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Fall Hildebrand: SVP verliert Mitglieder

Die Affäre um den zurückgetretenen SNB-Chef geht nicht spurlos an der SVP vorbei: In mehreren Kantonen muss die Partei Austritte verkraften. Gleichzeitig mehren sich Anschuldigungen an Christoph Blocher.

Soll den Datendieb bedrängt haben: Christoph Blocher.
Soll den Datendieb bedrängt haben: Christoph Blocher.
Keystone

Im Zuge der Hildebrand-Affäre ist es in mehreren SVP-Kantonalparteien zu Protestaustritten gekommen. In Zürich hat die Parteileitung «rund hundert» Abgänge verzeichnet, wie Präsident Alfred Heer gegenüber der «Sonntagszeitung» bestätigt. Grund ist der Ärger über das Vorgehen der Parteispitze um Christoph Blocher; viele Mitglieder beschwerten sich über den diffamierenden Stil und die persönlichen Angriffe gegen den inzwischen zurückgetretenen Nationalbankpräsidenten Philipp Hildebrand.

Zwar seien Abgänge rund um den Jahreswechsel nicht ungewöhnlich, so Heer. Er wisse aber von mindestens 20 Austritten, die mit der Affäre Hildebrand zusammenhingen.

BDP als Nutzniesserin

Neben Zürich berichten die Sektionen in Bern, Basel und im Thurgau von Abgängen. Die Kantonalpräsidenten erhielten Post von empörten Mitgliedern. Auch SVP-Generalsekretär Martin Baltisser bestätigt gegenüber der «Sonntagszeitung», dass es in der Parteibasis nach den Bundesratswahlen und der Affäre Hildebrand «teilweise zu heftiger Kritik an der Führung und dem Verhalten der Partei gekommen ist.» Nutzniesserin könnte die BDP werden. Präsident Hans Grunder hat festgestellt, dass seine Partei seit Ende Jahr «überdurchschnittliche Parteieintritte» verzeichnen kann. Der Zürcher BDP-Präsident Lothar Ziörjen registriert ebenfalls Zulauf.

Zu Publikation gedrängt?

Über Blochers Rolle im Fall Hildebrand sind weitere Details ans Licht gekommen. Nach den Vorwürfen über Manipulationen an den Bankauszügen des ehemaligen Nationalbankpräsidenten äussert sich der Ex-Bank-Sarasin Mitarbeiter Reto T. in der Zeitung «Der Sonntag». Der Mann, der die Daten entwendet hat, sagt, dass er mit Garantie nichts daran präpariert hat. Er habe nichts anderes getan, als seinen Anwalt Hermann Lei über die Bankdaten von Herrn Hildebrand zu informieren.

Für alles andere sei er unter Druck gesetzt worden. Auch Alt-Bundesrat Christoph Blocher habe dazu gedrängt, dass die Sache publik gemacht wird. «Es gibt auch viele Sachen auf der Seite Blocher. Dort sollten Sie recherchieren – dort ist noch viel gelaufen», so Reto T. Der IT-Supporter sagt weiter, dass er nicht in der Klinik sei, für das was er gemacht hat, sondern für das was man mit ihm gemacht hat.

Ermittlung gegen Blocher gefordert

Christian Levrat und Christoph Darbellay fordern denn auch, dass die Zürcher Staatsanwaltschaft die Untersuchung der Affäre Hildebrand auf Christoph Blocher ausweitet. Hintergrund ist eine Äusserung vom Thurgauer SVP-Kantonsrat Herman Lei, wonach der SVP-Strategiechef von seinen Absichten, die Bankunterlagen den Medien weiterzuleiten, gewusst habe. Blocher habe sich nicht dagegen ausgesprochen, sagte Lei damals.

«Wenn das stimmt, wäre Christoph Blocher mindestens passiv am Bruch des Bankgeheimnisses beteiligt», sagt Darbellay gegenüber der «Sonntagszeitung».

Drei Angebote von Blocher

Wie der «Sonntagsblick» berichtet erhielt Reto T. von Blocher gleich drei Angebote. Am 3. Dezember sprach er bei dem SVP-Strategen in Herrliberg ZH vor. Bei diesem Treffen bot Blocher T. seine Hilfe an: Sollte T. seinen Job bei der Bank verlieren, würde Blocher ihm einen Job besorgen. Zudem würde er ihm die Kosten für den Strafverteidiger übernehmen. Überdies bot Blocher T. Hilfe an, Interviews an die Medien zu verkaufen.

Bei der Manipulation an Hildebrands Daten wurden laut dem Bericht des «Sonntags» auch der Name des Ex-Sarasin-Mitarbeiter, sein Usercode sowie der Name von Hildebrands Kundenberater abgedeckt. Dies sagt der Anwalt von Lei. Von Seiten des Thurgauer SVP-Kantonsrat wird zudem behauptet, dass die Selbstanzeige des Sarasin-Mitarbeiters aus Panik erfolgt sei. Nachdem seine Bankkarte nicht funktionierte, dachte er diese sei gesperrt worden und sein Datenklau aufgeflogen. Deshalb habe er sich bei der Polizei gestellt. Der Datendieb selbst gibt sich erstmals auch optimistisch. Er ist zuversichtlich, dass am Ende auskommen wird, wie alles wirklich gelaufen ist.

Whistleblower dementiert Suizidabsichten

Weiter schreibt der «Sonntag», Reto T. habe entgegen früheren Berichten nie versucht, sich das Leben zu nehmen. Die von der «Sonntagszeitung» am 8. Januar kolportierte Geschichte sei falsch. Der «Sonntag» beruft sich auf ein Telefonat mit Reto T., der über die Schlagzeile der «Sonntagszeitung» entsetzt gewesen sei.

Die «Sonntagszeitung» reagiert auf das Dementi des Datendiebes überrascht: Bis heute hätten weder Reto T. noch dessen Anwalt bei uns reklamiert oder gar eine Berichtigung verlangt. Es hätten drei glaubwürdige und voneinander unabhängige Quellen vorgelegen. Doch der Datendieb widerspricht vehement. Die Meldung über den angeblichen Suizid war international verbreitet worden.

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