Forsche Exit-Mitglieder ausgebremst

Sterbehilfe auch für gesunde Menschen und ohne ärztliches Rezept, das war die Forderung einer Gruppe der Sterbehilfe-Organisation.

Fordert den Altersfreitod ohne gesundheitliche Vorbedingungen: Regisseur Rolf Lyssy. Bild: Keystone

Fordert den Altersfreitod ohne gesundheitliche Vorbedingungen: Regisseur Rolf Lyssy. Bild: Keystone

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Meistens sind es die Jungen, die ihre Partei oder ihren Verein mit radikalen Forderungen auf Trab halten. Man denke nur an die Jusos oder Jungfreisinnigen. Bei der Sterbehilfeorganisation Exit ist es umgekehrt. Seit geraumer Zeit versucht ein Komitee von über 70- und über 80-Jährigen, Exit auf einen liberaleren Kurs zu bringen. Zu ihnen zählen ehemalige Exit-Präsidenten, der Regisseur Rolf Lyssy, der Historiker Kurt R. Spillmann, die ehemalige Swissair-Sprecherin Beatrice Tschanz oder der frühere stellvertretende Chefredaktor des «Tages-Anzeigers» Thomas Biland.

Ihr Ziel ist es, den Alterssuizid auch für Menschen zu öffnen, die nicht schwer krank sind oder an mehreren ­Gebrechen leiden. Wenn es nach dem Komitee ginge, sollen hochbetagte Menschen das Sterbemittel Natrium-Pentobarbital (NaP) künftig ohne ärztliche Diagnose respektive Rezept beziehen. Damit wäre der Weg frei zum Alters­freitod ohne gesundheitliche Vorbedingungen. An der letztjährigen Generalversammlung von Exit stiess der Antrag des Komitees auf breite Zustimmung: Die Mitglieder stimmten zu, dafür eine Arbeitskommission zu bilden. Ein Bericht sollte an der GV im nächsten Jahr vorgestellt werden.

Diese GV hat nun am Wochenende stattgefunden. Doch dem Exit-Vorstand gelang es, das Komitee zu bremsen. Denn der Vorstand steht dessen Vorhaben kritisch gegenüber und bezweifelt, dass gesunde Menschen aus dem Leben scheiden wollen. Ausserdem warnt er, dass ein Vorpreschen die bisher grundsätzlich liberale Haltung der Schweiz in Sachen selbstbestimmtes Sterben ­gefährden könnte. So würden die vor­gebrachten Forderungen auch neue Gesetze oder Verordnungen nötig machen – und für diese gäbe es weder in der Politik noch in der Bevölkerung Mehrheiten.

Ärztliches Rezept soll bleiben

Da die 14-köpfige Arbeitskommission ungefähr paritätisch aus Mitgliedern des Komitees und des Vorstands zusammengesetzt ist, fiel der Bericht an die Generalversammlung weniger radikal aus, als von dem Komitee ursprünglich gefordert. So wurde zwar beschlossen, weiterhin auf das Ziel eines erleichterten ­Altersfreitods hinzuarbeiten. Man kam aber gleichzeitig überein, dass vorderhand die Voraussetzung einer ärztlichen Diagnose und damit eines Rezepts für die Abgabe des Sterbemittels weiter notwendig sein werde.

Mehr Zeit als geplant benötigen die rechtlichen und ethischen Abklärungen. Die Kommission hatte im vergangenen Herbst zum Thema Altersfreitod zwei Gutachten in Auftrag gegeben. Der Bericht zum Thema Ethik wurde von Klaus Peter Rippe, Professor für Philosophie in Karlsruhe, erstellt und liegt seit kurzem vor. Ausstehend ist das rechtliche Gutachten des Zürcher Strafrechtsprofessors Christian Schwarzenegger. Jürg Wiler, Sprecher und Vorstandsmitglied von Exit, verneint, dass der Exit-Vorstand auf Zeit spielen würde: «Man hat sich auf einen Kompromiss geeinigt, der von allen mitgetragen wird.» Man müsse zunächst die Gutachten analysieren, damit an der nächsten GV im Jahr 2019 «weise Vorschläge» gemacht werden können. Zudem soll im November darauf eine Tagung zum Thema ­Altersfreitod stattfinden.

Dieses Vorgehen unterstützt auch Anita Fetz, Basler SP-Ständerätin und Mitglied des Exit-Patronatskomitees: «Obwohl ich eine Befürworterin des Selbstbestimmungsrechts im Alter bin, ist es richtig, dass Exit Schritt für Schritt vorgeht.» Denn vorschnelle Entscheide würden die Gesellschaft überfordern. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.06.2018, 06:29 Uhr

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