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Firmen suchen für befristete Jobs vermehrt Fachkräfte

Die Temporärarbeit in der Schweiz nimmt zu, besonders in den Grenzkantonen. Immer häufiger suchen die Firmen Fachkräfte statt Hilfsarbeiter.

Die Grossbank Credit Suisse beschäftigt viele temporär angestellte Mitarbeitende – weltweit rund 23'000.
Die Grossbank Credit Suisse beschäftigt viele temporär angestellte Mitarbeitende – weltweit rund 23'000.
Walter Bieri, Keystone

In Genf sind sie regelrecht aus dem Boden geschossen: die Personalvermittlungsbüros. Im Jahr 2000 zählte der Kanton 10 Agenturen, die Angestellte an Firmen weitervermittelten. Inzwischen sind es 113 – mehr als zehnmal so viel, wie «Le Temps» schreibt. Neben Genf ist auch das Tessin überdurchschnittlich vom Phänomen der Temporärarbeit betroffen, wobei dort fast 90 Prozent der Angestellten aus dem Ausland kommen.

Schweizweit gesehen fällt das Wachstum weniger stark aus, ist aber immer noch eindrücklich: Von 2000 bis 2015 hat sich die Anzahl der externen Angestellten mehr als verdoppelt, von 150'000 auf 312'000 Arbeiter. Das zeigen Zahlen von Swissstaffing, dem Branchenverband der Personalvermittler.

In Büros statt auf dem Bau

Anders als früher arbeitet der grösste Teil der Temporärangestellten heute aber nicht mehr auf dem Bau oder in der Industrie, sondern in Dienstleistungsbetrieben, etwa im Gesundheitssektor. Laut Marius Osterfeld von Swissstaffing hat sich das Profil der gesuchten Arbeiter in den letzten 20 Jahren denn auch deutlich verändert: «Die Temporärarbeit wird immer qualifizierter.» So ist der Anteil Fachkräfte von 2006 bis 2014 deutlich gestiegen: von 52 auf über 68 Prozent. Gleichzeitig hat der Anteil Hilfskräfte von 47 auf 31 Prozent abgenommen.

Derweil spielen externe Mitarbeiter im Bereich der höheren Kader noch keine grosse Rolle. Gerade bei Banken und in der Pharmabranche sei die Nachfrage aber im Steigen begriffen, sagt Osterfeld. Auf weniger hohen Lohnstufen ist Temporärarbeit auch bei den Banken längst Usus. So beschäftigte die Credit Suisse 2016 neben rund 47’000 Festangestellten auch 23’000 Temporärangestellte. Allzu sicher sind deren Arbeitsplätze allerdings nicht: Im Rahmen einer Sparrunde waren die temporären Mitarbeiter die ersten, die ihren Job wieder verloren.

Mehr ältere Arbeitnehmer betroffen

Die Gewerkschaften, die seit langem vor der Prekarität der Temporärarbeit warnen, sehen sich durch solche Vorkommnisse bestätigt. Temporäre Anstellungsverhältnisse nähmen gerade bei älteren Arbeitnehmern zu, sagt Véronique Polito von der Gewerkschaft Unia. «Das ist alarmierend, denn diese Leute haben sich in der Regel nicht ausgesucht, temporär zu arbeiten – sie finden einfach keinen anderen Job mehr.» In gewissen Bereichen, zum Beispiel auf dem Bau, gebe es zudem die Tendenz, dass Firmen Angestellte entlassen und dann temporär – zu tieferen Löhnen – wieder einstellten. «Sie behalten nur einen kleinen Stamm von Angestellten und stellen weitere Personen nur dann an, wenn es gerade Arbeit gibt.»

Marius Osterfeld von Swissstaffing argumentiert, der Anstieg der Temporärarbeit widerspiegle lediglich den Wandel der Arbeitswelt. Auch hätten sich 45 Prozent aller Vermittelten diese Arbeitsform bewusst ausgesucht. Bezüglich der Arbeitsbedingungen meint Osterfeld: «Alle unsere Mitglieder zahlen den Arbeitenden Mindestlöhne.» Zudem biete die Temporärarbeit auch Chancen für jene Leute, die sonst arbeitslos würden. «Für sie ist es eine Möglichkeit, wieder ins Berufsleben zu finden.»

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