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Frauen, redet mit euren Männern!

Wollen die Männer gar keinen Vaterschaftsurlaub? Die Initiative haben vor allem Frauen unterschrieben.

Auch Männer profitieren, wenn sie mehr Zeit mit ihrem neugeborenen Kind verbringen können.
Auch Männer profitieren, wenn sie mehr Zeit mit ihrem neugeborenen Kind verbringen können.
Michael Sohn/Keystone

Da gibt es also einen Vorschlag, der sich nur um Männer dreht: Vier Wochen Vaterschaftsurlaub sollen sie künftig erhalten statt des einen Tages, der gesetzlich vorgeschrieben ist. Die entsprechende Volksinitiative hat Travailsuisse gestern zusammen mit 160 Organisationen eingereicht. Und jetzt zeigt sich: Von den über 100'000 Unterschriften stammen rund 70 Prozent von Frauen. Die grösste Gruppe darunter sind die 25- bis 34-Jährigen.

Obwohl das ein Annäherungswert ist und sich auf die online gesammelten Unterschriften bezieht, deckt sich dieser Befund mit den Beobachtungen auf der Strasse. So erzählt es Adrian Wüthrich, Präsident von Travailsuisse: Frauen, vor allem die jungen, waren interessiert, gingen von sich aus auf die Unterschriftensammler zu, wollten auch in Zukunft informiert werden. Bei den Männern hingegen, in dieser Altersgruppe ebenfalls eher aufgeschlossen, brauchte es ein, zwei Argumente, um sie von der Initiative zu überzeugen.

Diese Männer, noch keine Väter, wussten oftmals nicht, dass es einen solchen Urlaub gar nicht gibt, und sahen ein, dass auch sie von der Zeit profitieren würden, die sie mit ihrem neugeborenen Kind verbringen könnten.

Die Frauen, Mutter oder nicht, waren von Anfang an überzeugt, dass es den Vaterschaftsurlaub braucht.

Für Frauen nötig, für Männer «nice to have»

Genau das zeigt den Unterschied zwischen Frauen und Männern, der sich in dieser Unterschriftenbeteiligung niederschlägt: Für die Frauen ist der Vaterschaftsurlaub eine Notwendigkeit, weil sie Kinder wollen, aber Unterstützung brauchen. Es ist wichtig für sie, sich dafür einzusetzen.

Für die Männer ist der Vaterschaftsurlaub «nice to have», ein Privileg, das ihnen in der Bedeutsamkeit schmeichelt. Allenfalls ist er für sie gar ein Versprechen, das sie ihren Partnerinnen geben und dann auch einlösen müssen: Arbeitgeber, die sich unempfänglich zeigen für Teilzeitpensen oder längere Abwesenheiten nach der Geburt, können dann nicht mehr dafür verantwortlich gemacht werden, wenn die Männer daheim fehlen. Es ist also bequemer für sie, sich nicht dafür einzusetzen.

Darum müssen die Frauen anfangen, zu Hause mit ihren Partnern, den potenziellen Vätern ihrer Kinder, zu reden: klar und fordernd. Sie wissen ja, warum sie sich diese Unterstützung wünschen. Jetzt müssen es nur noch die Männer begreifen.

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