«Fifa-Verhältnisse» beim Automobil-Club

Der ACS-Zentralpräsident hat eine Strafanzeige am Hals: Zwei Sektionen werfen ihm Urkundenfälschung sowie ungetreue Geschäftsbesorgung vor.

An der Spitze des ACS wirds einsam: Autobahn am Genfersee. Foto: Keystone

An der Spitze des ACS wirds einsam: Autobahn am Genfersee. Foto: Keystone

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Martin Buchli ist Wirtschaftsanwalt und Präsident der Sektion Graubünden des Automobil-Clubs der Schweiz (ACS). Er fährt grosses Geschütz auf: «Zentralpräsident Mathias Ammann hat ein rechtswidriges Spesenreglement erlassen und sich gestützt darauf Spesen gleich dreimal vergüten lassen.» Deshalb haben Buchli und die ACS-Sektion Zürich gestern gegen den Zentralpräsidenten Strafanzeige wegen Urkundenfälschung und ungetreuer Geschäftsbesorgung eingereicht. Für Ammann gilt die Unschuldsvermutung.

Die Spesen des ACS-Zentralpräsidenten haben sich unter Ammann fast verdreifacht. Lagen sie unter seinem Vorgänger bei rund 25'000 Franken pro Jahr, sind sie unter dem neuen Präsidenten auf 63'800 Franken hochgeschnellt (Abrechnungsjahr 2014/15) und erreichten von Juni 2015 bis März 2016 bereits 44'000 Franken, ohne dass alle Spesenbelege abgerechnet wären. Hohe Bezüge für ein Ehrenamt – teilweise mehr als 5000 Franken pro Monat.

Möglich machte dies ein Spesen­reglement des Zentralpräsidenten, das Ammann am 8. Dezember 2013 – einem Sonntag – zusammen mit dem auf Ende 2013 scheidenden Generaldirektor verabschiedet hatte. Dieses Reglement sieht sowohl eine Jahrespauschale von 23'000 Franken vor als auch eine zusätzliche Monatspauschale von 715 Franken etwa für Autofahrten, Telefon und Essen (bis 20 Franken). Zusätzlich zu diesen Jahres- und Monatspauschalen kann Ammann belegte Spesen abrechnen. «Ein Essen von 30 Franken zum Beispiel wird dem ­Zentralpräsidenten als Jahrespauschale, als Monatspauschale und als belegte Ausgabe vergütet», sagt Buchli. «Beim ACS herrschen Verhältnisse wie bei der Fifa – mit dem Unterschied, dass sich der ACS so horrende Spesenbezüge nicht leisten kann.»

Zentralpräsident Mathias Ammann widerspricht vehement. Die Spesen seien vom suspendierten ACS-Generaldirektor Stefan Holenstein visiert, von der externen und internen Kontrollstelle geprüft und für in Ordnung befunden worden. «Was mit Pauschalspesen abgegolten worden war, also Telefonate und kleinere Konsumationen, wurde nicht nochmals als effektive Spesen geltend gemacht», sagt er.

Beschluss nicht protokolliert

Die Revisionen sowie der Generaldirektor hätten nur geprüft, ob die Bezüge ­reglementskonform seien, widerspricht Anzeigeerstatter Buchli. Sie hätten nicht kontrolliert, ob das Reglement selbst rechtsgültig sei. Buchli fand in keinem Protokoll des Zentralkomitees einen Entscheid, der das Spesenreglement beschlossen hätte. Traktandiert sei es auch nie gewesen. Deshalb sei es rechtswidrig, und deshalb bestehe der Verdacht auf eine Urkundenfälschung, begründet Buchli die Strafanzeige, die für den Steuerrechtsexperten und Rechtsanwalt Ammann auch berufliche Konsequenzen haben könnte.

Ammann bestreitet auch diese Vorwürfe «aufs Schärfste». Das Spesenreglement entspreche dem Beschluss des Direktionskomitees vom November 2013. Dies hätten der Vizezentralpräsident sowie ein weiteres Mitglied des Direktionskomitees bestätigt. «Nur weil es nicht oder nicht genügend protokolliert ist, ist es deshalb trotzdem gültig zustande gekommen», schreibt Ammann. Er bezeichnet den Vorwurf der Urkundenfälschung als absurd und behält sich sämtliche Rechte vor.

Gemäss Sektionspräsident Buchli erklären die Unregelmässigkeiten bei der Spesenabrechnung auch die Suspendierung von Generaldirektor Holenstein vom Montag. «Das war ein Racheakt Ammanns», sagt der Bündner. Holenstein habe im Auftrag der Sektionspräsidenten die Spesenbezüge von der Revisionsstelle zusammenstellen lassen. Von einem Racheakt könne nicht die Rede sein, entgegnet Ammann. Holenstein habe nachweislich elementare Treue- und Informationspflichten verletzt.

Wasserfallen tritt trotzdem an

Suspendierung und Strafanzeigen sind Teil eines Machtkampfs innerhalb des ACS, der mit 110'000 Mitgliedern rund zehnmal kleiner ist als der TCS. Am 23. Juni 2016 wählen die Delegierten einen neuen Zentralpräsidenten. Ammann hatte gegenüber den Sektionspräsidenten Ende Mai auf eine erneute Kandidatur verzichtet, diesen Verzicht aber letzte Woche widerrufen, weil er Opfer einer Intrige sei. Die Sektionen portieren FDP-Nationalrat Christoph Wasserfallen als Kandidaten. Der Parlamentarier teilt auch nach den neuesten Entwicklungen mit: «Meine Kandidatur steht.»

Erstellt: 16.06.2016, 00:14 Uhr

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