Frauen profitieren, Topverdiener verlieren

Der Bundesrat will die Pensionskasse sanieren – mit einem Kompromissvorschlag. Einige Gruppen bekämen dadurch mehr Geld als andere.

Da die Mehrheit der Teilzeitangestellten Frauen sind, würden überwiegend Frauen von der Reform profitieren: Frau bei der Arbeit bei der Zimmerli Produktion im Tessin. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Da die Mehrheit der Teilzeitangestellten Frauen sind, würden überwiegend Frauen von der Reform profitieren: Frau bei der Arbeit bei der Zimmerli Produktion im Tessin. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

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Weil die Lebenserwartung steigt, wird es in der beruflichen Vorsorge je länger, je schwieriger, die gesetzlich garantierten Renten zu finanzieren. Schon seit Jahren wird deshalb dafür Geld verwendet, das eigentlich den aktiven Versicherten zustehen würde. Diese Umverteilung will der Bundesrat nun mit einer Reform der zweiten Säule bremsen. Den entsprechenden Beschluss fasste das Gremium an der Sitzung am Freitag. Es schickt den Kompromissvorschlag in die Vernehmlassung, auf den sich die Gewerkschaften mit dem Arbeitgeberverband geeinigt haben.

Vorgesehen ist unter anderem eine Senkung des Umwandlungssatzes von 6,8 auf 6,0 Prozent. Bei einem Vorsorgekapital von 100’000 Franken würde damit die Jahresrente von 6800 auf 6000 Franken sinken. Die Vorlage beinhaltet aber mehrere Massnahmen, um Rentenausfälle zu kompensieren. Wichtigstes Element ist ein lebenslanger Rentenzuschlag, der je nach Jahrgang 100 bis 200 Franken beträgt. Die Reform hätte je nach persönlicher Ausgangslage für die Versicherten unterschiedliche Folgen.

Teilzeitangestellte

Wer heute Teilzeit arbeitet oder mit tiefem Lohn auskommen muss, wird mit dem Reformvorschlag später eine höhere Rente erhalten als im heutigen System. Einerseits wird die versicherte Lohnsumme erhöht, sodass Leute mit niedrigem Lohn mehr Alterskapital ansparen können. Andererseits fällt der vorgesehene Rentenzuschlag von monatlich 100 bis 200 Franken bei einem tiefen Einkommen stärker ins Gewicht.

Frauen

Da die Mehrheit der Teilzeitangestellten Frauen sind, würden überwiegend Frauen von der Reform profitieren. Eine Untersuchung des Bundes zeigt, dass Frauen im Jahr 2012 aus der zweiten Säule durchschnittlich eine um 63 Prozent tiefere Rente bezogen als Männer.

Topverdiener

Wer über ein hohes Gehalt verfügt, hilft mit, die Reform zu finanzieren. Die Vernehmlassungsvorlage sieht eine Umverteilung von höheren zu tieferen Einkommen vor. Dies geschieht über die zusätzlichen 0,5 Lohnprozent, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer bezahlen sollen. Bei einem hohen Lohn fliesst eine grössere Summe zu dem Fonds, der die Rentenzuschläge bezahlt.

Mittelstand

Für Angestellte mit mittlerem Einkommen ändert sich gemäss ersten Modellrechnungen wenig. Doch in dieser Berechnung gibt es einige unbekannte Grössen. So ist etwa offen, wie sich die Kapitalrenditen entwickeln. Ab Einkommen von ungefähr 100’000 Franken dürfte die Belastung aufgrund der zusätzlichen 0,5 Lohnprozent gegenüber heute tendenziell steigen.

Junge Angestellte

Für die jüngeren Arbeitnehmer ab 25 Jahren wird gemäss Reformvorschlag die Altersgutschrift von 7 auf 9 Prozent erhöht. An diesem Beitrag zum Vorsorgekapital beteiligen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Durch den höheren Abzug bleibt einerseits etwas weniger Lohn übrig, andererseits sparen junge Leute auf diese Weise rascher Vorsorgekapital an.

Ältere Angestellte

Die Altersgutschriften, mit denen das Sparguthaben geäufnet wird, sinken für ältere Angestellte von 18 auf 14 Prozent. Das führt dazu, dass bei der Pensionierung weniger Vorsorgekapital vorhanden ist. Abgestufte Zuschläge von monatlich 100 bis 200 Franken sollen hier Renteneinbussen verhindern. Mit der tieferen Altersgutschrift wären ältere Arbeitnehmer für Unternehmen auch etwas weniger teuer.

Die Vernehmlassung dauert nun drei Monate. Im besten Fall könnte der Bundesrat Ende 2020 eine Gesetzesbotschaft zuhanden des Parlaments erarbeiten, wie Sozialminister Alain Berset (SP) vor den Medien erläuterte. Selbst wenn alles rund läuft, wird es laut ihm fünf bis sechs Jahre dauern, bis die Reform in Kraft tritt.

Erstellt: 13.12.2019, 19:49 Uhr

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