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Fischer hatte den Rückhalt verloren

Mit der Entlassung der Professorin Ritzmann, der Absicht, ihr den Titel abzuerkennen, und der ­Forderung auf Rückzahlung eines Teils der Gehälter erwies sich Andreas Fischer als Hardliner.

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Zugegeben, eine einfache Aufgabe hatte er nicht. Als der Anglist Andreas Fischer vor fünf Jahren seine Professoren­tätigkeit aufgab, um vollamtlich die ­Aufgabe des Rektors der Universität Zürich zu ­übernehmen, hatte er sich auf seine ­Führungsaufgabe und den Kontakt mit Behörden vorbereitet. Der Shakespeare-Kenner neigte dazu, die Konflikte lieber nicht auf der grossen Bühne ­auszutragen.

Im Fall Mörgeli gelang dies nicht. Die Kontroverse um die fachliche Kompetenz des Medizinhistorikers und Museums­leiters – nicht des SVP-Politikers – ­Christoph Mörgeli wurde in der Öffentlichkeit vor Jahresfrist zum grossen Thema, bevor die Universität darüber sprechen wollte. Danach entwickelte der Fall eine Eigendynamik, die einem shakespeareschen Drama gut angestanden hätte. Mörgeli ging in die Offensive, ­attackierte Vorgesetzte, Medien und ­Politiker gleichermassen – Fischer musste rascher handeln, als ihm lieb war. Mörgeli verlor seine Stelle als Museumsleiter und kämpft seither um seine Rehabilitierung und die Anerkennung, Opfer einer ­politischen Intrige geworden zu sein.

Klärung des Informationslecks wichtiger

Danach erweckte Fischer den ­Eindruck, die Klärung des Informationslecks sei ihm in dieser Geschichte ­wichtiger als alles andere. Dabei bestimmte die Staatsanwaltschaft im ­Verfahren wegen Amtsgeheimnisverletzung den Gang der Ereignisse. Zumindest die Methoden liessen dabei jedes Mass ­vermissen: Die Professorin Iris ­Ritzmann und ihr Gatte wurden in aller Herrgottsfrühe vor den Augen ihrer Kinder ­verhaftet, schon ein Mail mit einem ­Veranstaltungshinweis an den «Tages-­Anzeiger» reichte bei einem anderen ­Uniangehörigen für Ermittlungen. Mit der Entlassung der Professorin Ritzmann, der Absicht, ihr den Titel abzuerkennen, und der ­Forderung auf Rückzahlung eines Teils der Gehälter erwies sich Andreas Fischer als Hardliner.

Daran haben sich viele Angehörige der Uni gestossen. Namhafte Professoren äusserten ihren Unmut, eine grosse Zahl von Professoren beabsichtigte, ihre Kritik in einer Anzeige kundzutun. Bei seinem Amtsantritt hatte Fischer gesagt, der Rückhalt an der Universität sei ihm ­wichtig. Er hatte ihn nicht mehr.

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