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Explosionsgefahr – kein Gasantrieb auf Schiffen

Das Dampfschiff Unterwalden der Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee darf gemäss Bundesamt für Verkehr nicht von Öl auf Gasbetrieb umstellen. Holz und Benzin wären möglich.

Die Unterwalden nimmt Kurs auf Küssnacht: Die Suche nach einem alternativen Treibstoff blieb vorerst erfolglos.
Die Unterwalden nimmt Kurs auf Küssnacht: Die Suche nach einem alternativen Treibstoff blieb vorerst erfolglos.
Keystone

Die Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee (SGV) prüft angesichts der laufenden Sanierungsarbeiten am Dampfschiff Unterwalden auch alternative Energieträger. Den Plänen, das über 100-jährige Schiff auf Gasbetrieb umzustellen, hat das Bundesamt für Verkehr (BAV) nun aber eine Absage erteilt. Nach eingehender Prüfung der Argumente der SGV sei es zum Schluss gekommen, dass die geltenden Vorschriften den Betrieb von Schiffen mit Erdgas nicht zuliessen, heisst es in der Mitteilung. Die Gefahr von Gasexplosionen auf Schiffen sei zu gross.

«Immer wieder Explosionen auf Schiffen»

Die Schiffbauverordnung verlange, dass Brennstoffe für den Schiffsantrieb einen Flammpunkt von über 55 Grad Celsius haben müssten. Dies bedeute, dass beispielsweise Diesel, Holz oder Kohle als Brennstoffe zulässig seien. Benzin oder Gas dürften hingegen nicht verwendet werden. Zwar werde in den Ausführungsbestimmungen die Verwendung alternativer Brennstoffe grundsätzlich erwähnt, dabei sei jedoch vor allem an Holzpellets gedacht worden.

Gemäss BAV wurden die Vorschriften 1994 erlassen, um der Explosionsgefahr an Bord bei Undichtigkeiten im Brennstoffsystem vorzubeugen. «So gab und gibt es nämlich immer wieder Explosionen auf Schiffen mit Benzinmotoren», heisst es. Anders als im Strassenverkehr bestehe auf Schiffen die besondere Gefahr, dass sich die Gase im Schiffskörper ansammeln könnten und dort ein explosionsfähiges Gemisch bildeten.

Einige Gas-Schiffe in Europa

Gerade auch beim Projekt der SGV hätte diese Gefahr bestanden, weil die Lagerung von etwa zwölf Kubikmeter Gas unter sehr hohem Druck im Schiffsrumpf unter Deck vorgesehen gewesen sei. Zudem hätte bei Kollisionen die Gefahr von Beschädigungen des Gassystems bestanden, was zu einer erheblichen Explosionsgefahr geführt hätte. «Schliesslich darf auch nicht ausser acht gelassen werden, dass das Dampfschiff Unterwalden mehr als 100 Jahre alt ist und sehr viel fragiler gebaut wurde, als dies bei Schiffen heutiger Bauart der Fall ist», schreibt das BAV weiter. Es sei deshalb bei diesem Schiff sehr viel schwieriger, einen adäquaten Sicherheitsstandard zu gewährleisten.

Das BAV räumt ein, es gebe auf europäischen Binnenwasserstrassen einige wenige Fahrgastschiffe, die mit Erdgas betrieben würden. Diese seien aber wesentlich kleiner und es handle sich um moderne, nach heutigen Sicherheitsstandards gebaute Schiffe.

Gesellschaft enttäuscht

Das BAV verschliesst sich der Diskussion um alternative Brennstoffe nicht, wie das Amt festhält. Es habe der SGV angeboten, hierzu mittelfristig ein Projekt zu starten, in dem die Rahmenbedingungen für den Einsatz solcher Brennstoffe geprüft und festgelegt werden könnten.

Für Ruedi Stadelmann, Leiter SGV-Schiffstechnik, kommt der Entscheid des BAV nicht ganz unerwartet. Dennoch ist er enttäuscht. Zur Frage der Sicherheit sagt Stadelmann: «Wir würden das nicht machen wollen, wenn wir nicht überzeugt wären, das Problem gelöst zu haben.»

Experten anderer Meinung

Stadelmann verweist auf die positive Beurteilung des in Luzern entwickelten System durch die Germanische Lloyd, der für die Erfüllung von Sicherheitsstandards auf See massgebenden Klassifikationsgesellschaft. Die Vorschriften, mit der das BAV seinen Entscheid begründe, stammten aus einer Zeit, in der diese neue Technologie noch gar nicht bekannt war. Man werde bei der SGV nun über das weitere Vorgehen diskutieren, sagte Stadelmann.

Die SGV hätte mit der Umrüstung keine Geld gespart. Die Investitionen wurden auf zwei Millionen Franken geschätzt. Hingegen hätte der hohe Ölverbrauch und der entsprechende CO2-Ausstosse deutlich gesenkt werden können. Zum Vergleich: Ein Dampfschiff braucht für die Strecke Luzern-Flüelen-Luzern rund 2000 Liter Öl, ein vergleichbares Motorschiff etwa 400 Liter.

AP/cpm

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