Fertig mit Ausreden!

Mit immer höheren Prämien strapazieren wir die Solidarität der Jungen und Gesunden im Mittelstand, welche die Behandlung von Kranken mitfinanzieren.

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Bessere Leistungen und faire Prämien: Das versprach Bundesrätin Ruth Dreifuss, als das Krankenversicherungs­gesetz eingeführt wurde. Bis heute, 20 Jahre danach, sind die Prämien um 138 Prozent gestiegen, während die Wirtschaft seit 1996 nur um 58 Prozent wuchs – also mehr als zweimal weniger schnell als die Prämien. Die Nominallöhne stiegen gar nur um 23 Prozent.

Das sind Zahlen, die bei Schweizer Politikern, die prozentrechnen können, den empörten Ruf nach einem Krisenstab auslösen müssten. Doch stattdessen verteilen sie jedes Jahr, wenn ein neuer Prämienanstieg verkündet wird, Be­ruhigungspillen: «Der medizi­nische Fortschritt und die Über­alterung sind nicht gratis», wiederholen die einen. «Wir haben schon viel gemacht, etwa mit dem neuen Zulassungsstopp für Ärzte», sagen die andern. Und die dritten erinnern daran, dass jene, die wenig Geld haben, Prämiensubventionen bekommen.

Kosten steigen stärker als in den USA

Stimmt alles, nur schiessen die Gesundheitsausgaben weiter in die Höhe – prozentual und pro Kopf stiegen sie in den letzten zehn Jahren gar stärker als in den USA. Es ist also höchste Zeit, den Politikern Aufputschmittel statt Valium zu verabreichen: Hört auf mit den Aus­reden! Findet eine Lösung, auch wenn Mehrheiten schwierig und Lobbys hartnäckig sind! Ein wirksames Rezept wird, wie so oft, eine Mischung aus sozial­demokratischen und bürger­lichen Vorschlägen sein: Es wird un­populäre Massnahmen brauchen wie härtere Kosten-Nutzen-Abwägungen zur Notwendigkeit von Behandlungen und die Aufhebung des Vertragszwangs mit allen Ärzten. Gleichzeitig wird der medizinische Fortschritt die Gesundheitskosten weiter ansteigen lassen, sodass es auf der Prämienseite nötig sein wird, auch Mittelstandshaushalten zu helfen, die unter den hohen Prämien leiden.

Die Ära des Ruhigstellens ist jedenfalls vorbei. Mit immer höheren Prämien strapazieren wir die Solidarität der Jungen und Gesunden im Mittelstand, welche die Behandlung von Kranken mitfinanzieren. Nachdem wir den Jungen auch bei der Rentenreform die Hauptlast aufbürden wollen, ist es eine Frage der Zeit, bis deren Solidarität aufgebraucht ist.

Erstellt: 24.09.2015, 20:19 Uhr

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