Fracking und Geothermie als Teil der Energiestrategie

Die Schweiz solle keine Technologien verbieten oder mit Moratorien belegen, fordert die Geologische Fachkommission. Sie tritt mit einer Reihe von Ratschlägen an den Bundesrat.

Die USA mischten mit Fracking den internationalen Ölmarkt auf: Ein neues Borloch vor dem Fracking in Williston, North Dakota. (12. November 2014)

Die USA mischten mit Fracking den internationalen Ölmarkt auf: Ein neues Borloch vor dem Fracking in Williston, North Dakota. (12. November 2014) Bild: Andrew Cullen /Reuters

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Die Eidgenössische Geologische Fachkommission (EGK) sieht im Fracking «eine Technik, welche einen Beitrag zum Erreichen der Ziele der Energiestrategie 2050 leisten kann». Die EGK hält fest, dass Fracking eine Technik ist. «Techniken sollen nicht verboten oder mit Moratorien belegt werden», schreibt sie ihn ihrer Handlungsanweisung, die heute veröffentlicht wurde. Um die bislang lückenhaften Kenntnisse des Untergrundes zu vertiefen, brauche es neben finanzieller Unterstützung des Bundes auch geophysikalische Untersuchungen mit rund 20 Bohrungen.

Dabei solle hauptsächlich das Potenzial für tiefe Geothermie erforscht werden. Als Nebeneffekt würden aber auch Kenntnisse über andere Rohstoffe anfallen. Weiter brauche es – unter anderem – die Ausbildung von Fachleuten.

Bestehende Gesetze anpassen

Als Grundlage für Fracking und Geothermie können gemäss den Experten das Gewässerschutz- und das Umweltschutzgesetz dienen. Beide müssten aber angepasst werden. «Das ist eine Voraussetzung für die systematische und kontrollierbare Erkundung und die anschliessende Nutzung.»

Beim Fracking wird Gestein aufgebrochen, indem mit hohem Druck eine Flüssigkeit in ein Bohrloch gepumpt wird. Das im Gestein lagernde sogenannte Schiefergas wird mithilfe von Chemikalien gelöst. Seit einigen Jahren kann mit der Technologie auch Erdgas in dichtem Gestein erschlossen werden.

Skepsis bis ins Bundeshaus

Die Handlungsanweisung und die Auswertung von Chancen und Risiken für den Bundesrat sind Folge der grossen Skepsis der Kantone und der Bevölkerung gegenüber dem Fracking.

So hat das Neuenburger Kantonsparlament ein zehnjähriges Moratorium für Öl- und Gasbohrungen beschlossen. Es richtete sich vor allem gegen ein Projekt für Gasbohrungen des britischen Unternehmens Celtique Energie in Noiraige im Val de Travers. In Bern ist die «Stopp-Fracking-Initiative» hängig. Zudem soll die Methode bei der nächsten Revision des sogenannten Bergregalgesetzes verboten werden.

Im Kanton Thurgau soll nicht das Fracking selbst, sondern die Verwendung umweltgefährdender Zusätze beim Fracking verboten werden. Zahlreiche Kantone wollen sich den Zugang zur Technologie nicht verbauen, warten aber auf Verbesserungen.

Auch auf Bundesebene stösst Fracking auf Skepsis. In der Herbstession hat der Nationalrat eine Motion überwiesen, die verlangt, dass sich der Bundesrat auf internationaler Ebene gegen Fracking-Pläne am Bodensee einsetzen soll. Das letzte Wort hat der Ständerat.

Technologie entwickelt sich

Neben möglichen Erdbeben ist der Schutz des Grundwassers einer der wichtigsten Kritikpunkte beim Fracking, hält die EGK fest. Allerdings befinde sich Grundwasser in Trinkwasserqualität «in der Regel im oberflächennahen Lockergestein».

Durch abgedichtete, umweltgerecht entwässerte Bohrplätze und fachgerecht ausgeführte Verrohrung und Zementation der Bohrlöcher liessen sich oberflächliche und oberflächennahe Gewässerverschmutzungen in der Regel vermeiden, halten die Experten fest. Die Fortschritte in der Technologie böten Lösungen zu diesem Problem an.

Klimawirkung und Wasserschutz

Fracking werde das Zeitalter der fossilen Energien und damit den Ausstoss von CO2 verlängern. Die Experten hoffen aber auf eine Reduktion der Kohlenutzung. Eine Bilanzierung des CO2-Ausstosses sei derzeit aber nicht möglich.

Wissenschaftliche Studien haben jedoch aufgezeigt, dass ein Erdgas-Boom die Treibhausgasemissionen weltweit nicht senken würde. Bei der Erdgas-Gewinnung strömt nämlich immer eine gewisse Menge an Methan aus – ein viel potenteres Treibhausgas als CO2.

In den USA, wo Fracking seit 2008 boomt, stieg in einigen Frackinggebieten die Ozonbelastung. Bisher wurden vor allem Auswirkungen des Frackings auf das Grundwasser befürchtet. Die Forscher warnen jedoch auch vor Folgen für das Oberflächenwasser.

Chance für später

Die Chancen des Frackings in der Schweiz sind gemäss Fachkommission vor allem ökonomischer Art. Auch wenn Kohlenwasserstoffe aus dem Schweizer Untergrund in den nächsten Jahren kaum genutzt würden, blieben die Ressourcen für spätere Generationen erhalten.

Die Geothermie mit hydraulischer Stimulierung ist gemäss Experten noch nicht marktreif. Diese Technologie müsse noch weiterentwickelt werden und dürfte ohne massive Förderung durch öffentliche Gelder kurz-und mittelfristig kaum gewinnbringend sein.

Zudem sei über die langfristigen Folgen des Wärmeentzugs im Untergrund noch wenig bekannt. Auch hier bestehe grosser Forschungsbedarf. Die Geothermie könnte aber eine wichtige Rolle in der angestrebten Wende hin zu erneuerbaren, sauberen Energien spielen. (rub/sda)

Erstellt: 09.12.2014, 16:41 Uhr

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