leichte traumatische Hirnschädigungen werden besonders oft übersehen. Ich habe viele Verletzte kennengelernt, bei welchen kein korrekter Neurostatus (mit Ganguntersuchung) gemacht wurde, welcher die Hirnschädigung in der Erstuntersuchung nachweisen würde. Eine Hirnschädigung ist aber eine Organverletzung.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.