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Feuer im Zug, Notbremse, Vandalen: Die SBB haben genug

GC-Fans legten gestern die SBB-Linie Basel–Zürich lahm. Kein Einzelfall: Zwischen Anfang Februar und Mitte April dokumentierten die SBB 20 schwere Zwischenfälle in Fantransporten. Nun wollen sie Charterverträge.

«Notbremse- und Feuerlöschermissbauch»: FCZ- Fanzug kommt am HB an. (24. Mai 2009)
«Notbremse- und Feuerlöschermissbauch»: FCZ- Fanzug kommt am HB an. (24. Mai 2009)
Reto Oeschger (TA)

Nach dem gestrigen Stopp eines GC-Fanzugs in Muttenz BL ist die Diskussion um randalierende Fussballfans neu entbrannt. Die SBB will den unschönen Szenen nicht mehr länger zusehen - und auch die Verkehrskommission des Ständerats fordert schnelle Lösungen.

Noch vor gut einem Monat wollte der Nationalrat nichts wissen von einer Lockerung der Transportpflicht, die es Bahnunternehmen erlauben würde, Sportfans auf spezielle Züge zu verweisen. Auch dass Sportklubs für die Schäden ihrer Fans haften sollen, ging dem Nationalrat zu weit. Er wies die Vorlage mit der Begründung an den Bundesrat zurück, dass diese gar nicht umsetzbar sei.

heute bog die Verkehrskommission des Ständerats (KVF-S) in Sachen Fanzugproblematik nun auf eine andere Schiene ein. Sie empfiehlt der kleinen Kammer, dem Nationalrat zu widersprechen und auf die bundesrätliche Vorlage einzutreten.

«Es braucht gesetzliche Grundlage»

Die Ausschreitungen rund um den Cupfinal in Bern vom Ostermontag und die Randalen einiger Zürcher Anhänger vom vergangenen Sonntag haben den Geduldsfaden einiger Politiker anscheinend überstrapaziert.

«Gerade die letzten Vorkommnisse haben gezeigt, dass die Situation gefährlich werden kann», sagte Kommissionspräsident René Imoberdorf (CVP/VS) auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Die jüngsten Ausschreitungen hätten den Entscheid, auf ein entsprechendes Gesetz einzutreten, sicherlich mitbeeinflusst. Der Entscheid fiel mit 9 zu 1 Stimmen bei einer Enthaltung äusserst deutlich.

«Es braucht effektive gesetzliche Grundlagen, um die Vereine in die Verantwortung zu nehmen», sagte Imoberdorf. Wie genau die Vereine haftbar gemacht werden sollen, liess der KVF-Präsident offen. Es gehe jetzt vordergründig darum, auf die vom Bundesrat erarbeitete Rechtsgrundlage einzutreten. «Die Details können wir später regeln.»

Machtlosigkeit der Behörden

Aktuell können die Fussballclubs für Schäden im Umfeld von Spielen nicht zur Kasse gebeten werden. Seit Jahren sucht die SBB mit den Vereinen das Gespräch - meist erfolglos. «Wenn die Klubs für die Schäden haften müssten, wäre dies eine klare Abkehr vom Verursacherprinzip, was wir ablehnen», sagte Claudius Schäfer, Chef der Swiss Football League, am Montag gegenüber Schweizer Radio SRF.

Auch er habe die Nase voll von Ausschreitungen. Doch seien dem Verband die Hände gebunden. «Wenn ein Idiot die Notbremse eines Zuges betätigt, können wir auch nichts machen.»

Im Bahnhof Muttenz hatten einige GC-Anhänger gestern ihren Extrazug gestoppt, waren auf die Geleise gestürmt und hatten so die SBB-Strecke zwischen Basel und Olten blockiert. Der Bahnhof musste während rund vierzig Minuten gesperrt werden.

Zahlen tut die Allgemeinheit

Die regelmässigen Beschädigungen an Zügen und Infrastrukturen sowie die Gefährdung der Sicherheit anderer Reisender durch gewaltbereite Fans sind auch der SBB ein Dorn im Auge. «Die Schäden bezahlen wir - und somit indirekt die Allgemeinheit», sagte Sprecher Christian Ginsig auf Anfrage. Dies müsse sich ändern.

«Heute befinden sich die Fans in einem rechtsfreien Raum, wenn sie unsere Züge betreten», sagte Ginsig. Um jemanden zur Verantwortung ziehen zu können, müsse die Schuld explizit einer Person zugewiesen werden können. «Dies ist praktisch unmöglich.»

Für den Transport der Fans zu den Stadien fordert die SBB sogenannte Charterverträge mit den Fussballclubs. Falls Schäden entstehen, könnte man dann die Rechnung einfach an den entsprechenden Club schicken. Ginsig plädiert auch an die Selbstregulierung innerhalb der Fangruppen.

Young Boys als gutes Beispiel

Das Beispiel des Berner Fussballclubs Young Boys zeige, wie es funktionieren könnte. YB hat mit der SBB einen Kooperationsvertrag abgeschlossen. Dabei haftet der Club zwar nicht für Sach- und Personenschäden, entlastet aber das Personal der SBB, weil die Züge von eigenen Fanarbeitern begleitet werden.

«Die Transportpartnerschaft mit YB läuft gut», sagte Ginsig. Es gebe weniger Aggressionen gegenüber dem Bahnpersonal und auch weniger Beschädigungen.

Politik am Zug

Leider sei YB aber bisher der einzige Klub, der sich ansatzweise kooperativ zeige. «Kein anderer Klub in der Schweiz hat Bereitschaft signalisiert, in diesem Problem einen Schritt auf die SBB zuzugehen.» Es gehe um drei Millionen Schweizer Franken ungedeckte Kosten, die jährlich entstünden.

Es sei nun Aufgabe der Politik, zu entscheiden, ob man die Klubs mehr in die Verantwortung nimmt. Die Reihe ist nun am Ständerat, der in der Sommersession über die Revision des Personenbeförderungsgesetzes entscheidet.

SDA/bru

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