Das grosse Kampfjet-Casting

Der ehemalige Luftwaffenchef Markus Gygax beurteilt die vier Modelle, die für die Schweizer Armee infrage kommen.

Nach dem Rückzug des Gripen stehen nur noch vier Jets zur Auswahl. Fotos: PD

Nach dem Rückzug des Gripen stehen nur noch vier Jets zur Auswahl. Fotos: PD

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An den F/A-18 Hornet und den F-5 Tiger der Schweizer Luftwaffe nagt der Zahn der Zeit. Sie müssen in den kommenden Jahren ersetzt werden. Nach dem Nein des Volkes zur Gripenvorlage im Jahr 2014, nimmt der Bund einen neuen Anlauf. Er hat fünf Kandidaten eingeladen, eine Offerte abzugeben und sich in Payerne Flugtests zu unterziehen. Der schwedische Gripen hat sich kurz vor der Präsentation im Waadtland auf Empfehlung des Bundesamtes für Rüstung zurückgezogen. Damit bleiben folgende vier Kandidaten im Rennen.


Das sagt der Ex-Luftwaffenchef Markus Gygax:

Der Grosse: Mit einer Spannweite von 14 Metern und einer Höhe von rund fünf Metern ist die F/A-18 Super Hornet der mächtigste der evaluierten Kampfjets. Video: Tamedia

Wie der Auftritt in Payerne war:
Auf den Eurofighter folgte als zweiter Kandidat die F/A-18 Super Hornet. Presse und Spotter machten sich auf ein US-Spektakel gefasst. Weit gefehlt – unamerikanischer hätte die Präsentation nicht sein können: keine Repräsentanten auf dem Podium, keine dramatischen Filme, sogar der amerikanische Botschafter blieb fast unerwähnt. Einzig ein Pilot aus der Eliteschule Top Gun verlieh dem Auftritt der Amerikaner einen Hauch Hollywood. Für Schmunzeln sorgten die Give-aways, denn als wären Fotogeschenke noch hip, gab es für Fans die Super Hornet auf einer Mausmatte, auf einer Tasse und auf einem Schlüsselanhänger.


Das sagt der Ex-Luftwaffenchef Markus Gygax:

Die Tarnkappe: Der F-35A Lightning ist der einzige Tarnkappenjet der übrig gebliebenen vier Kandidaten. Video: Tamedia

Wie der Auftritt in Payerne war:
Die Hersteller boten den Anwesenden und den Spottern die grosse amerikanische Show – ­Virtual-Reality-Brille, Hotdogs, Burger und F-35-Pins in Schweizer Farben inklusive. Redner und Pilot Andrew «Growler» Allen strich heraus, dass er die Schweizer Diskussion um die Kampfjets bestens kenne, an der sich bekanntlich zig «Aviatik-Experten» beteiligten – und sorgte so für Gelächter. Zum Pathos passte das Geschenk, das Lockheed Martin den Journalisten machte: eine Schweizer Flagge aus Stoff, aufgeklebt auf ein Zertifikat mit der Überschrift «Diese Flagge flog mit dem ersten F-35 während der Evaluation im Juni 2019». Signiert von drei US-Piloten.


Das sagt der Ex-Luftwaffenchef Markus Gygax:

Der Nachbar: Die französische Rafale ging bei der letzten Kampfjet-Evaluation im operationellen Bereich als Siegerin hervor. Video: Tamedia

Wie der Auftritt in Payerne war:
Der französische Charme ist auch beim Kampfjethersteller spürbar. Diesen liessen verschiedene Redner an der Präsentation spielen: Sie versuchten sich in Deutsch – wenn auch nur für wenige, auswendig gelernte Sätze. Sympathisch wirkte es trotzdem. Unter den sechs Rednern (so viele wie bei keinem anderen Anbieter) war auch «votre Excellence» Anne Paugam. Die französische Botschafterin rührte die Werbetrommel für den Flieger. Auffallend ist das verteilte Werbematerial: ein Flyer, der die Schweiz abbildet: Als Kulissen dienen Zürich, ein Wanderer, der von einem Berggipfel in die Weite blickt, ein Skifahrer im Pulver­schnee – und am Himmel immer die Rafale.


Das sagt der Ex-Luftwaffenchef Markus Gygax:

Der Schnelle: Der Eurofighter Typhoon ist der leistungsstärkste der von der Schweizer Armee getesteten Kampfjets. Video: Tamedia

Wie der Auftritt in Payerne war:
Eines war an der Präsentation des Eurofighter sofort klar: Deutschland kämpft um die Schweiz als Partner für eine «zeit- und typengleiche Kampfjet-Beschaffung». So waren auf dem Podium drei von vier Rednern Vertreter des Nachbarlandes, nur einer sprach im Namen des Fabrikanten Airbus. Anwesend waren zudem Verteidigungsattachés der Herstellerländer – in Uniform, hochdekoriert. Sichtlich ungern beantwortete die Delegation aus Deutschland aber Fragen zu politischen Problemen, die sich aus Schweizer Sicht mit einem Kampfjetkauf verknüpfen liessen – etwa der Staatsvertrag zum Flugregime am Zürcher Airport, der seit Jahren in Berlin Staub fängt.

Umsetzung des Webspecials: Pia Wertheimer (Text und Inhalt), Jasmine Brönnimann (Konzeption), Lea Koch, Marco Pietrocola und Nicolas Fäs (Videos) sowie Patrick Vögeli (Tabellen)

Erstellt: 15.06.2019, 23:21 Uhr

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