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Fehlende Distanz

Religionsexperte Michael Meier zur Studie über jugendliche Muslime in der Schweiz.

Kein Grund zur Sorge: Junge Muslime in der Schweiz gehen mit ihrer Religion umsichtig und selbstbestimmt um, sie orientieren sich kritisch an religiösen Autoritäten und vertreten ein Islam-Verständnis, das mit der Schweizer Kultur vereinbar ist. Zu diesem Resultat gelangt der Bericht «Hallo, es geht um meine Religion!» des Zentrums Religionsforschung der Uni Luzern.

Das Resultat war absehbar: Das Forscherteam ist bekannt dafür, dass es Muslime in Schutz nimmt, den gesellschaftspolitisch-medialen Islam-Diskurs hinterfragt und journalistischer Recherche widerspricht. Wie schon in früheren Studien und Stellungnahmen hält das Zentrum das öffentliche Islam-Bild für verzerrt und unfair. Mehr noch: Viele gängige Annahmen über junge Muslime seien falsch.

Die jungen Muslime wüssten sehr wohl, wie wenig zuverlässig viele Inhalte im Netz seien.

Falsch etwa sei der behauptete grosse Einfluss der Imame auf Jugend­liche. Falsch auch die massenhafte Verführung durchs Internet. Die jungen Muslime wüssten sehr wohl, wie wenig zuverlässig viele Inhalte im Netz seien. Religiös Suchende orientierten sich ohnehin stärker im sozialen Nahbereich – bei Eltern, Geschwistern, Vertrauenspersonen – als an öffentlich bekannten Autoritäten. Das ver­wundert, wird doch sonst in religiösen Biografien die Sinnsuche oft zur ­Revolte gegen das Elternhaus.

Recht haben die Autoren, dass sich nur eine Minderheit der jungen Muslime radikalisieren lässt. Das darf aber nicht dazu führen, den Einfluss des politischen Islam in den Jugendgruppen muslimischer Verbände auszublenden.

Die Autoren ergreifen allzu anwaltschaftlich Partei für die muslimische Minderheit – so, wie das in linken und kirchlichen Kreisen üblich ist, auch als Abwehrreflex gegen die SVP: die Muslime als Opfer, stigmatisiert und diskriminiert vor allem durch den medialen Diskurs. Zwar beanspruchen die Religionswissenschaftler mit den zugrunde liegenden 61 Interviews keine statis­tische Repräsentativität, wohl aber ein Vorgehen, das wissenschaftlichen Kriterien gehorcht. Dem widersprechen der starke Überhang des Kommentars und die fehlende Distanz der Forscher zum O-Ton der Jugendlichen.

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